Die Arbeit mit dem Genogramm

Die Arbeit mit dem Genogramm

Genogramm

Wenn du weißt, was du von deiner Familie ererbt hast, kannst du die Freiheit erlangen, deine Zukunft zu verändern.

 

 

Was ist ein Geno(sozio)gramm?

Ein Genogramm ist ein von Familientherapeuten entwickeltes einfaches Werkzeug, mittels bestimmter Symbole einen Familienstammbaum graphisch darzustellen. Die grundlegenden Fakten der Familiengeschichte werden aufgezeichnet, meist bis zu den Großeltern der Klienten, also drei Generationen. Ein Genosoziogramm ist eine wesentlich erweiterte Form des Genogramms. Namen, Berufe, besondere Jahrestage, berufliche Erfolge oder Misserfolge, Krankheiten, Unfälle, Anspruchshaltungen, wichtige Traditionen und nicht verwandte Freunde der Familie werden erfasst. Wirtschaftliche, gesellschaftliche, politische und kulturelle Ereignisse spielen ebenfalls eine Rolle. Religion, Unterdrückung, Vertreibung, Verfolgung, Krieg, Wirtschaftskrise, Konkurs, künstlerische Betätigungen, die Stellung der Geschlechter, das Arbeitsumfeld (Bauernhof, Fabrik, Manufaktur, Heimarbeit, Bildungschancen) – das alles formt die Familienstruktur und wird, soweit bekannt, miteinbezogen.

Wofür ist die Genosoziogrammarbeit gut?

Oft fühlen Menschen sich allein mit ihren Eigenarten und Besonderheiten, mit vermeintlich unerklärlichen Abneigungen, Vorlieben, Pechsträhnen, Krankheitsfällen. Die Arbeit mit dem Genosoziogramm kann helfen, aus der Selbstbezogenheit herauszutreten und sich als Teil einer komplexen Struktur zu begreifen, des Familiensystems. Bereits diese Erkenntnis führt zu einer Entlastung. Wir sind nicht mehr einsam auf weiter Flur, vielleicht mit einem Traum von Selbstverwirklichung, der unserer Umwelt skurril erscheint. Wir stellen fest, dass z.B. Großtante Leni, deren Namen wir tragen, in ähnlicher Weise außerhalb dessen stand, was allgemein als schicklich oder “normal” empfunden wird. Wenn wir unseren tiefen und tiefsten Wurzeln nachspüren, finden wir eine bessere Verankerung in unserem Leben. Wir können unsere Wünsche und Ziele, unsere Glaubenssätze und auch Schranken grundlegender begreifen, was schließlich zu einer Veränderung dessen führt, wie wir das Leben gestalten. Sich seiner eigenen Wurzeln zu vergewissern bedeutet, sich selbst eine Heimat zu schaffen, ein Zuhause. Endgültig sich selbst zu finden. Nicht von ungefähr nennt Monica McGoldrick eines ihrer Bücher über die Genogrammarbeit “Wieder heimkommen”.

“Nach Hause zu gehen mag unmöglich sein, aber oft ist es eine drängende Notwendigkeit oder zumindest ein unwiderstehlicher Traum… “Heimat” ist eine Vorstellung, kein Ort, sie ist ein Geisteszustand, in dem die Selbstdefinition ihren Ursprung hat; “Heimat” .. ist jenes Gemisch von Zeit und Ort und Gerüchen und Klima, in dem man zum ersten Mal realisiert, dass man einmalig ist… “Heimat” hat etwas mit der Wiederherstellung der richtigen Beziehungen zwischen den Dingen zu tun – und nach Hause zu gehen bedeutet, dass diese Wiederherstellung stattfindet.”
(A. Bartlett Giamatti, Take Time for Paradise)

 

  Wie sieht die Geno(sozio)grammarbeit aus?

