Tohuwabohu – und ein Plädoyer für mehr Maßlosigkeit

Tohuwabohu – und ein Plädoyer für mehr Maßlosigkeit

Was für ein Jahr ist grad zu Ende gegangen? Und ich meine nicht den Weltuntergang… Ohne Werbung machen zu wollen, hat sogar Markus Schneider einen Wein danach benannt, wie sich 2012 für viele von uns angefühlt hat: Tohuwabohu.

 

Und dabei sind wir alle so verdammt bescheiden und vernünftig geworden. Wir verdünnen den Wein mit Wasser, verzichten auf Sexabenteuer und Kartoffelchips, gehen zum Yoga, früh schlafen und benehmen uns nie daneben.

 

Aber sind wir dabei glücklich? Wenn doch schon in ein paar Tagen die Welt untergehen könnte…

 

Die Vernunft steht bei den meisten von uns stets im Mittelpunkt. Vernunft verschandelt aber unseren Lebenslauf zu einer vorhersehbaren, untadeligen und geplanten Abfolge von Daseins-Stationen, an dessen Ende man sich einen weiteren Tag zu leben wünscht.

 

Aber wozu? Um noch ein alkoholfreies Bier zu trinken? Etwas Salat ohne Dressing und ohne Croûtons zu essen? Oder ein Stück Zartbitter-Schokolade? Ein weiterer Tag, um sich darüber zu freuen, dass man mit 23 eine Lebensversicherung abgeschlossen hat und das Parkett zu Hause durch‘s Schuhe ausziehen geschont hat? Ein Tag, um sich auf die Schulter zu klopfen, dass man nie pleite, fast nie besoffen, meist vor Mitternacht und nie mit einem verbotenen Mann/ einer verbotenen Frau im Bett war? Noch ein Tag mit dem üblichen Tohuwabohu?

Ein weiterer Tag, um festzustellen, dass man nichts wirklich falsch gemacht hat und dass man am Ende eines vernünftigen Lebens steht, das ohne weiteres auch schon vor zehn Jahren hätte enden können, ohne dass man beim Totsein wirklich viel verpasst hätte?

 

Auch ich ertappe mich dabei, im Supermarkt meinen Einkaufswagen an unvernünftigen Dingen wie Nutella, Chips, Rotwein und Zimtsternen vorbeizuschieben. Und wenn ich es unbehelligt bis zur Kasse geschafft habe und die Bio-Tomaten, den Ingwertee und die Putenbrust aufs Band lege, mich meine innere Stimme der Mäßigung lobt -  während mir meine Sehnsucht nach etwas mehr Sünde im Leben zuraunt, dass ein Abend mit Ingwertee und Putenbrust womöglich nicht zu den unvergesslichen in meinem Dasein zählen wird…

 

„Wir leben ein Leben der verschenkten Chancen, denn es gelingt uns nicht, das zu genießen, was wir uns geschaffen haben.“  (aus „Die Sünde“ von Prof. Gerhard Schulze)

 

Das Leben könnte so schön sein. Und nie war es leichter zu haben, als jetzt. Wir dürfen jeden Tag überlegen, was wir nicht essen und erlauben uns den Luxus, uns vor Konservierungsstoffen in Lebensmitteln zu ängstigen. Es gibt alles und von allem genug und von fast allem zu viel. Denn mit 50.000 verschiedenen Artikeln im Supermarkt um die Ecke sind wir aus der Phase der Not definitiv heraus.

Und doch gibt es kaum ein Bücherregal zu Hause, in dem nicht wenigstens ein Ratgeber steht, der versucht, den Weg durch den Irrgarten des Überflusses hin zum persönlichen Glück zu weisen.

 

Ein Plädoyer für mehr Maßlosigkeit

 

Man kann ein Leben nicht nur vernünftig angehen. Das Leben beherrschen zu wollen ist eine Anmaßung. So haben auch Probleme zu Unrecht einen schlechten Ruf. Sie sind der Weckruf, sich zu verändern. Selbst eine Depression, ein Hörsturz oder ein Burnout-Syndrom sind immer der Versuch der Seele, das lebendige Leben zurückzugewinnen – ein gesunder Aufstand der Psyche, die einen Ausweg sucht. Die einen brechen auf, die anderen brechen zusammen.

 

Schön ist, wenn sich Menschen an Ihren Sehnsüchten orientieren!

