Ausgebrannt? Mit Gestalttherapie zur Balance

Ausgebrannt? Mit Gestalttherapie zur Balance

Wenn man bedenkt, dass Diagnosen wie Burnout und Depression zu jeder zehnten Krankschreibung in Deutschland führen, dass 86% der Führungskräfte Burnout als brennendes Thema in den Unternehmen sehen und dass - einer Studie des Karriereportals Stepstone - zufolge, hierzulande durchschnittlich ca. 30% bis 50% aller Erwerbstätigen vom beruflichen „Ausbrennen" betroffen sind, muss man sich Gedanken darüber machen, womit diese flächendeckende Erschöpfung zu tun hat. Viel wurde darüber inzwischen geschrieben, diverse Trainings für Firmen wurden entwickelt, die helfen sollen, die drohende Gefahr abzuwenden, Kliniken haben sich darauf spezialisiert, diese Menschen aufzufangen.
Die Gestalttherapie hat nicht nur ein nützliches Erklärungsmodell für Burn-down-Spirale zu bieten, sondern stellt auch einen wirksamen Ansatz zur Behandlung von Burnout dar.
Burnout kann man als Zusammenbruch des gesamten Organismus sehen. Nichts funktioniert mehr wie früher. Die gesunde Selbstregulation ist gestört. Betroffen ist der gesamte Organismus, sowohl die psychischen, wie die somatischen Funktionen.
Daueranspannung verhindert ein Zur-Ruhe-Kommen, die Konzentration lässt nach und auch die Merkfähigkeit ist zunehmend beeinträchtigt. Angst und Panikattacken tauchen auf und halten die Betroffenen in einem „überwachen" Zustand. Erschöpfung macht sich breit und Selbstzweifel beginnen zu nagen, ein sozialer Rückzug setzt ein, soziale Kontakte werden zur Belastung und zunehmend vermieden.
Erste Symptome mit Krankheitswert tauchen auf - Depression, Angstzustände, Panikattacken, Schlafstörungen, Suizidgedanken. Auf körperlicher Ebene kommt es zu erhöhter Infektanfälligkeit, Bluthochdruck, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Magenschmerzen, Tinitus, Hörsturz, Zuckerkrankheit, Herzrasen bis Herzbeschwerden und Infarkt, Suchterkrankung, Kontrollverlust, Störung von Potenz und Libido sowie Fruchtbarkeit.

