Die "Gier" im Visier - Impulse auf der Grundlage der Buddhistischen Psychologie

Die "Gier" im Visier - Impulse auf der Grundlage der Buddhistischen Psychologie

Die Regeln und Spielarten unserer Multitasking-Globalisierungswelt sind hinlänglich bekannt. Es ist schwierig, sich dem verführerischen Sog von „möglichst viel - möglichst schnell“ zu entziehen. Auf die eine oder andere Weise stricken und häkeln wir alle daran, dass das globale Netz immer engmaschiger und auf lange Sicht immer weniger tragfähig wird.

Wir erschaffen eine Welt, eingewebt wie ein Kokon in illusionären Vorstellungen - wurzelnd in Gier, Hass und Verblendung. Weitestgehend abgekoppelt von naturgegebenen Kreisläufen und Gesetzmäßigkeiten, kreieren wir ein immer größeres energetisches Ungleichgewicht, was sich in verschiedensten Symptomen und Syndromen auf individueller und kollektiver Ebene bemerkbar macht.

Sich von natürlichen Zyklen dauerhaft abkoppeln, geht das überhaupt? Wir sehen und spüren die Auswirkungen davon jeden Tag. Ungeachtet von jahreszeitlichen Bedingungen und damit verbundenen Eigenheiten und spezifischen Qualitäten, die um uns und in uns zur Verfügung stehen oder eben auch nicht, versuchen wir um jeden Preis, „Leistungsstandards“ und ein „hohes Funktionsniveau“ aufrecht zu erhalten. Eine Zeitlang scheint die Rechnung aufzugehen und manch einer freut sich über die dicken Erdbeeren, die man jetzt auch mitten im Winter im Supermarkt kaufen kann. Wir fühlen uns stark und in der (scheinbaren) Eigenmacht – against all odds haben wir die Kontrolle – äußerliche Umstände und Bedingungen können uns nichts anhaben und wir lächeln uns darüber hinweg. Doch der Schein trügt: Je weiter wir diese vermeintliche Unabhängigkeit von dem was ist perfektionieren, um so mehr schneiden wir uns von unseren naturgegebenen Kraftquellen ab: Unsere Akkus können nicht mehr aufgeladen werden – über kurz oder lang brennen wir aus. Der Weg in Richtung Erschöpfung, Frustration, Sinnlosigkeit in Form von Burn-out und depressiven Syndromen, ist gebahnt und vorprogrammiert.

In der Buddhistischen Philosophie und Psychologie sprechen wir von den so genannten drei geistigen Wurzelgiften: Gier, Hass und Verblendung. Diese mögen für westliche Ohren zunächst etwas antiquiert klingen, sind jedoch gerade in unserer Zeit hochaktuell und zudem hilfreiche Konzepte, um die Verstrickungen und die Dynamik unseres heutigen Lebens in der Tiefe zu ergründen und zu verstehen.

Das Prinzip der Gier ist schnell und leicht sichtbar – unser Alltag ist durchwoben von den Tentakeln der Begierde nach Sicherheit, Besitz und Bedeutung. Ein Blick in Werbung, Internetplattformen mit ihren „Freunde- und Follower-Kollektionen“ oder einfach ein Quentchen wohl dosierte Achtsamkeit im eigenen Alltag dokumentiert dies auf eine zugleich befremdende und unterhaltsame Weise. Die Angst, das, was wir haben zu verlieren, hält den treibenden Motor der Gier aufrecht: Wir tun alles uns Mögliche, um zu verhindern, dass wir loslassen müssen: Wir halten fest, konservieren unsere Selbstbilder, Sehnsüchte und Beziehungen und entwickeln subtile oder auch offensichtliche Strategien, um unser Ego zu sichern und auszustaffieren. Wir tun dies, um den eigenen Schwächen, Verletzlichkeiten und Unvollkommenheiten nicht (bewusst) begegnen zu müssen. Wir kleben ein Pflaster auf eine ziemlich eitrige Wunde.

