Emotionale Abhängigkeit: Entwicklungspsychologische Ursachen in der Kindheit

Emotionale Abhängigkeit: Entwicklungspsychologische Ursachen in der Kindheit

Emotionale Abhängigkeit in erwachsenen Beziehungen wurzelt häufig in frühen Bindungserfahrungen. Die Bindungstheorie nach John Bowlby und die empirischen Arbeiten von Mary Ainsworth bilden das theoretische Fundament zum Verständnis dieser Dynamiken. Unsichere Bindungsmuster, die in den ersten Lebensjahren entstehen, manifestieren sich im Erwachsenenalter als übermäßige Abhängigkeit von der Bestätigung durch andere, Schwierigkeiten bei der Regulation von Nähe und Distanz sowie einem fragilen Selbstwertgefühl.

Bindungstheoretische Grundlagen

Die Qualität früher Bindungserfahrungen prägt die inneren Überzeugungen über Beziehungen. Kinder entwickeln Erwartungen darüber, wie verlässlich Bezugspersonen verfügbar sind und ob die eigene Person Fürsorge verdient. Bei unsicherer Bindung entsteht die Überzeugung, dass Zuwendung nicht selbstverständlich ist und aktiv erarbeitet werden muss. Diese Grundannahme wird im späteren Leben zu einem automatisierten Beziehungsmuster.

Der ängstliche Bindungsstil entsteht durch inkonsistente elterliche Verfügbarkeit. Bezugspersonen reagieren unvorhersehbar auf kindliche Bedürfnisse – manchmal zugewandt, manchmal ablehnend. Das Kind entwickelt verstärktes Bindungsverhalten: Es sucht permanent Nähe und zeigt ausgeprägte Trennungsangst. Im Erwachsenenalter zeigt sich dies als exzessives Bedürfnis nach Rückversicherung, permanente Verlustängste und die Unfähigkeit, Alleinsein zu tolerieren.

Der vermeidende Bindungsstil resultiert aus konsistent zurückweisenden Bezugspersonen. Emotionale Bedürfnisse werden als unangemessen oder belastend kommuniziert. Das Kind lernt, Bindungsbedürfnisse zu unterdrücken und Autonomie überzubetonen. Als Erwachsene zeigen diese Personen eine Scheinunabhängigkeit, während auf körperlicher Ebene Bindungsstress messbar bleibt. Die emotionale Abhängigkeit wird durch Vermeidung verdeckt, bleibt jedoch wirksam.

Der desorganisierte Bindungsstil entsteht bei traumatisierenden Bezugspersonen, die gleichzeitig Quelle von Angst und Sicherheit sind. Das Kind kann keine einheitliche Bindungsstrategie entwickeln. Im Erwachsenenalter zeigt sich dies in chaotischen Beziehungsmustern mit extremen Schwankungen zwischen Nähesuche und Rückzug.

Spezifische entwicklungspsychologische Risikofaktoren

Emotionale Vernachlässigung stellt einen zentralen Risikofaktor dar. Kinder, deren emotionale Signale chronisch nicht beantwortet werden, verinnerlichen die Botschaft mangelnder Wertigkeit. Die Fähigkeit zur Gefühlsregulation entwickelt sich unzureichend, da die gemeinsame Regulation mit der Bezugsperson fehlt. Im Erwachsenenalter resultiert eine Abhängigkeit von anderen zur Emotionsregulation.

Bedingte Zuwendung koppelt elterliche Liebe an Leistung oder Anpassung. Das Kind entwickelt ein abhängiges Selbstwertgefühl, das von externer Bestätigung abhängig bleibt. Die Überzeugung "Ich bin nur liebenswert, wenn ich Erwartungen erfülle" wird zum bestimmenden Prinzip späterer Beziehungen.

Parentifizierung beschreibt die Rollenumkehr, bei der Kinder Verantwortung für elterliche emotionale Bedürfnisse übernehmen. Diese Kinder entwickeln eine übersteigerte Aufmerksamkeit für Befindlichkeiten anderer bei gleichzeitiger Vernachlässigung eigener Bedürfnisse. Im Erwachsenenalter zeigt sich dies als Co-Abhängigkeit mit der zwanghaften Tendenz, sich für das Wohlergehen anderer verantwortlich zu fühlen.

Frühe Verlusterfahrungen durch Tod, Scheidung oder längere Trennungen sensibilisieren das Bindungssystem für Verlustangst. Die Aktivierung des Bindungssystems erfolgt bereits bei geringen Hinweisen auf Trennung, was zu klammerndem Verhalten und übertriebener Eifersucht führt.

Narzisstische oder emotional instabile Eltern schaffen ein Umfeld, in dem kindliche Bedürfnisse systematisch den elterlichen untergeordnet werden. Das Kind lernt, dass seine Daseinsberechtigung darin besteht, elterliche Bedürfnisse zu erfüllen. Diese Dynamik begünstigt spätere Beziehungen mit ähnlicher Struktur, da das gestörte Muster als normal verinnerlicht wurde.

Neurobiologische Grundlagen

Unsichere Bindungserfahrungen hinterlassen messbare Spuren in der Stressregulation. Die Stresshormonachse entwickelt sich abweichend, was zu erhöhter Stressempfindlichkeit führt. Beziehungsstress aktiviert Gehirnregionen, die auch bei körperlichem Schmerz aktiv sind, was die subjektive Unerträglichkeit von Trennung erklärt.

Therapeutische Ansätze

Die Veränderung früh erworbener Bindungsmuster erfordert mehr als rationale Einsicht. Traumasensible Ansätze wie EMDR, körperorientierte Verfahren und bindungsorientierte Psychotherapie setzen an der unbewussten, automatisierten Ebene an. Die therapeutische Beziehung selbst dient als heilende Erfahrung, in der neue Bindungserfahrungen gemacht werden können.

Weitere Informationen:
https://hilfe-bei-narzissmus.com/emotionale-abhaengigkeit-ursachen-kindheit/

Verfasser und Verantwortlich für den Inhalt:
Katharina Samoylova, , 63654 Büdingen
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