Die 10 größten Fehler, an denen die Kommunikation in deiner Partnerschaft scheitert und wie du sie verhinderst

Die 10 größten Fehler, an denen die Kommunikation in deiner Partnerschaft scheitert und wie du sie verhinderst

Kommunikation ist alles. Alles ist Kommunikation. Und weil das so ist, gibt's auch auf dem weiten Themenfeld "Beziehung" bzw. "Beziehungsprobleme" kaum eine Fragestellung, die häufiger besprochen, beschrieben und diskutiert wird - sei es in Büchern, Vorträgen, Podcasts oder in Blogs. Auch in meinen Paar-Coachings taucht "Verbesserung unserer Kommunikation" in fast jeder Zielformulierung auf. Und obwohl so viel über das wichtigste Instrument menschlicher Beziehung zu lesen und zu hören ist, geht hier so oft was daneben, und ein Gespräch endet im Zoff statt in Verständnis und Harmonie. Warum ist das so? Ich glaube, wir legen zwar viel Wert darauf, dass wir miteinander reden, aber zu wenig darauf, wie wir das tun. Außerdem vergessen wir gerne, dass Kommunikation auf mehreren Ebenen stattfindet, nicht nur auf der des gesprochenen Wortes und des reinen Sachinhalts. Neben Zahlen, Daten und Fakten transportiert jede Botschaft, die du als Sender - sei es bewusst oder unbewusst, verbal oder non-verbal - an Deinen Partner richtest, noch weitere Informationen: Es schwingen beispielsweise deine Emotionen und Motive mit. Außerdem beinhaltet sie Informationen darüber, was du von deinem Partner hältst und wie ihr zueinander steht. Und nicht zuletzt sendest du mit jeder "Nachricht" offen oder verdeckt einen Appell an deinen Partner aus, das, was du von ihm erwartest bzw. was du erreichen möchtest. Immer, ja wirklich immer, sind diese 4 Ebenen Bestandteil unserer Kommunikation. Friedemann Schulz von Thun, von dem dieses populäre Kommunikationsmodell stammt, fasst sie so zusammen:

  • Sachebene
  • Selbstoffenbarungsebene
  • Beziehungsebene und
  • Appellebene

Wenn du dir dieser verschiedenen Ebenen bewusst bist und im Hinterkopf behältst, dass Kommunikation eben nicht erst mit deinen Worten und Sätzen beginnt und ebenso wenig mit ihnen endet, sondern sich beispielsweise auch in Blicken, Gesten und Mimik ausdrückt, wirst du die folgenden Fehler leichter vermeiden können. Es sind meine persönlichen Top-10-Fehler (oder spricht man bei Fehlern eher von einer Flop-Liste?), die mir sowohl in meinem privaten Alltag und Umfeld (ja, auch ich tappe gerne mal in die eine oder andere Falle, am liebsten in die Nr. 9), als auch in meinen Coachings am häufigsten begegnen. Außerdem gebe ich dir jeweils einen Tipp mit an die Hand, wie du den Stolperstein umgehen kannst.

Fehler Nr. 1: Du denkst, man müsse darüber reden

Das allein ist natürlich noch kein Problem. Es kann aber zu einem werden, wenn dein Partner das anders sieht und sich zu einem bestimmten Thema zum jetzigen Zeitpunkt oder generell nicht austauschen möchte. Vielleicht ist ihm die Angelegenheit nicht so wichtig oder er befürchtet, dass es nur (wieder) zum Streit kommt.

Tipp: Jeder Mensch hat unterschiedliche Strategien und Bedürfnisse, wann und wie man mit einer bestimmten Problematik oder einem Konflikt umgeht. Nicht immer wird der Zeitpunkt für beide passen, und manches Thema möchte einer von beiden womöglich gar nicht besprechen. Mach dir in solchen Momenten klar: wenn sich dein Partner nicht oder nicht sofort über ein Thema auseinandersetzen möchte, heißt das noch lange nicht, dass du und eure Beziehung ihr oder ihm nicht wichtig seid. Versuche stattdessen, deinem Partner dein Bedürfnis mitzuteilen und frage sie oder ihn, wann ihr darüber sprechen könnt. Vielleicht schaffst du es bis dahin, die Sache zur Seite zu legen. Klar, wenn einer von beiden sich praktisch nie auf ein potenziell schwieriges Gespräch einlassen möchte, kann das auf Dauer zur Belastung für die Partnerschaft werden. Dann kann es sinnvoll sein, sich professionelle Hilfe zu suchen.
Übrigens: Wenn du dich schwer damit tust, deine Bedürfnisse zu "orten" und zu benennen, hilft dir mein Bedürfnis-Kompass dabei, den du hier findest.