Ich arbeite regelmäßig zumindest mit einfachen Genogrammen. Das hilft zunächst, die Familienstrukturen der Klienten zu klären. Bei späteren therapeutischen Sitzungen können Therapeutin und Klienten anhand der Zeichnung weitere Fragen herausarbeiten. Ich habe immer wieder erlebt, wie bereits ein einfaches Genogramm so etwas wie einen Aha-Effekt auslöst. Plötzlich sehen die Klienten ihre Herkunftsfamilie, im Genogramm sind ihre nächsten Verwandte versammelt. Bilder sind hilfreich, Zusammenhänge zu begreifen. Mit Bildern stellen sich Erinnerungen und Gefühle ein.

Das Anfertigen eines Genosoziogramms erfordert mehr Aufwand als grundlegende Fakten zu skizzieren. Doch beginnt auch die Genosoziogrammarbeit mit solchen Fakten. Wenn die Klienten Unterlagen über ihre Familiengeschichte besitzen, ist es hilfreich, sie mitzubringen. Als Vorbereitung können Eltern und Großeltern über Ereignisse befragt werden, die für Befragten, die Familie, für einen selbst, besondere Bedeutung hatten. Oder man kann sich überlegen, unter welchen Umständen die Eltern groß wurden. Hat die Mutter als Flüchtlingskind ihre Heimat verloren (und besitzt deshalb einen so ausgeprägten Sammeltrieb?). Hat der Vater als Kind einer alleinerziehenden Mutter nicht immer ausreichend Essen oder Kleidung gehabt (und dreht deshalb jeden Pfennig zweimal um?). Auch: welche Sprichwörter verwende ich und woher habe ich sie? …… Wer erst einmal anfängt, der Familiengeschichte “nachzuspüren”, findet, nun ja, tatsächlich eine große Vielfalt von Spuren. Sie alle haben Bedeutung für das Genosoziogramm. Auf Grundlage des Genosoziogramms lässt sich z.B. ein Beziehungsproblem innerhalb der eigenen oder der Herkunftsfamilie genauer herausarbeiten und benennen. Meist neue Einsichten und Aspekte bereichern die Fragestellung. Fragen wie Aspekte können in Folgesitzungen bearbeitet werden, z.B. durch Aufstellungen.

Das passt doch nicht für mich!

Wenn Sie jetzt sagen, bei mir bringt das nichts. Ich kenne meinen Vater nicht, ich bin ein Waisenkind, ich weiß nichts über meine wirklichen Verwandten, ist dies kein Hinderungsgrund. Ein abwesender oder unbekannter Vater, eine verschollene Mutter, haben Spuren hinterlassen, wie alle Menschen, die aus dem Familiensystem “verschwinden”.  Am Platz des echten Menschen steht die Rolle, die ihm oder ihr zugeschrieben wird. Auch jemand, den andere vielleicht aus tiefer Enttäuschung und Verletztheit “totschweigen”, hat einen Platz im System. Das ist dann die Rolle “des Bösen” oder “das Tabu” oder, in den Augen der Tochter, des Sohnes vielleicht “die Herrliche” bzw. “der Herrliche”. Wer bei Adoptiveltern aufgewachsen ist, versteht am Ende sich selbst besser, wenn es ihr oder ihm erlaubt ist, das Eigene, Abweichende gegenüber der Familienstruktur herauszufinden.

 

Oh, meine Ahnen!

 “Das Leben eines jeden Einzelnen ist ein Roman. Sie und ich, wir leben als Gefangene in einem unsichtbaren Spinnennetz, einem Netz, das wir zugleich selbst weben. Wenn wir unsere Wahrnehmung erweitern könnten, ….. dann könnten wir die Wiederholungen und die bedeutungsvollen Zufälle in unserer Familiengeschichte erfassen und besser verstehen, wir könnten diese hören und sehen, und das Leben jedes Einzelnen würde viel klarer…” (A.A. Schützenberger)

In diesem Sinne: lernen Sie Ihren eigenen Roman kennen.

Eva Scheller
Heilpraktikerin (Psych)

 


Weitere Informationen:
http://www.hp-psychotherapie-hamburg.de/

Verfasser und Verantwortlich für den Inhalt:
Dr. jur., Eva Scheller, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Dr. jur. Eva Scheller HPin (Psych), 20357 Hamburg
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Dr. jur. Eva Scheller HPin (Psych), 20357 Hamburg
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