Beziehungsfähigkeit: DIE EVOLUTION DER LIEBE

Beziehungsfähigkeit: DIE EVOLUTION DER LIEBE

Aus der Angst in die Liebe            

Viele sind dabei, sich von Konventionen und Zwängen zu befreien. Hinter den Vorstellungen von Beziehung, Anerkennung, Wert und Leistung tauchen wieder die Größen eines gesunden Herzens und eines klaren Geistes auf:  Mitgefühl, Achtsamkeit, innere Freiheit...

Wir kehren zurück zur Liebe mit ihren tausend Formen - und begreifen die bedingungslose Liebe als höchstes Ideal.
Doch wie tief sind diese Größen durchdrungen ? Wie stark sind wir letztlich doch gefangen in alten Haltungen und Ängsten, die wir lediglich in ein neues Gewand kleiden ?
Es entstehen auch neue, gemeinschaftliche Ziele und Ideale. Täglich lese ich  von gigantischen Appellen und Vorsätzen. Mittzwanziger absolvieren eine dreimonatige Yogalehrerausbildung und wollen zu spirituellen Lehrern geworden sein. Menschen, die nach langer Zeit spiritueller Abkehr Spontaneinsichten erfahren, halten sich für transformiert. Paare verbrennen sich beim Experiment der „freien Liebe". Die bedingungslose Liebe wird zwar als Ideal erkannt und als Forderung formuliert – doch wer macht sich wirklich auf, dieser Allverbundenheit von Herzen näher zu kommen ?

 

Die bedingungslose Liebe ist ein Ideal und meines Wissens Erleuchteten vorbehalten.

Mit ihr geht einher, durch und durch bedürfnislos und angstfrei zu sein.

Wir anderen leben eine Zeitlang in Projektionen, Forderungen und Schuldzuweisungen. Diese Projektionen halten uns in einer tiefen, unerfüllbaren Abhängigkeit zueinander. Denn das Versprechen zwischen Partnern heißt nicht: „Ich schütze Dich und folge Dir." sondern „Gib mir die Liebe, die mir fehlt !". Das wechselseitige Ringen um Hinwendung ist letztlich der Versuch, die eigenen Ängste mit den Ängsten des Gegenübers zu koppeln und aufzuwiegen. Es entstehen emotionale Abhängigkeitsverhältnisse und Opfer-Täter-Konstellationen.

Mit diesen Formen der unbewussten Angst konsumieren wir andere Menschen solange, bis wird die Eigenverantwortung entdecken.

Sie führt uns in eine Phase, in der wir glauben, dass alles, was uns widerfährt, ein Resultat unserer selbst ist. Hier verlieren wir oft gänzlich unser Mitgefühl. Und in unserem Anspruch, eigenverantwortlich – und frei – zu sein, vergessen wir auch unsere Demut.

Das heißt nicht, dass wir nicht an Grenzen stoßen und Schmerzen erleiden. Doch wir loten den Raum der Selbstbestimmtheit, der Un-Abhängigkeit aus und negieren unsere Abhängigkeiten und Bedürftigkeit. Wir reden von „freier Liebe", kämpfen uns trotzig durch eine Welt des Andersseins, des Ich-Seins und machen uns vor „Ich kann es auch alleine !".

Manche Menschen leben Jahrzehntelang in der reaktiven Abhängigkeit und erreichen diesen „Ich bin"-Trip erst nach einer schweren Krise. Doch die neue, vermeintliche Freiheit führt jede/n von uns früher oder später in die totale Überforderung. Irgendwann brechen wir zusammen unter der Last des „unbedingten Selbst" und finden uns einsam und isoliert. Nicht nur von anderen Menschen – sondern auch von unseren Gefühlen – unserer Angst – und von Gott, als einer Kraft, die weit über unsere Möglichkeiten hinausgeht, nicht (be-)greifbar und doch allpräsent ist.
Auf den Knien vor uns selbst entdecken wir diese Kraft neu – und eine Dimension von Liebe, die keine Grenzen hat. Sie zeigt uns uns selbst und unsere Ängste. Schritt für Schritt wagen wir, diesen Ängsten zu begegnen, sie einzugestehen vor uns selbst und vor anderen. Schritt für Schritt schwindet die Scham für diese Bedürftigkeit und Orientierungslosigkeit in der Tiefe unserer Seele. Stattdessen stehen wir ungeschützt und sind dahin geschrumpft, wo wir wahr sind, wo wir keinerlei Anstrengung bedürfen, um „wir selbst" zu sein.

