Inklusion - Ja, nein oder jein?

Inklusion - Ja, nein oder jein?

Überall hört und liest man von Inklusion. Die einen sagen „ja“ – die anderen sagen „nein“. Ich als Mutter einer körperlich und geistig behinderten Tochter sage:

„Ich möchte das Beste für mein Kind!“

Zu allererst möchte ich erklären, dass ich absichtlich von „Behinderung“ spreche. Durch ihre körperlichen und geistigen Gegebenheiten ist sie in ihrem Tun in vielen Bereichen behindert. Mir begegnet es häufig, dass viele dieses Wort ablehnen. Es klingt negativ, wird mir gesagt. Ich solle doch lieber „besonders“ sagen oder eine andere Begrifflichkeit nutzen. Und da geht es doch schon los. Warum ist ein Mensch mit Einschränkungen „besonders“? Sind meine anderen, gesunden Kinder das nicht? Für mich beginnt Inklusion da, wo alle Menschen „besonders“ sind – jeder auf seine Art. Die einen sind hell, die anderen dunkel, einige groß, andere klein, die einen behindert und andere wieder nicht. Aber natürlich darf es jeder nennen wie er es möchte.

Was ist nun aber mit der Inklusion?

Brauchen wir sie wirklich? Und kann sie funktionieren?

Ja. Wir brauchen sie! Denn unter dem Aspekt, dass alle Menschen selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können und sollen und Behinderte sich nicht in ihre Umgebung integrieren oder sich ihr anpassen müssen (denn das wäre Integration), sondern dass diese so gestaltet ist, dass alle Menschen gleichberechtigt leben können, kann es nur ein klares „ja“ zur Inklusion geben. Außerdem hat bereits 2008 die  UN-Behindertenrechtskonvention die Inklusion als Menschenrecht für Menschen mit Behinderungen erklärt.

Wie aber kann sie funktionieren?

Ich persönlich denke, mit viel Zeit, Geduld und einer Umstellung der Bereitschaft und des Denkens der Menschen!

Was bringen ein geschriebenes Recht und die Versuche der Umsetzung, wenn die wirkliche Bereitschaft der Menschen noch nicht so weit ist? Was bringt es, wenn immer noch darüber gestritten werden muss, ob Inklusion nun gut oder schlecht ist? Was bringt es, wenn Behinderte in den Köpfen der Menschen noch immer „unnormal“ sind?

Inklusion wird dann funktionieren, wenn sich das Denken gewandelt hat. Denn Inklusion kostet auch viel Geld! Und so lange die Bereitschaft zu investieren, die Einsicht der Notwendigkeit und die Einstellung zu Behinderten der Menschen sich nicht ändert, wird es ein schleppender Prozess, der viel Zeit benötigt.  

Was ich damit sagen möchte: Ja, ich wünsche mir, dass meine Tochter und andere behinderte Kinder mit nicht behinderten gemeinsam beschult werden, miteinander lernen, spielen, streiten, toben und leben können. Aber nicht um jeden Preis. Denn was bringt es den Kindern, wenn sie auf einer Regelschule nicht so gefördert werden können wie es auf einer Förderschule möglich wäre? Was bringt es den nicht behinderten Kindern wenn man ihnen auf Grund der Inklusion nicht gerecht werden kann? Es reicht eben nicht, einen Sonderpädagogen stundenweise mit in den Unterricht zu nehmen. Und auch ein Crash-Kurs des Lehrpersonals reicht nicht aus, um den gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht behinderten Kindern für alle optimal zu gestalten. Hier fallen allein an Personal und Schulumbauten enorme Kosten an. Sie zu tragen lohnt sich und ich bin überzeugt, dass eine pädagogische Inklusion auch das Denken der Menschen verändert. Schließlich wird so schon den Grundschulkindern vermittelt, dass behindert sein nichts Schlimmes ist. Doch das Geld und auch die Bereitschaft zu investieren muss da sein. Auch Lehrer und Eltern müssen die Notwendigkeit dieser Maßnahmen wirklich sehen und die Umsetzung wollen. Nur dann ist Inklusion möglich.

Ich habe mich im Freundes-und Bekanntenkreis umgehört. Der Tenor ist durchweg: Ja zur Inklusion – nur an der Umsetzung muss noch viel getan werden.

Meine persönliche Meinung ist, dass eine Umsetzung der pädagogischen Inklusion nur dann möglich ist, wenn die Inklusion sich in den Köpfen der Menschen verankert hat – das Bewusstsein, dass Behinderte genau so zu unserer Gesellschaft gehören, nicht „sonderbar“, „unnormal“ oder sogar „beängstigend“ sind, wie nicht Behinderte.

Weitere Informationen zum Thema Inklusion finden Sie auf den Seiten der Aktion Mensch.