Worum geht es letztendlich? Um das eigene Überleben. Das klingt nach Steinzeit und Mammuts und ist dennoch nach wie vor topaktuell! Wenn ein Baby auf die Welt kommt, muss es lernen, eigenständig zu atmen, sich aktiv Sauerstoff aus der Umwelt einverleiben, sonst wird es nicht überleben. Es macht sich durch Schreien und Unleidlichkeit bemerkbar, wenn es Durst hat und Milch von der Mutter möchte. Auch hier geht es um das Überlebensprinzip. „Nur wenn ich trinke, werde ich überleben und wachsen“. Bei einer häufig vertretenen Gruppe von Krankheitsbildern der heutigen Zeit, den Essstörungen, finden wir dieses „Urbild“ in überzeichneter oder entgegen gesetzt gespiegelter Form wieder: Bei bulimischen Erkrankungen mit Overeating-Attacken und gegensteuernden Maßnahmen und auch bei Binge-Eating-Disorder, dem anfallsweisen Verzehren von großen Nahrungsmittelmengen ohne gegensteuernde Maßnahmen wie z.B. Sport oder selbstinduziertes Erbrechen, sehen wir die Triebkraft der Gier in überzeichneter Form zu Tage treten. Bei der Magersucht, Anorexia nervosa, hingegen, wird das nächste der drei geistigen Gifte, der Hass und die ihm innewohnende Distanz schaffende Energie dazu eingesetzt, die Gier direkt zu bekämpfen und zu unterdrücken. Auf diese Weise wird im Bewusstsein der Betroffenen die trügerische Illusion „eines Sieges“ und einer vorgetäuschten Unabhängigkeit von der Gier und ihren Verbündeten erzeugt.

Es ist wichtig, etwaiges Schwarz-Weiss-Denken, im Sinne von „Gier ist nur schlecht und muss daher ausgemerzt werden“, zu vermeiden. Nahezu jeder wird zumindest vom Hörensagen gescheiterte Beispiele einer fehlgeleiteten Enthaltsamkeit und Unterdrückung eigener Bedürfnisse benennen können. Vielmehr sollte das Ziel sein, jegliche Dichotomien aufzuweichen und zu entschärfen. Die Energie der Gier an sich ist weder gut noch schlecht – sie ist einfach eine Kraft, die sich etwas einverleiben und wachsen möchte. Wir können sie zum Beispiel konstruktiv einsetzen, um auf spielerische und kreative Weise neue Technologien zu entwickeln, die Nachhaltigkeit und kollektive Verantwortung unterstützen und fördern. Für diese Unternehmungen benötigen wir eine gute Portion Neugierde als Treibstoff, die uns durchhalten und weitermachen ermöglicht, wenn es mal nicht gleich rund läuft. Das bedeutet: Heilsam platziert mutiert die Gier vom Gift zu einer potenten Kraftquelle und wird damit zum gift (= engl. Gabe, Geschenk)! Und für den eigenen Alltag – beruflich wie auch privat – gilt: Mit wohlwollender Achtsamkeit die grazilen und oft zuckersüß garnierten Schichtungen der eigenen Gierstrategien beleuchten und durchschauen und (neue) Wege finden, die daran gebundenen Energien auf konstruktive Weise für sich selbst und andere nutzbar zu machen.

Wenn wir dies schaffen, reduzieren wir die energetischen Ungleichgewichte im Gesamtgefüge und haben damit die ersten und entscheidenden Schritte getan, um uns erneut mit dem großen Rest der Schöpfung zu synchronisieren: Geben und Nehmen kommen wieder in ein dynamisches Fließ-Gleichgewicht.

Weitere Informationen:
http://www.ann-uta-beisswenger.de

Verfasser und Verantwortlich für den Inhalt:
Ann-Uta Beißwenger, Heilpraktikerin & Bloggerin, Praxis für Natur-Therapie & Altes Wissen in Kassel, Horn-Externsteine & Frankfurt/M, 34131 Kassel
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Kommentare zu diesem Artikel

Pischta Müller schrieb am 15.05.15 dazu:

Vielen Dank für diesen erhellenden und auch zum Nachdenken anregenden Beitrag. Freue mich schon auf die Artikel zu Hass und Verblendung. Oder gibt es vielleicht sogar schon etwas Ausführlicheres?

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