Ohne Angst leben

Ohne Angst leben

Die Angst ist etwas grundlegend Menschliches und gehört zu uns wie unsere Haut, und jeder von uns hat auf die eine oder andere Art schon seine Erfahrungen mit ihr gemacht. Sicher wissen wir, was mit Angst gemeint ist. Wenn wir das Wort hören, erinnern sich wahrscheinlich die meisten von uns an die dazu gehörigen Gefühle und die damit einhergehenden Körperempfindungen. Dabei ist es gar nicht so einfach, Angst zu definieren, und eigentlich gar nicht möglich. Was wir aber können, ist sie zu umschreiben. Es handelt sich um ein auch körperlich empfundenes Erleben des Unheimlichen und Bedrohlichen, welches weder verläßlich erkannt noch abgeschätzt werden kann, und dem man sich hilflos ausgeliefert fühlt. Angst bezieht sich auf das Dasein schlechthin. Von einer realen Angst sprechen wir, wenn wir von außen bedroht werden, etwa von anderen Menschen, bei Naturkatastrophen oder in anderen Gefahrensituationen. Die natürliche Reaktion darauf sind Panik, Ausweichen, Flucht, aber auch Aggression und Wut. Auch die sogenannte Vitalangst, die bei lebensbedrohlichen Krankheiten auftritt, gehört in den Bereich der Realangst .Wie wir mit der Angst umgehen, hängt weitgehend von unserer Persönlichkeit, der Widerstandskraft und auch von früheren Angsterfahrungen und deren Bewältigung ab. Existenzangst ist eine allgemeine Erfahrung des Menschen als Lebewesen, das sich im Laufe seiner Entwicklung weitgehend aus der Verbundenheit mit der Natur gelöst hat. Dies hat ihm zwar größere Möglichkeiten der Naturbewältigung und Freiheit gebracht, aber um den Preis des Verlustes an naturhafter Geborgenheit und damit an Urvertrauen. Ob es nun unserem Streben nach Freiheit gefällt oder nicht, wir leben in Abhängigkeit von der Natur und sind ohne sie gar nicht lebensfähig. Die Illusion oder den Schwindel dieser ?Freiheit? bezahlen wir nun mit der Existenzangst. So gesehen erklärt sich diese Existenzangst relativ einfach. Viel schwieriger hingegen ist es, Menschen näher zu bringen, daß es durchaus möglich ist, angstfrei zu leben. Angst ist bestimmend in unserer Welt und zwar viel weitreichender, als es uns häufig bewußt ist. Sie ist etwas Wesentliches in unserem persönlichen Leben, aber auch im Umgang mit unseren Mitmenschen, und in unserer Kultur spielt sie eine große Rolle. So wird in der Erziehung damit gearbeitet, in der Politik, im Gesundheitswesen, bei dem Verkauf einer Lebens- oder Krankenversicherung. Natürlich wird sie auch in der Partnerschaft zwischen zwei Menschen eingesetzt, um die jeweiligen Interessen durchzusetzen. Hätten Menschen nicht so viel Angst, müßten wir ganze Industriezweige schließen und uns ernsthaft etwas einfallen lassen. Bei genauerer Betrachtung könnte man da richtig Angst bekommen! Gleichgewicht und Ordnung werden oft nur durch Angst aufrecht erhalten, und wir haben unseren Umgang mit ihr gefunden. Inwieweit dieser Umgang gesund und uns dienlich im Hinblick auf die Entwicklung des Menschen ist, bleibt abzuwarten. Die Übergänge von der realen Angst zur Existenzangst bis hin zur Angsterkrankung sind fließend. Entscheidend dabei ist, inwieweit die Angst einen Menschen im Griff hat, und wie sehr dieser darunter leidet. Experten schätzen die Zahl der behandlungsbedürftigen, an Ängsten erkrankten Menschen in den deutschsprachigen Ländern auf rund 17 Millionen. Das Erscheinungsbild dieser Krankheit ist mannigfach und hat viele Namen. Angst ist immer körperliches und seelisches Phänomen zugleich und somit ein psychosomatischer Vorgang. Herzklopfen, zugeschnürte Kehle, trockener Mund, innere Unruhe, Zittern, kalter Schweiß, Übelkeit, Harndrang und Durchfall sind nicht etwa Folgen der Angst, sondern unmittelbar gleichzeitig auftretende körperliche Erscheinungen, die zum Beispiel bei einer Panikattacke auftreten können. Hinzu kommt hier noch eine irrsinnige Angst, sterben zu müssen. Es spielen aber auch noch andere Symptome bei Angsterkrankungen eine Rolle. So können Schlaf- und Konzentrationsstörungen genauso Indikatoren sein wie alle möglichen Beschwerden, bei denen körperdiagnostisch nichts gefunden wird. So absurd es auch klingen mag, es gibt viele Menschen, denen ihre Angst gar nicht bewußt ist und bei denen