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Kommentare zu diesem Artikel

Günther Manja schrieb am 17.07.14 dazu:

Meine Hochachtung für diesen wunderbaren Artikel, er ist mir aus dem Herzen geschrieben! Das Thema mit dem Behindert-Wort geht mir auch ziemlich auf den Senkel...nein, mein Kind wird nicht nur durch unsere Gesellschaft behindert, er ist es tatsächlich. Und Besonders sind wirklich alle Kinder! Basta! Zur Inklusion stehe ich auf dem selben Standpunkt. Die Schranken bestehen in den Köpfen und so lange da kein Umdenken stattfindet, wird sich nur sehr langsam etwas ändern. Das sieht ma ja schon sehr deutlich an meinem Vorredner, ein ganz typisches Beispiel. 1. Ein Schritt in die Vergangenheit wäre es , wenn Behinderte versteckt würden aus Scham oder noch schlimmer- vergast. 2. Es gibt so viele "Eingeschränkte" , dazu gehören auch Brillenträger, Schwerhörige, Autisten, manchmal sind die Einschränkungen nicht mal sichtbar wie beim Hydrocephalus. Wer geht denn noch in die Regelschule, wer entscheidet, was " normal" ist und "passt"? Und zum Thema Mobbing und Rangrivalitäten- wer lebt unseren Kindern denn diese " Ränge" vor? Genau das ist ja auch Inklusion- jeden Menschen so anzunehmen wie er ist- mit seinen Stärken und Schwächen! Und da kommen wir wieder auf das Thema: wir brauchen Menschen, die das wollen und Geld, damit die Lehrer besser ausgebildet werden und kleinere Klassen und mehr Personal etc. Dann können die Lehrer unsere Kinder auch sozial so stärken, wie es eben für diese Art zu Leben notwendig ist - mit Kompetenztraining und Konflikttraining und und und... Und da sind wir auch eigentlich schon automatisch bei 3. Dieses "Klassifizierungssystem" ist so was von veraltet. Natürlich können Hauptschüler mit Gymnasiasten erfolgreich gemeinsam unterrichtet werden und am Ende hat der Gymnasiast sein Abitur und oft sogar der ehemalige Hauptschüler einen Realschulabschluß oder noch besser. Weil sie eben voneinander und miteinander gelernt haben. Und damit niemand behaupten kann, dass ich mir das ausdenke: Mein überdurchschnittlich begabtes Kind, dass wir bewußt nicht auf das Gymnasium geschickt haben, lernt in der Gesamtschule mit allen unterschiedlichen Schülern gemeinsam, sein Freund in der Klasse ist " eingeschränkt" und hat einen Schulbegleiter. Ja, und er lernt dort gut und ist nicht unterfordert und glücklich und zufrieden. Und da wären wir dann wieder beim Artikel, in dem steht:"ich möchte das Beste für mein Kind!" Das ist das Beste für mein Kind und daher wechselt auch schwer mehrfach behindertes Kind im Sommer auf diese Schule- gemeinsam mit anderen gesunden und eingeschränkten Kindern. PS: Wir müssen doch auch noch die Behinderten " klassifizieren"- mein Sohn ist zwar schwer mehrfach behindert, aber ich würde ihn in die Güteklasse A einteilen, denn er ist nur körperbehindert und hat sogar eine Gymnasialempfehlung ( für alle, die jetzt erschrocken sind: das war Ironie!). Und der letzte Satz meines Vorredners setzt nochmal das Tüpfelchen auf das i: Autobahnen, Fußgänger...gehts noch? Wir reden hier von Menschen und das ist wie Äpfel mit Birnen vergleichen, das geht gar nicht! So ein Quatsch! Herzliche Grüße von einer Inklusionsbefürworterin ( falls es jemand noch nicht gemerkt hat)!

Bayer Cerstin (http://www.lafueliki.de) schrieb am 22.06.14 dazu:

Bis wir mit der Inklusion angekommen sind, werden ein bis zwei Generationen ins Land gehen. Als Kind einer Inklusionsklasse der ersten Stunde 1968, behaupte ich, es gibt für die Gesellschaft nichts besseres. Das zusammenpressen von 4-5 Integrationskindern in einer Klasse halte ich für vollkommen falsch. 25 Kinder können ein Inklusionskind auffangen und damit zu einer Generation heranwachsen die wir uns wünschen. Wenn das Verhältnis jedoch 5 zu 1 ist, ist es fatal und alle sind überfordert. Sicherlich muss es immer die Möglichkeit geben ein Kind in einer Förderschule zu unterrichten, wenn dieses gewünscht ist. Inklusion beginnt in den Köpfen, in der Gesellschaft in der Krippe und ebenso im Kindergarten nicht erst in der Schule.

Joe Garage schrieb am 06.06.14 dazu:

Ich halte die Einbindung von Behinderten in die Unterrichte von Regelschulen nicht für sinnvoll. 1. Wäre das ein Schritt in die Vergangenheit. 2. Wären dann die Eingeschränkten Kinder das schwächste Glied innerhalb einer Klasse. Was bedeuten würde, dass sie Hauptziel von Mobbing und ähnlichen Rangrivalitäten werden würden. 3. Sind die Schulen mit gutem Grund in Klassifizierungen der Lerngeschwindigkeit unterteilt. Es macht auch nicht viel Sinn Hauptschüler mit Gymnasiasten zusammen zu unterrichten. Ich denke man sollte dankbar sein, dass es heutzutage Einrichtungen gibt, in denen Behinderte ihren Fähigkeiten gerecht gefördert werden können. Sonst könnte der nächste Diskussionspunkt heißen; warum werden Autobahnen den Fußgängern vorenthalten ? Gleiches Recht für alle ! ;-)

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