Dieses Stadium der subjektiven "Kleinheit" und "Versehrtheit" ist Voraussetzung für echte Selbstannahme. In dieser Verfassung hören wir auf, gross sein zu wollen und Großes zu fordern und akzeptieren unsere Ohnmacht dort, wo die Angst ist. Wenn wir uns so unserer Ängste und Bedürftigkeit bewusst geworden sind, müssen wir sie nicht mehr als Anklage oder Forderung vor uns hertragen  – wir sind hiermit einfach sichtbar und verletzlich.

Jetzt wird esmöglich Menschen und Situationen zu erkennen, die uns erlauben oder sogar fördern, zu heilen. Wir finden hier den Raum, in dem wir mit unseren „Wunden" sichtbar sind und erfahren dürfen, dass andere uns Liebe entgegenbringen dort, wo wir selbst das Vertrauen verloren haben.

Angst ist die Abwesenheit von Liebe.

Wird sie berührt, brechen wir ein oder laufen wir davon. Auf die eine oder andere Weise fallen wir aus der Liebe. Die einen werden kalt oder gleichgültig, die anderen aggressiv oder hysterisch, die nächsten reden ihre Verwirrung weg ... doch die Angst regiert.
Die Menschen, die uns in diesen Augenblicken unserer Ohnmacht  mit ihrer Liebe begegnen können, helfen uns, zu heilen. Die Liebesgeschenke der Menschen, bei denen wir heilen dürfen, helfen uns, das verlorene Vertrauen wieder aufzufüllen.
Dieser Sachverhalt birgt eine große Gefahr in sich – die Gefahr, zurück in den bedürftigen und fordernden Zustand zu fallen. Denn es ist für uns eine Gratwanderung, unsere Bewusstheit über unsere Ängste nicht wieder zum Freifahrtschein für Forderungen und Bedingungen werden zu lassen.

Die Angst selbst IST die Bedingung.

Die Angst selbst setzt uns die Grenzen, zu lieben, zu vertrauen und zu geben.

Sie ist unsere Bedingung. Keine Bedingung, die wir stellen, um andere zu kontrollieren. Sondern eine Bedingung, in der wir selbst gefangen sind. Eine Bedingung, die in diesem Moment mit unserem So-Sein, mit unserem eben nicht angstfreien Sein verbunden ist.

Die Menschen, die kraft ihrer Liebe bereit sind, sich für eine Zeit dieser Bedingung anzupassen, aus freiem Herzen bereit sind, unsere Bedingtheit zu berücksichtigen, können uns Partner und Gefährtinnen sein. Nicht die, die diese Ängste immer wieder rufen und anstrengen. Nicht die, die im Angesicht unserer Angst in die eigene Angst fallen. Sondern die, die unsere Angst als Wunde erkennen und uns hier mit wiederkehrender Rückversicherung mit ihrer Liebe auffüllen.

Das ist in aller Regel keine Einbahnstrasse. Auch das Gegenüber hat Ängste und Bedürftigkeiten – an anderer Stelle. Und auch hier gibt es die Gratwanderung wechselseitiger Transparenz – statt einseitiger Abhängigkeit.

Ist dies gegeben, können wir uns wechselseitig heilen, indem wir die „Angst-Löcher" in unserer Seele von der Liebe eines anderen berühren lassen.

Hier sind wir in einer heilvollen Partnerschaft angekommen. Von der Selbstannahme zu Selbstliebe Von der Selbstliebe zur Liebe des Gegenübers mit seinen Ängsten.

Eine solche Partnerschaft ist ein Schutzraum, ein zutiefst intimer Wachstumsraum für zwei – und genau zwei – Menschen. Unser Energiekörper beginnt seine Lecks zu schließen und aus der Liebe zu wachsen.

Von hier aus können wir uns mit zunehmender Angstfreiheit, mit zunehmendem Überfluss auf den Weg in Richtung bedingungsloser Liebe begeben.

Langsam. Nicht mehr einsam. Und all-ein.                                                                                    

Weitere Informationen:
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Verfasser und Verantwortlich für den Inhalt:
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Kommentare zu diesem Artikel

Alexa Heymann schrieb am 09.08.15 dazu:

Danke für diesen wundervollen Artikel über Partnerschaft und Liebe! Du hast es in Worte gefasst und auf den Punkt gebracht - das Thema Angst und Liebe verbunden und wie der Weg aussehen kann. Ich wünsche allen Menschen mit dieser Sehnsucht die Erfahrung solch einer Partnerschaft in gegenseitigem Wachstum! DANKE!

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