ZUFRIEDENHEIT UND GELASSENHEIT: Die Überwindung der drei Geistesgifte

ZUFRIEDENHEIT UND GELASSENHEIT: Die Überwindung der drei Geistesgifte

Die drei Geistesgifte

Der Beginn eines friedvollen und erfüllten Lebens ist die Bewusstwerdung des eigenen Seelenanliegens. Die Frage danach „Wer bin ich?“ und „Wofür bin ich in diese Welt gekommen?“ wird allerdings bei den meisten Menschen unterbrochen – und eine Antwort, die der inneren Wahrheit wirklich entspricht, bleibt aus.

Zu stark sind unsere Vorstellungen von der Welt, von unseren Mitmenschen und von der Person, die wir als „ich“ verstehen. Tief sitzt die Angst davor, nicht zu bestehen. Und aus dieser Angst weben wir uns ein in ein Korsett aus begrenzenden Orientierungspunkten in der Welt, wie wir sie bisher erleben. Daher müssen wir erst eine „Lücke“ finden, um durch das Geflecht an Vorstellungen und Fixpunkten hindurch zur Bewusstheit des Selbst zum Wesenskern und zu dem „Was mir wirklich wichtig ist“ vorzudringen.

Mein „Instrument“, um diese Vorarbeit in den Coachings oder Seminaren zu machen, sind von jeher die „Vier Kreise des Seins“ (s. Arbeitsbuch „Was Dir wirklich wichtig ist“). Sie geben einen guten Eindruck von den Begrenzungen, die wir uns geschaffen haben. Und sie geben mir als Transformationsbegleiterin Hinweise auf die Türen zur Seele, die in diesem Moment geöffnet werden könnten.

Nun habe ich mir natürlich auch die Instrumente der anderen angesehen – etwa „the work“ von Byron Katie, die eher auf die Wiederherstellung des Wohlbefindens im jeweiligen Moment zielt, oder die Spiegelexperimente von Art Reade, durch die Barrieren erlebbar werden, oder das Reframing nach Bandler und Grinder (NLP). Doch all diese Techniken mögen zwar momentane Barrieren sichtbar machen – doch den Weg zum Sein öffnen sie nicht.
Unterwegs in ganz anderen Gedanken stieß ich im Januar aber einmal mehr auf ein buddhistisches Konzept – und entdeckte in den letzten beiden Auszeiten, wie hilfreich dessen Anwendung in der persönlichen Transformationsarbeit sein kann.

Nach meiner Auffassung gründen alle Beschränkungen – geistige, emotionale, spirituelle, körperliche und soziale – in Angst. Angst als Abwesenheit von Liebe.  Die (tibetanischen) Buddhisten unterscheiden drei Geistesgifte – Hass, Gier und Verblendung – als Formen der emotionalen Anhaftung. In der tibetischen Medizin werden diese drei Gifte als geistige Verschmutzung und als Ursache aller nicht durch Geburt induzierten Krankheiten verstanden.

Diese Kategorisierung ist so einfach wie effektiv bei der Transformationsarbeit: Denn die „Türen“, die das meist unbewusste Glaubenssystem eines Menschen hin zum Wesenskern bietet, lassen sich nur dann öffnen, wenn die Angst, die sie verschlossen hält, in angemessener Weise aufgenommen und transformiert wird.

Hass ist die Abwesenheit von Liebe nach außen. Schuldzuweisungen, Enttäuschung, übermäßige Abgrenzung bis hin zu Isolation und verzweifelter Einsamkeit sind die Symptome.
Eine meiner Klientinnen ist eine hervorragende Beobachterin. Keine Unstimmigkeit entgeht ihr – nichts aus ihrer Hand wäre beliebig, sondern immer von einer hohen Ästhetik und Ausgewogenheit. Diese Teilnehmerin litt unter schweren Panikattacken – und der Vorstellung, ihr sei erhebliches Unrecht angetan worden. Dieser Frau Verzeihens-Rituale anzubieten oder ihre Fähigkeit, sich angemessen abzugrenzen, zu stärken, hatten über viele Jahre keinerlei Effekt gezeigt. Warum nicht?
… weil Ihr Geist – und ihre gesamtes Erleben – durchtränkt waren vom Geistesgift Hass. Hass verhindert „Aufnehmen“. Kein Angebot kann hier wirken. Um die „Türen zur Seele“ durch das Glaubenssystem hindurch dennoch zu öffnen, ist das energetische Komplementär zu diesem Geistesgift erforderlich: Das Entfernen jeder Widerstandsfläche. Hass braucht Widerstand.
Ganz praktisch bedeutete dies in der Auszeit, dass die Teilnehmerin ihre Selbstheilungskräfte genau in dem Moment aktivieren konnte, als der (vermeintliche) Außendruck (Nähe) so stark wurde, dass Sie in eine extreme  Abwehrreaktion ging (hier: Panikattacke und Schuldzuweisungen).  Statt jedoch auf ihre Signale zu reagieren, beantwortete ich ihre Verfassung mit ungeteilter Präsenz. Ich ging (energetisch) nicht auf sie zu – aber auch nicht von ihr weg. Ihre Klagen und Schuldtiraden wurden in einen sehr weiten Raum ungeteilter Präsenz gestellt (Gruppe, jedes Mitglied hatte Raum, das eigene Erleben der Situation zu beschreiben). Die Klientin war mental nicht in der Lage, die Darstellungen aufzunehmen und weitete ihre Übergriffe immer weiter aus – die keinen Widerstand und keine Resonanz fanden. In der darauffolgenden Nacht arbeitete ihre Seele intensiv an den Eindrücken. Am Folgetag fand die kognitive Verarbeitung statt, in der der Verstand nachvollziehen konnte, was die Seele bereits umgesetzt hatte: Das Angriffs- und Abgrenzungsprogramm hatte ausgedient – der Weg zum Wesenskern und Seelenanliegen frei.