 

Aber wie können wir uns an unserer Sehnsucht orientieren? Und wie maßlos und leidenschaftlich kann unser Leben eigentlich sein, wenn man z.B. Kinder hat und einen Partner/ eine Partnerin, die man nicht total vergraulen will? Wenn man morgens früh raus muss, wenn man Abgabetermine einzuhalten hat, wenn man stets Leergut oder Sachen für die Reinigung mit sich rumschleppt? Wann ist da Zeit für Maßlosigkeit und unkontrollierte Leidenschaft? Viele von uns würden es viel öfter mal krachen lassen. Aber meist fallen uns vorher die Augen zu.

 

Das Leben verläuft halt immer zwischen den Polen „Lust auf…“ und „Angst vor…“. Wenn man sich zu lange von der Angst leiten lässt, gerinnt das Leben. Dann muss die Lust zum Zuge kommen, damit es wieder als fließend und aufregend erlebt wird.

 

So ist es die Angst, die durch unsere Gemüter schleicht, mit dem Bedürfnis, stets auf der sicheren Seite zu bleiben, nicht über die Stränge zu schlagen, nicht aus der Rolle zu fallen.

 

Wann waren Sie zuletzt auf einer Party, wo ein paar Leute zu viel getrunken haben, laut gelacht und mitgesungen haben oder fröhlich einen Tisch über den Haufen gerannt haben? Oder waren es doch wieder die Schorle-Trinker, die Nichtraucher, die Aufs-Parkett-Achtgeber und die, die ab elf auf die Uhr sehen, weil ja der Schlaf vor Mitternacht der erholsamste ist?

 

Der Spiegel-Journalist Matthias Matussek schrieb mal: „Ich bewundere die Matadoren der Mäßigung und der Selbstbeherrschung. Aber mit der Sünde ist ein existenzielles Abenteuer verloren gegangen. Ein unheimlicher Unschuldswahn hat sich über unsere überraschungsfreie Gesellschaft gelegt. Die Sünde hat ein Imageproblem.“

 

Vielleicht ist es eben nicht der allseits gepriesene Mittelweg, der glücklich macht. Vielleicht liegt das Glück tatsächlich darüber und darunter.

 

Probieren Sie es aus! Fasten oder fressen. Wein oder Tee. Aber niemals Schorle!

Ein schneller Wechsel zwischen den Extremen, maßlos sein in beide Richtungen – frei nach dem Motto „wenn schon, dann richtig“. So können Sie wechseln zwischen Arbeitsphasen und Ruhephasen, zwischen Ausgeh- und Couch-Abenden und zwischen sündhaften und tugendhaften Phasen.

Und dazwischen ist es auch viel leichter, die Normalität nicht nur zu ertragen, sondern angemessen aufmerksam zu genießen, weil der Alltag zwischen den Extremen funkeln darf.

 

Eines ist offensichtlich: Wenn man ein Leben haben will, dass seinen Namen verdient, dann darf man nicht unentwegt vernünftig oder erwachsen sein. Man muss vielmehr imstande sein, sich auch kleine Verrücktheiten oder kindische Dummheiten zu gönnen.

Unsere besten Genüsse bestehen darin, dass wir für Momente unsere gewöhnlichen Prinzipien gesunder Ernährung, nüchterner Verfassung, sparsamen Haushaltens, der Ablehnung und des Ekelns usw. über Bord werfen und eine triumphal lustvolle, feierliche Überschreitung begehen. (aus „Wofür es sich zu leben lohnt“ von Robert Pfaller).

 

Jetzt ist es an der Zeit, das Leben zu genießen und sich ab und an zu fragen, was man tun würde, wenn man noch einen weiteren Tag vor dem Weltuntergang zu leben hätte.

Und vielleicht ist 2013 ein gutes Jahr, um etwas mehr Maßlosigkeit und Extreme zuzulassen, statt dem Versuch, den Mittelweg zu gehen und das bekannte Tohuwabohu – es sei denn in Form von Rotwein?!

Es ist nie zu spät, unvernünftig zu werden!

 

© Nadine Fritsch, www.pfluecke-das-leben.de

Weitere Informationen:
http://www.pfluecke-das-leben.de

Verfasser und Verantwortlich für den Inhalt:
Nadine Diewald (geb. Fritsch), Heilpraktikerin Psychotherapie, Carpe Vitam - Pflücke das Leben, 60320 Frankfurt am Main
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Nadine Diewald geb Fritsch Heilpraktikerin Psychotherapie  Carpe Vitam - Pflücke das Leben 60320 Frankfurt am Main Nadine Diewald (geb. Fritsch), Heilpraktikerin Psychotherapie,
Carpe Vitam - Pflücke das Leben, 60320 Frankfurt am Main
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