sie sich nur als Körpersymptom zeigt. Es kommt auch nicht selten vor, daß sich die Angst hinter betonter Selbstsicherheit verbirgt. Menschen, die von starker Angst betroffen sind, vermeiden Situationen, in denen sie auftreten könnte, und das führt wiederum zur Angst, nämlich zur Angst vor der Angst. Wenn ein Betroffener es so weit kommen lässt, wird er seinen ganzen Lebensraum von ihr einnehmen lassen .Der Verstand bleibt dann machtlos, und die Vorstellungen bekommen einen zwanghaften Charakter und breiten sich auf immer mehr Bereiche aus. Wer Angst in diesem Maß zuläßt, nimmt nicht mehr am Leben teil und wird selbst leblos. Dem Wort Angst liegt das lateinische Wort angustus = eng sowie im indogermanischen anghu = bedrängend zugrunde. Wie beschrieben, macht Angst eng, körperlich wie auch seelisch ?geistig. Das ganze Denken wird eingeengt, beherrscht und ist fokussiert. Geben wir der Angst Macht über uns, sind wir handlungsunfähig und bleiben in vermeidendem Verhalten stecken. Wir könnten Angst darüber hinaus als Unfähigkeit oder Unmöglichkeit durchzuatmen definieren. Da Atem gleichzusetzen ist mit Leben, liegt der Schluß nahe, daß dann eine Unfähigkeit zu leben besteht. Tatsächlich sind Angst und Atem einer Wechselwirkung unterzogen, und wenn man weiß, daß zentral-nervös ein tiefgreifender Einfluß der Atemmotorik auf die Großhirn- und Bewußtseinsvorgänge des Menschen und damit auf sein Empfindungs- und Gefühlsleben besteht, kann man auch ohne großes symbolisches Verständnis wesentliche Zusammenhänge erkennen. Es gibt Therapieformen, die sich diese wechselseitige Wirkung von Angst und Atem zu eigen gemacht haben, die sozusagen in die Angst hineinatmen lassen, um an das hinter der Angst liegende zu kommen. Wer die Angst als einen Begleiter zu begreifen beginnt, welcher aufmerksam machen möchte und uns bewahren will, nicht nur vor Gefahren von außen sondern auch auf die von innen, könnte den ersten Schritt aus dem Angstkreislauf machen. Denn tatsächlich will uns die Angst auffordern, uns etwas anzuschauen, was wir bisher nicht sehen wollten. Dieses Etwas hat immer mit dem Anerkennen dessen zu tun was ist. Ob es sich dabei um Tatsachen, Ereignisse oder Erlebnisse handelt, von denen wir glauben, daß wir sie nicht ertragen können, oder ob es um andere Dinge geht, die in unser Leben integriert werden wollen. Angst ist ein gut gemeinter Hinweis, der aus unseren ureigenen gesunden Anteilen in uns aufsteigt und auffordert, die eigenen, mitgegebenen Potentiale zu entwickeln, um uns dem zu stellen was uns begegnet und daran zu wachsen. Wenn wir diese Aufforderung nicht als das verstehen was sie ist, werden wir uns von der Angst lähmen lassen und somit unlebendig und handlungsunfähig. In dem Märchen von Einem der auszog das Fürchten zu lernen wird sichtbar, daß er das Fürchten nicht fand. Warum wohl? Lange bestehende Angst loszulassen kann ein schwerer Schritt sein. Denn wenn sie nicht mehr da ist, entsteht ein leerer Raum, den es danach zu füllen gilt. Vielleicht ist das sogar einer der Gründe für viele Menschen, lieber mit dem zu leben was sie kennen, als sich auf das wirklich gefährliche Leben einzulassen. Das dem Wunder des Lebens gemäße wäre es, diesen Raum mit Lebendigkeit zu füllen. Das würde allerdings bedeuten, all das zu akzeptieren, was zum Leben gehört. Eine gesunde Forderung an sich selbst wäre in diesem Sinne, die eigene Person in ihrer wahren Größe anzuerkennen, ohne sich größer oder kleiner zu machen als man tatsächlich ist. Dann ist der Mensch in der Wirk-lich-keit angekommen und kann seinen Potentialen gemäß wirken. Es ist sicher nicht immer einfach und mit schmerzhaften Prozessen verbunden, wenn es um dieses Anerkennen und Annehmen geht. Aber haben wir wirklich eine Alternative, wenn wir wahrhaft lebendig durch unser Leben gehen wollen?

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Verfasser und Verantwortlich für den Inhalt:
Paul Port, Psychotherapeut HPG, , 67655 Kaiserslautern
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Kommentare zu diesem Artikel

Constanze Maass schrieb am 27.09.07 dazu:

Selten war ich so berührt... ich muss "Umdenken" lernen

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