Wie entstehen familiäre Verstrickungen
13.11.2011
Ein Artikel von Helmut Laber
Verstrickungen
Verstrickungen, ist ein viel benutzter Begriff bei Aufstellungen. Doch was sind eigentlich Verstrickungen und wie entstehen Sie?
Verstrickungen zeigen, dass ein Kind das Schicksal der Eltern oder anderer Familienmitglieder übernommen hat. So war bislang die Überzeugung die sich in Aufstellungen scheinbar auch bestätigte.
Hier liegt ein wesentlicher Grund, der mich zu Trauma-Aufstellungen hinführte. Traumatherapie berücksichtigt die Folgen von erlebtem Trauma. Trauma ist ein Ereignis, das der Mensch als Lebensbedrohlich erlebt, auf das er aber nicht angemessen reagieren kann. Anstelle von Flucht oder Kampf reagiert der Körper mit innerer Erstarrung und Abspaltung der Gefühle und Erinnerungen an die traumatische Situation. Über diesen Schutzmechanismus kann der Mensch in einem Überlebensanteil weiterleben ohne die Traumagefühle von Hilflosigkeit und schutzloser Preisgabe weiter spüren zu müssen. Dennoch bleibt diese Energie im Körper vorhanden und wird im Nervensystem gespeichert. Traumatisierte Menschen sind anschließend in sich gespalten.
Wenn jetzt traumatisierte Eltern Kinder bekommen, dann finden diese bei den Eltern nicht den sicheren Halt den sie für ihre Entwicklung brauchen, weil sie neben dem fürsorgenden Elternanteil auch deren unberechenbaren, abgespaltenen Traumaanteil mit all seinen Gefühlen spüren. Diese seelische Unsicherheit führt bei Kindern selbst zu einem Trauma, einem sog. „Symbiose-Trauma“, wie Prof. Ruppert es entdeckt und genannt hat. In seiner bedürftigen Suche nach Halt und Geborgenheit erfühlt es in den Eltern deren stärkste Gefühle, eben deren Traumagefühle. Dabei kann so ein Kind, eigene und fremde Gefühle nicht mehr unterscheiden.
Als Überlebensstrategie versucht ein Kind dann sich so zu verhalten, dass es die unbewussten Traumaanteile der Eltern nicht herausfordert, es passt sich quasi an die Überlebensstrategien der Eltern an. Dabei kann ein Kind das Eigene und Individuelle aber nicht mehr entfalten. Es erhält praktisch von seinem Umfeld eine Prägung nach deren Muster, so wie eine Münze geprägt wird. Dieses Muster wird dann im eigenen Leben gelebt und wieder erlebt.
Es ist der suchende, bedürftige Anteil eines Kindes, der über die Eltern die ungelösten Probleme des Familiensystems erspürt. Verstrickungen entstehen also durch das kindliche Bedürfnis nach Halt und Sicherheit. Im Erkennen und Unterscheiden von fremden und eigenen Gefühlsanteilen, Körperempfindungen und Symptomen kann man sich aus Verstrickungen lösen, indem man das Fremde loslässt und das Eigene integriert.
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