Fehler Nr. 2: Du weißt nicht, um was es wirklich geht

Wie schon erwähnt, gibt es mehr als eine Ebene, auf der Kommunikation stattfindet. Es ist also gut möglich, dass sich das, um was es wirklich geht, gar nicht mit dem deckt, was besprochen wird. Die Schwierigkeit dabei ist, dass das weder uns noch unserem Partner bewusst sein muss. Dann kann es passieren, dass man sich an einer Sache aufreibt ohen auch nur ein Stück weiterzukommen. Logisch, man redet ja auch am eigentlichen Thema vorbei - leider ohne es zu merken. Wenn z.B. Tobias vor Mias Eltern einen Scherz über ihr T-Shirt mit der Micky Maus drauf macht, reagiert Mia gekränkt und beleidigt und wirft ihm auf der Heimfahrt vor, wie unsensibel er sei. Vordergründig ist Mia also sauer auf Tobias, weil der einen (ihrer Ansicht nach auch noch schlechten) Scherz auf ihre Kosten gemacht hat. Eigentlich hat die Situation aber einen uralten Trigger von Mia gedrückt: Ihre jüngere Schwester war früher immer die süße, hübsche Prinzessin in der Familie, sie selbst eher die graue Maus. Das hat extrem an ihrem Selbstwertgefühl gekratzt. Tobias Spruch hat Salz in diese alte Wunde gestreut. Für sie geht es also um mehr als ein T-Shirt und einen flapsigen Scherz. Das kann Tobias allerdings nicht wissen.

Tipp: Wir alle haben so genannte Trigger, also Schmerz- oder Wutpunkte. Wenn sie gedrückt werden, wird's schnell sehr emotional und oft auch unfair. Versuche zum Einen, dich selbst offen und ehrlich zu fragen, um was genau es dir geht. Was ist der Kern des Problems oder gar der Kern des Kerns? Was sind die tiefer liegenden Wünsche und Bedürfnisse, die hier gerade (vermeintlich) nicht gesehen oder erfüllt werden? Diese empathische Brille darfst du natürlich gerne auch mit Blick auf deinen Partner aufsetzen: Wo und warum könnte er sich in die Ecke gedrängt, enttäuscht, gekränkt oder frustriert fühlen? Tauscht euch lieber über diese Themen aus - statt über Micky-Maus-Shirts ;-).

Fehler Nr. 3: Du hörst nicht richtig zu

Nur weil du deinem Partner nicht ins Wort fällst oder demonstrativ aus dem Fenster schaust während er spricht, heißt das noch lange nicht, dass du ihm wirklich zuhörst. Zuhören bedeutet, sich dem Gegenüber ganz zuzuwenden, ihm die volle Aufmerksamkeit zu schenken und das ernsthafte Bemühen, zu verstehen, um was es dem anderen geht und welche Wünsche und Bedürfnisse er uns mitteilen möchte.

Tipp: Höre deinem Partner aktiv zu, indem du das, was er dir erzählt oder mitgeteilt hat, noch einmal in deinen Worten wiedergibst: "Habe ich das richtig verstanden, dass du ..." Das signalisiert ihm nicht nur dein ehrliches Interesse an dem Gespräch und an ihm; auf diese Weise werden potenzielle Missverständnisse zudem frühzeitig und schnell ausgeräumt.

Fehler Nr. 4: Du interpretierst statt nachzufragen

Wenn uns Informationen fehlen, hat unser Gehirn eine eigentlich sehr geschickte, manchmal aber auch hinderliche Angewohnheit: es füllt die Lücken selbstständig auf, und zwar mit "Datenmaterial", das sich aus anderen Lebensbereichen oder früheren Erfahrungen speist. Das Problem ist, dass diese "Lückenfüller" oft gar nichts mit der Realität zu haben, sondern ausgedachte Konstrukte sind. Wenn z.B. Tobias später als verabredet nach Hause kommt, obwohl Mia und er verabredet sind, geht Mia davon aus, dass er das Treffen vergessen hat und empfängt ihn um halb neun entsprechend sauer. Da ihr die Information fehlt, warum Tobias zu spät ist, interpretiert sie, dass ihm der gemeinsame Abend nicht wichtig sei. Und weil sie so denkt, reagiert sie wütend und enttäuscht. In Wirklich steht Tobias aber mit leerem Handy-Akku im Stau.

