Ziele zwischen Gefühl und Verstand - wie wir mit passenden Zielen erreichen, was wir wirklich wollen

Ziele zwischen Gefühl und Verstand - wie wir mit passenden Zielen erreichen, was wir wirklich wollen

Ziele zwischen Gefühl und Verstand
- wie wir mit passenden Zielen erreichen, was wir wirklich wollen

Ziele geben Sinn und  mobilisieren Energie

„Der Ziellose erleidet sein Schicksal – der Zielbewusste gestaltet es“ Immanuel Kant

Ziele sind Wunschbilder einer angestrebten Zukunft. Sie sind die inneren Antreiber, die uns zum Handeln motivieren. Wer Ziele hat, weiß worauf er seine Energie richtet und  was er erreichen will. Wer keine Ziele hat, lebt in den Tag hinein, kann sich nicht aufraffen und hat wenig Energie. Nichts scheint wichtig, nichts ist es wert, Anstrengungen und Kräfte zu mobilisieren. Menschen ohne Ziele fühlen sich häufig innerlich leer. Zielklarheit zu haben setzt hingegen Energien frei. Die klare Absicht eines Ziels führt dazu, dass wir unsere Kräfte konzentrieren und fokussieren. Wie wir passende Ziele finden, formulieren und umsetzen können zeigen uns wichtige Erkenntnisse der Motivationspsychologie:

Ziele selbst bestimmen statt fremdbestimmen lassen

Was will ich eigentlich wirklich? Diese Frage ist schwieriger zu beantworten, als es auf den ersten Blick scheint. Laut dem Motivationspsychologen Julis Kuhl[1]  liegt es daran, dass unsere innersten Motive und Werte in dem sogenannten „Selbstsystem“ (Extensionsgedächtnis) gespeichert sind. Zu diesem Selbstsystem haben wir über den bewussten Verstand keinen direkten Zugang. Das Selbst äußert sich eher subtil über Gefühle. Nehmen wir diese Gefühle nicht wahr oder nicht ernst, erkennen wir nicht, was uns am besten entspricht. Wir wissen dann nicht, was wir wirklich wollen, sondern nur, was wir wollen sollen. Wo die ureigenen Ziele fehlen, haben fremde Ziele leichtes Spiel: Wer keine eigenen Ziele hat, wird leicht von Menschen gesteuert, die welche haben. Dies macht jedoch auf Dauer unglücklich und kann sogar krankmachend wirken. Die Frage, was wir wirklich wollen ist daher essenziell für unser Wohlbefinden und für unser motiviertes Handeln.

Haltungsziele, Ergebnisziele, Handlungsziele

„Starke Gründe bringen starke Handlungen hervor.“ William Shakespeare

Üblicherweise werden alle „angestrebten Zustände der Zukunft“ als Ziele bezeichnet. Nach Erkenntnissen der Motivationspsychologie lassen sich unterschiedliche Zielebenen unterscheiden:

Als Haltungsziele werden Ziele bezeichnet, die unsere innersten Werte und Motiven widerspiegeln. Sie sind meist nicht konkret formuliert, sondern begleiten uns als wichtige langfristige Absichten. Haltungsziele gelten als identitätsstiftend und unstillbar. Dies bedeutet, sie sind nie erfüllt, und das ist auch gut so. Weil sie unseren innersten Motiven entsprechen, begleiten sie positive Gefühle, die zum Handeln anregen und uns helfen, auch Schwierigkeiten und Durststrecken zu überwinden. Wo Haltungsziele wirken, ist das Tun keine Pflicht, sondern eine Freude. Wer Sport liebt, muss sich nicht dazu aufraffen, sondern will gar nicht darauf verzichten.

Ergebnisziele drücken aus, was wir in der Zukunft ganz konkret erreichen wollen. Alle Ziele, die nach dem SMART-Prinzip (spezifisch, messbar, anspruchsvoll, realistisch, terminiert) formuliert sind, sind Ergebnisziele. Ein Ergebnisziel zu verfolgen fällt leicht, wenn es von einem Haltungsziel getragen wird. Fehlt jedoch ein passendes Haltungsziel, wird das Vorhaben meist nur halbherzig verfolgt. Wo die intrinsische Motivation fehlt, braucht es Pflicht und Disziplin.

Über Handlungsziele planen wir, was wir wann genau unternehmen, um ein bestimmtes Ergebnisziel zu erreichen. Sind alle Ebenen im Einklang, gelingt es, motiviert zu handeln und auch Durststrecken, Rückschläge und Schwierigkeiten gut zu überwinden auf dem Weg zu unserem Herzens-Ziel.