Wie kommt es zum Burnout? Die Burn-down-Spirale.
Die Gestalttherapie geht davon aus, dass jeder Mensch über die Fähigkeit verfügt, seine Bedürfnisse so zu regulieren und sein Leben so zu organisieren, dass er sich gut lebensfähig erhält oder sogar weiterentwickelt. Inneres Wachstum wäre die Folge. Eine Entwicklung zum Burnout weist auf eine Störung dieser Regulationsfähigkeit hin.
Der Mensch steht in Abhängigkeit zu seiner Umwelt: Alles, was wir zu uns nehmen, Nahrung, Luft, Berührung, Zuwendung, etc. kommt von außen. Gleichzeitig besteht die zwingende Notwendigkeit, sich von der Umwelt auch abgrenzen zu können, wenn für das Individuum die Gefahr besteht, dass es physisch oder psychisch Schaden nimmt.
Zwischen diesen beiden Polen, Abhängigkeit und Abgrenzung, sich einlassen auf die Umwelt und etwas annehmen und zurückweisen, bewegen wir uns ständig. Es kommt auf eine möglichst klare Einschätzung unserer momentanen Situation an, um mit einer gewissen Entschlossenheit dafür einzutreten, was wir brauchen oder zurückzuweisen, was wir nicht haben wollen. - Das hört sich erst mal einfach und selbstverständlich an. Erst bei genauerem Hinsehen merken wir, dass die Herausforderung im Detail liegt.
Um herauszufinden, was gut für uns ist, müssen wir unsere Bedürfnisse wahrnehmen, müssen die Umwelt kennen und richtig einschätzen lernen, müssen all das Wahrgenommene für uns sinnvoll ordnen und Prioritäten setzen, planen, Energie (Aggression) mobilisieren, um die Befriedigung des Bedürfnisses zu erreichen. Wenn dies eintritt, sind wir zufrieden und fühlen uns gestärkt. Wir können uns entspannen bis ein neues Bedürfnis sich in unser Bewusstsein drängt und der Prozess von vorne losgeht.
Gerät ein Mensch in eine Situation völliger Erschöpfung, rührt das daher, dass dieser Kontaktprozess an irgendeiner Stelle häufig unterbrochen wurde, sodass es nicht zu Entspannung, Befriedigung, innerem Wachstum kommt. Vielmehr bleibt der Prozess unabgeschlossen oder „ die Gestalt bleibt offen".
Es kann sein, dass man seine Bedürfnisse nicht oder nicht deutlich spürt, dann fehlt die innere Orientierung für das Handeln. Man orientiert sich vielleicht stärker an Anforderungen, die an einen gestellt werden. Auch wenn man diesen Anforderungen gut nachkommt, kann es sein, dass man nicht zufrieden ist.
Es kann auch sein, dass man zwar seine Bedürfnisse spürt und weiß, was man braucht, das aber nicht von seiner Umwelt - Partner, Firma, Gesellschaft - bekommt. Beispielsweise kann es sein, dass man von seinem Arbeitgeber permanent mit zu hohen Leistungserwartungen oder Flexibilität etc. überfordert wird. Wenn man sich dagegen nicht wehrt, erschöpft sich die Energie im Bemühen, den Anforderungen des Chefs gerecht zu werden und die eigenen Bedürfnisse bleiben unbefriedigt. Das ist auf Dauer kein guter Zustand, denn die Aggression, die man eigentlich zur Befriedigung der eigenen Bedürfnisse benötigt, bleibt entweder als Spannung erhalten, oder entlädt sich auf destruktive Weise (beispielsweise gegenüber den Kindern, die häufig die Leidtragenden von frustrierten Eltern sind, oder gegenüber Mitarbeitern, oder auch gegen sich selbst).
In der Gestalttherapie untersuchen wir die psychischen Mechanismen, die verhindern, dass grundlegende Bedürfnisse befriedigt und offene Gestalten geschlossen werden.
Der Ausstieg aus einer Lebensführung, die zu einer zunehmenden Schwächung des Organismus geführt hat, ist nicht leicht, da es ein beträchtliches Maß an Ich-Stärke erfordert, sich den Gewohnheiten zu widersetzen und das Bild von sich selbst zu korrigieren. Es ist oft ein Bild von Stärke, Souveränität, Tatkraft und Können gepaart mit scheinbarer Bedürfnislosigkeit.
Ein anderes stark verbreitetes Selbstbild ist das des Opfers, das sich nicht wehren kann. Oft gelingt ein Ausstieg erst, wenn der Körper versagt oder ein Arzt eine Pause verordnet. Gerade die Unfähigkeit, für die einen Bedürfnisse einzutreten, etwas zu fordern, zu wollen, Wünsche zu äußern oder auch nur einmal „nein" zu sagen, haben zu eben dieser Schwächung des Organismus geführt. Um auszusteigen, braucht es ein starkes „Nein" zu den Anforderungen von außen. Behelfsweise kann dies (oder: muss dies) von einem Therapeuten bzw. Arzt ausgesprochen werden. Das kann aber nur eine Hilfe für den Ausstieg sein. Das schwache „Ich" des Klienten bekommt quasi ein starkes „Ich" vom Therapeuten geliehen, der deutlich macht, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Burnout-Klienten müssen vor allem lernen, wieder gut für sich zu sorgen und für sich einzutreten.
Eine Auszeit kann ein Anfang sein, um die dringend benötigte körperliche Regeneration sicherzustellen. Die Pause allein hilft aber nicht, zu einem selbstverantwortlichen Handeln und zur nötigen Selbstfürsorge zu kommen. Zu stark sind gewohnte Muster und leitende innere Sätze (Glaubenssätze). Für eine langfristige Perspektive der inneren Stabilisierung ist eine bewusste Auseinandersetzung mit sich selbst und der gegenwärtigen Lebenssituation unumgänglich.

Verfasser und Verantwortlich für den Inhalt:
Gabriele Blankertz, Gestalttherapeutin, Praxis für Gestalttherapie, 10437 Berlin
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Gabriele Blankertz Gestalttherapeutin  Praxis für Gestalttherapie 10437 Berlin Gabriele Blankertz, Gestalttherapeutin,
Praxis für Gestalttherapie, 10437 Berlin
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