Tipp: Von der amerikanischen Sozialforscherin Dr. Brené Brown stammt folgende kleine Formulierung, die wir in solchen Fällen in unsere Kommunikation mit einbauen können: „Die Geschichte, die ich dazu erfinde, ist …“ Das könnte sich beispielsweise so anhören: "Du kommst zu spät zu unserer Verabredung. Die Geschichte, die ich dazu erfinde, ist, dass dir unsere Verabredung nicht wichtig sind." Hört sich erstmal nicht wirklich lockerflockig an, ja, aber dieser "Satzschnipsel" (den du natürlich so umformulieren kannst, dass er zu dir passt) zeigt deinem Partner, dass du dir deiner subjektiven Sicht bewusst bist. Dadurch wird er sich weniger in die Defensive gedrängt fühlen, und das macht einen konstruktiven Gesprächsverlauf sehr viel wahrscheinlicher und lässt mehr Raum für "echte" Informationen und Antworten. 

Fehler Nr. 5: Du sendest abwertende Signale

Je mehr uns eine Gesprächssituation emotional aufwühlt, umso eher bedienen wir uns zusätzlich unserer Mimik und Gestik. Besonders wenn wir uns nicht adäquat ausdrücken können oder uns in die Ecke gedrängt und dadurch hilflos fühlen, rutschen uns schnell mal abfällige Gesten oder Blicke raus (und wir rollen beispielsweise mit den Augen). Das Gemeine daran ist, dass wir uns dieser Signale in der Situation selbst oft gar nicht bewusst sind, dementsprechend können wir sie auch nur schwer kontrollieren.

Tipp: Versuche, die Gesprächssituation zu verlassen, wenn du merkst, dass sie außer Kontrolle gerät. Schlage deinem Partner vor, dass erstmal jeder für sich zur Ruhe kommt, bevor ihr euch weiter austauscht. Um dem Ganzen mit Humor zu begegnen, könnt ihr eine "Augenroll-Straf-Kasse" oder etwas in der Art einrichten ... und von dem Geld schick essen gehen. 

Fehler Nr. 6: Du benutzt Pfui-Wörter

Pfui-Wörter sind Wörter, die eher subtil und versteckt vorwurfsvoll wirken. Klassiker sind: typisch, immer, mal wieder, nie. "Nie kümmerst du dich um den Babysitter!", "Immer muss ich gerade biegen, was du verbockt hast!", "Das ist mal wieder so typisch von dir!" Diese Satzteile verallgemeinern und werten die Persönlichkeit des Gegenübers ab statt beim konkreten Sachverhalt zu bleiben. Mit ziemlicher Sicherheit wird sich dein Partner zurückziehen, rechtfertigen oder zum Gegenangriff übergehen.

Tipp: Vermeide Pfui-Wörter, indem du bei der aktuellen, konkreten Situation und beim Verhalten statt der Persönlichkeit deines Partners bleibst, welches dich gestört hat: "Ich war enttäuscht, weil du gestern den Babysitter nicht angerufen hast" hört sich anders an als "Es ärgert mich, dass immer ich den Babysitter anrufen muss".

Fehler Nr. 7: Du bist mehr mit deinem Partner beschäftigt als mit dir

Wenn du als Auftakt eines Gesprächs eine Batterie an Vorwürfen und Schuldzuweisungen losfeuerst, also mit einem Angriff gegen deinen Partner beginnst, wird sich der entsprechend schützen: sie / er wird flüchten oder zurückfeuern. Eine konstruktive Kommunikation, die gegenseitiges Verständnis und eine Lösung des Themas hervorbringt, hat unter diesen Voraussetzungen schlechte Chancen.

Tipp: Bleib bei dir und bringe zum Ausdruck, welche Gefühle die Situation oder das Verhalten deines Partners bei dir hervorgerufen hat und was du dir wünschst. Echte Ich-Botschaften bringen euch in einen konstruktiven Austausch statt euch gegenseitig in den Kampf-Modus zu versetzen. Übrigens: ("Ich find's echt nicht o.k., dass du dich immer aufführst wie ein Elefant im Porzellanladen" ist keine echte Ich-Botschaft, auch wenn der Satz mit "Ich" beginnt ;-)

Fehler Nr. 8: Du bist mehr mit dir beschäftigt als mit deinem Partner

"Das größte Problem in der Kommunikation ist, dass wir nicht zuhören, um zu verstehen, sondern um selbst zu antworten." Dieses Zitat von Bestseller-Autor Stephen R. Covey beschreibt es punktgenau: Oft sind wir schon nach dem ersten Satz unseres Partners mehr damit beschäftigt, unsere eigene Antwort gedanklich vorzuformulieren, als uns ernsthaft um die Erfassung dessen zu bemühen, um was es der oder dem anderen geht und welche Bedürfnisse damit zum Ausdruck gebracht werden.