Wie wir erreichen, was wir wollen – Tipps für den richtigen Umgang mit Zielen

  • Herausfinden, was ich wirklich will: Nur Ziele, die tief in unseren eigenen Motiven und Werten verwurzelt sind, lassen uns auch langfristig „für einen Sache brennen.“ Solche Ziele zu finden, braucht Muße und Zeit für Reflexion. Identitätsstiftende Haltungsziele lassen sich nicht mittels Verstand bestimmen. Hier gilt es, auf die eigenen Gefühl zu hören: Was lässt mein Herz höher schlagen? Was bringt eine Seite in mir zum Klingen? Was würde ich sehr gerne tun? Auch spezielle Coachingmethoden wie z.B. das Zürcher Ressourcen Modell® helfen, herauszufinden, was wir wirklich wollen.
  • Zieldienliche Gedanken und Gefühle einsetzen: Die Stärke einer Absicht wird als Volitionsstärke bezeichnet und ist ein Produkt aus Wünschbarkeit und Realisierbarkeit. [2] Wie stark wir uns ein Ziel wünschen und für wie realistisch wir es halten, können wir jedoch auch selbst beeinflussen: Sich selbst immer wieder vor Augen führen, wie schön es sein wird, das Ziel erreicht zu haben, steigert die Attraktivität und damit die Wünschbarkeit des Ziels. Sich vergangene Erfolge vor Augen zu rufen, sich mit Handlungsmöglichkeiten auseinanderzusetzen und sich selbst durch konstruktive Selbstinstruktionen zu bestärken, steigert den Glauben an die Realisierbarkeit.
  • Den Goal-Shielding–Effekt nutzen: „Sobald der Geist auf ein Ziel gerichtet ist, kommt ihm vieles entgegen.“ So beschreibt Johann Wolfgang von Goethe bereits den Goal-Shiellding-Effekt: Mit einer hohen Volitionsstärke stehen Wahrnehmung, Denken und Handeln ganz im Dienst der jeweiligen Absicht. Passende Gelegenheiten dem Ziel näher zu kommen werden dann sofort wahrgenommen, alles was störend wirkt, wird unbewusst ausgeblendet.
  • Sich ein klares Zielbild machen: Forschungsprojekte an der Universität Osnabrück zeigen, dass Menschen die ihre Ziele als Bilder abgespeichert haben, erfolgreicher sind als solche, die ihre Ziele als verbale Selbstinstruktionen formulieren.  Motive und Ziele, die mit Bildern verknüpft sind, wirken ständig aus dem Hintergrund, ohne dass es uns direkt bewusst ist. Wer sich ein Bild macht, von dem was er sich wünscht, erhöht damit die Chancen, es auch zu erreichen. Am besten wirkt sich ein Pendeln aus: Ab und zu denkt man bewusst an das Ziel und formuliert es sehr konkret. Man stellt sich genau vor, was man wann und wir unternehmen will, um dem Ziel näher zu kommen. Dann lässt man es wieder in den Hintergrund des Bewusstseins absinken.
  • Handlungsziele als „Wenn-dann-Ziele“ formulieren: Die Forschungsarbeiten von Peter Gollwitzer zeigen, dass Handlungspläne als Wenn-Dann-Ziele formuliert, am ehesten umgesetzt werden. „Wenn-dann-Ziele“ legen ganz konkret fest, wann, wie, wo wir was unternehmen, um unsern Zielen näher zu kommen.
  • Ziele in Etappen unterteilen: Bei großen Zielen, die einen langen Umsetzungszeitraum erfordern, ist es schwer dran zu bleiben, wenn zwischenzeitliche Erfolgserlebnisse fehlen. Hier hilft es, Meilensteine und Zwischenziel zu definieren. So können wir uns auf die nächste Schritte konzentrieren und wahrnehmen, dass es voran geht.

 © Petra Weber, Coachingzentrum Heidelberg, www.coachingzentrumheidelberg.de


[1] Martens, J.-U.; Kuhl, Julius: Die Kunst der Selbstmotivierung – neue Erkenntnisse der Motivationsforschung praktisch nutzen Kohlhammer, Stuttgart, 2011

[2] Strorch, M.; Krause, F.: Selbstmanagement – ressourcenorientiert. Verlag Hans Huber, Bern, 2010

Weitere Informationen:
http://www.coachingzentrumheidelberg.de

Verfasser und Verantwortlich für den Inhalt:
Petra Weber, Führungstrainerin, Coach, Coachingzentrum Heidelberg, 69115 Heidelberg
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