Ganz anders ist ein Mensch zu öffnen, dessen Geistesgift vor allem aus Gier besteht.

Gier ist die Abwesenheit von Liebe zu dem was ist. Die Blindheit für die Fülle des Moments treibt uns nach vorne, lässt uns immer neue Ziele und Wünsche, Bedürfnisse und Aufgaben kreieren und wirft uns in ein Gefühl von Leere, Mangel und Erschöpfung. Selbstwertschwäche, Selbstmitleid und ein Mangel an Empathie sind die sozialen Symptome, die selten von den Betroffenen selbst wahrgenommen werden.
Gier braucht ein starkes Außen, greifbare Fülle (oder Unterstützung). In der Transformationsarbeit ist es also wichtig, genau diese äußere Fülle, die Resonanz,  zu reduzieren und den Klienten auf sich selbst zurück zu führen.  Besonders meine weiblichen Klientinnen tragen dieses Gift oft mit sich und füllen mit ihrer (selbst nicht wahrgenommenen) Über-Fülle erst einmal den ganzen Raum: Immer haben sie etwas zu sagen, immer gibt es noch einen Zusatz – nicht selten mit emotionalen, ja:  sentimentalen Szenen (von Hilflosigkeit, Trauer, Unzufriedenheit). Die sanfte Umlenkung zu sich selbst – das Verordnen von Stille, die Konzentration auf die eigene, innere Mitte, lange Meditationen in der Natur – idealerweise sich selbst überlassen – unterbrechen hier das ständige Greifen nach Resonanz und Beziehung – und öffnen die Tür zur gegenwärtigen Fülle. Und zum Blick auf die eigene Seele.

Verblendung ist im buddhistischen Sinne die Fehleinschätzung der eigenen Wichtigkeit. Die Vorstellung, anders zu sein, nicht dazu zu gehören, sind klassische Äußerungsformen. Hier fehlt es letztlich an Liebe zum unvollkommenen Stand der Dinge – auch zu unserer eigenen Entwicklung. Wenn das Geistesgift Verblendung im System ist werden die Eigenheiten, die Entwicklungsaufgaben, das persönliche Werden nicht akzeptiert sondern als Barriere zwischen sich selbst und der Umwelt erlebt. Das Gefühl, nicht gesehen zu werden, die eigene Ansicht gegen Widerstand durchsetzen zu müssen und Großes zu leisten, spiegelt letztlich die Angst vor der eigenen Unvollkommenheit.

In unserer Leistungsgesellschaft ist dieses Gift hoch im Kurs. Individualisten, Querdenker, Selbstdarsteller treiben uns und sich selbst an, das Besondere darzustellen. In der Transformationsarbeit wird dieses „Gift“ entfernt, indem der Blick und die Liebe zum Werdenden neu geschärft werden – und das Annehmen praktiziert wird. Hier ist die Gruppenarbeit ganz besonders wertvoll – und natürlich die Meditation in freier Natur.

Ich habe mit diesem Beitrag versucht zu beschreiben, wie eine tiefgreifende Glaubenssatzarbeit wirkungsvoll gemacht werden kann. Dabei ist diese Arbeit lediglich die Vorarbeit, um den Zugang zum Wesenskern, zum Seelenanliegen eines Menschen zu öffnen. Denn dieser Kern ist in aller Regel geschützt und überlagert von Ängsten und Vorstellungen über das Leben, die uns auf der Willensebene halten. Ich will haben… Ich will machen… Ich will sein….
Diesem Wollen zu folgen – ohne sich über den tieferen Sinn, das ursprüngliche Seelenanliegen bewusst zu sein – heißt, lebenslänglich zu Suchen und von einer Re-Aktion in die nächste zu stolpern. Daher ist es so wichtig, vorzudringen, den alten Ängsten ins Auge zu sehen und zu erleben, dass wir ihnen mittlerweile gewachsen sind.

Noch eines liegt mir am Herzen: Der Umgang mit den Geistesgiften erfordert ein bedingungsloses „JA“ zum Klienten. Die Haltung, in der die Begleiterin der Klientin begegnet, gründet immer in der tiefen Einsicht „nichts Menschliches ist mir fremd – und ich liebe Dich in Deinem aufrechten Bemühen, Deine Ängste zu überwinden und Deine Seele zu leben“.

In diesem Sinne: Uns allen einen guten Weg !

Evelin Rosenfeld arbeitet seit 13 Jahren als Transformationsbegleiterin nach eigener Methode (s. „Was Dir wirklich wichtig ist. Arbeitsbuch zum Personal Empowerment“, 2004, Junfermann Verlag). Der Entwicklungsprozess, den sie als Coaching oder Auszeit in Thüringen, Teneriffa und Thailand (s. www.seminar-und-reisen.de) anbietet, ist darauf ausgerichtet, Menschen aus ihren Ängsten und Automatismen zurück zu ihrem Seelenanliegen und damit in ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Nähere Informationen: www.evelinrosenfeld.de

In meinem kleinen Video zur „Anderen Wirklichkeit“ nehme ich auf die drei Geistesgifte Bezug – eine andere Wirklichkeit offenbart sich, wenn wir der Gifte bewusst werden und sie aus uns herauszuleiten wissen:  http://www.youtube.com/watch?v=scKYWEtr1vM

Weitere Informationen:
http://www.evelinrosenfeld.de

Verfasser und Verantwortlich für den Inhalt:
Evelin Rosenfeld, Coach, Evelin Rosenfeld Coaching, 96476 Bad Rodach
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