Tipp: Versuche dich ernsthaft auf das zu konzentrieren und fokussieren, was dein Partner dir zu sagen hat, wenn sie oder er zu dir spricht - erst danach bist du dran. Durch aktives Zuhören (s. Tipp Nr. 3) wird dir das noch besser gelingen. 

Fehler Nr. 9: Du nimmst die Dinge zu persönlich 

Nehmen wir mal an, deine Partnerin kommt nach Hause und sagt, dass der Rasen ja schon wieder so hoch gewachsen sei und die Rosen ließen auch die Köpfe hängen. Wenn du daraufhin gleich nervös den Rasenmäher aus dem Schuppen schiebst oder rechtfertigend erklärst, dass du die Pflanzen doch erst gestern gegossen hast ... dann gehörst du wahrscheinlich zu der Sorte Mensch, die die Dinge zu schnell zu persönlich nimmt. Um bei den 4 Kommunikationsebenen zu bleiben, hörst du also neben der reinen Sach-Information, dass der Rasen gewachsen ist und die Rosen die Köpfe hängen lassen, auch (negative) Botschaften auf der Beziehungs- und der Appellebene heraus: "Meine Partnerin findet, dass ich den Garten vernachlässige" und "sie erwartet, dass ich den Garten mähe und die Blumen gieße". Ob diese Einordnung überhaupt wirklich der Intention des Senders, also deiner Partnerin, entspricht, stellst du dabei gar nicht erst in Frage.

Tipp: Hinterfrage deine Einschätzung, dass das Verhalten des anderen etwas (oder sooo viel) mit dir zu tun hat - könnte es auch anders sein? Wenn dein Partner beispielsweise sagt "Ich brauche endlich mal wieder etwas mehr Ruhe", heißt das weder, dass du dafür verantwortlich bist (oder er dich dafür verantwortlich macht), dass er in letzter Zeit wenig Ruhe fand, noch, dass du für seine Ruhe sorgen musst. Das bedeutet im Umkehrschluss natürlich nicht, dass es dir egal sein sollte, wann und wie sich dein Partner wie viel Ruhe gönnt; nur brauchst du dir nicht jeden Schuh anziehen, der dir vor die Füße fällt.

Fehler Nr. 10: Dir geht es um's Recht haben statt um eine Lösung

Du denkst, deine Wahrheit ist wahr? Vielleicht ist das so. Eventuell genauso wahr wie die Wahrheit deines Partners. Wir alle haben unsere subjektiven Wahrheiten, jeder liegt für sich gesehen richtig - aus seiner Perspektive. Marshall Rosenberg, Begründer der Gewaltfreien Kommunikation, fragt dich: "Willst du recht haben oder glücklich sein?" Wenn du denkst, deine Wahrheit ist die einzig wahre und dein vorrangiges Ziel darin besteht, den anderen davon zu überzeugen, steigst du auf ein "Ich-hab-recht-nein-ich-PingPong-Spiel" ein, aus dem schlussendlich selten jemand als Sieger hervorgeht. Wohlwollende und wertvolle Kommunikation besteht darin, sich über die jeweiligen Blickwinkel auszutauschen - ohne den Anspruch, der andere müsse die eigene Sichtweise übernehmen. Alles andere bedeutet meistens Energieverschwendung.

Tipp: Tausche dich mit deinem Partner darüber aus, wie jeder für sich den Konfliktgegenstand wahrnimmt und einordnet, aber rührt nicht mehr als nötig in der Vergangenheit rum. Die Lösung liegt in der Zukunft! Was kann jeder von euch in Zukunft anders oder besser machen? Wie könnte ein Kompromiss aussehen? Was wünscht sich jeder von euch für's nächste Mal? Das sind Fragen, die euch weiterbringen. Der Streit um die eine Wahrheit ist in den meisten Fällen aussichtslos.

Weitere Informationen:
http://https://www.blauer-campus.de/single-post/fehler-in-der-kommunikation

Verfasser und Verantwortlich für den Inhalt:
Sandra Hinte, Ganzheitlicher Coach, Blauer Campus, 76547 Sinzheim
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Sandra Hinte Ganzheitlicher Coach  Blauer Campus 76547 Sinzheim Sandra Hinte, Ganzheitlicher Coach,
Blauer Campus, 76547 Sinzheim
http://www.therapeutenfinder.com/therapeuten/coaching-sandra-hinte-sinzheim.html

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