Krank durch Beziehungsstress und Kränkung

Krank durch Beziehungsstress und Kränkung

Krank durch Beziehungsstress und Kränkung

  • Angelika Beck
  • 29/07/2018
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Wie reagierst du, wenn dein Partner dich kränkt? Aggressiv, depressiv oder gar nicht? Hast du einen klaren und sicheren Zugang zu diesen Emotionen und kannst du dich so verhalten, dass deine eigene Würde gewahrt bleibt? Oder lässt du dich rasch verunsichern, frisst die Kränkung lieber in dich rein – aus Sorge, du könntest zu empfindlich reagieren oder vielleicht gar kein Recht auf dieses Gefühl haben?

Leidest du an Schlafstörungen, Gedankenkreisen, innerer Anspannung und Unruhe, Kopf- oder Rückenschmerzen, Hautausschlägen, Verdauungsproblemen, sexueller Unlust…..Kannst du dich zu nichts mehr aufraffen, bist extrem erschöpft und ängstlich? Hat sich dein Gewicht verändert – nach oben oder nach unten, fühlst du dich innerlich leer, hast an nichts mehr richtig Freude?

Oder bist du bereits an einer psychischen Erkrankung nach dem internationalen Krankheiten-Katalog ICD 10 erkrankt, wie: Depression, Angststörung, Zwangsstörung, Posttraumatische Belastungsstörung, Anpassungsstörung, Phobie, Somatisierungsstörung… Oder hast du gar eine chronische Krankheit entwickelt wie Fibromyalgie, CFS/ME, andere Autoimmunerkrankungen?

Oder ist Alkohol dein „bester Freund“, sind Zigaretten deine Trostspender, ist Essen dein Ausgleich für Frust und Stress? Hinter Süchten jeglicher Art steckt immer auch die Betäubung eines unangenehmen Gefühls, müssen Emotionen niedergedrückt werden, die ansonsten unaushaltbar wären. Die Kompensation über „den Stoff“ ist meist leicht zu bewerkstelligen und ein angenehmeres Gefühl somit rasch herstellbar. Auf diese Weise müssen wir uns nicht mit der Wurzel des Übels auseinandersetzen, sondern reagieren einfach auf der Symptom-Ebene. Jedoch – wie du dir leicht vorstellen kannst – ist das auf Dauer kontraproduktiv. Und gesundheitsschädlich!

 

Kränkung kann Sucht erzeugen

 

Neben den stoffgebundenen Süchten, wie Alkohol und Drogen, gibt es auch die stoffungebundenen, wie z. B.: Arbeitssucht (Beschäftigungssucht!), Spielsucht, Kaufsucht, Internetsucht, Handysucht, Beziehungssucht, Sexsucht….Hättest du vermutet, dass Kränkungen durchaus ein Motiv für die Entstehung bzw. Aufrechterhaltung solcher Süchte darstellen können? Dass oben genannte Symptome eine Kränkung als Ursache haben können? Dass Kränkung tatsächlich krank machen kann?

Natürlich gibt es nicht den EINEN Auslöser, führt nicht Kränkung zwangsläufig zu Krankheit. Natürlich bedarf es immer mehrerer Faktoren bzw. Ereignissen, damit es zu einer psychischen Erkrankung oder einem psychosomatischen Syndrom kommt. Wir können keinen simplen Wenn….dann….Zusammenhang herstellen. Gehen von einem multi-faktoriellen Geschehen aus. Ich nehme an, das hat du auch so erwartet. Jedoch, was wissen wir über die Entstehung der oben genannten Phänomene, was liegt ihnen überzufällig häufig zugrunde?

 

Sich gekränkt fühlen ist uncool

 

Die Kränkung ist ein Thema in unserer Gesellschaft, über das praktisch nicht gesprochen wird, fast so, als wäre es gar nicht existent. Obwohl doch jeder von uns immer wieder Kränkungen ausgesetzt ist und verarbeiten muss, macht dieses unangenehme, häufig peinliche Gefühl, meist jeder lieber mit sich selber aus. Es ist schambehaftet! Man gibt nicht gerne zu, dass man gekränkt wurde! Man möchte lieber „über der Sache stehen! Cool sein! Unantastbar!“ Doch warum ist das so? Warum tun wir uns so schwer, zu diesem Gefühl zu stehen?

Ich bin der Meinung, dass unsere heutige Gesellschaft keine „Weicheier“ und „Warmduscher“  toleriert. Wer heute nicht – angesichts der schier unendlichen Möglichkeiten – überglücklich und erfolgreich ist, der ist schließlich selber schuld. Und wie passt in diese Gesellschaft ein gekränkter Mensch? Gar nicht! Denn: Was uns kränkt, macht uns krank, und wer krank ist, ist schwach! Vor allem bei den Männern wurde oft schon in der Erziehung Wert darauf gelegt, dass ein Junge hart zu sich selbst zu sein hat, oder war das bei dir anders? Hast du nicht auch die Sätze zu hören bekommen: „Ein Junge weint doch nicht!“, oder „Ein Indianer kennt keinen Schmerz!“

 

Störung der Wahrnehmung und Bewertung eigener Gefühle

 

Ein weiterer Punkt ist die (unbewusst) stattfindende Wiederholung! Was meine ich damit? Wir alle wurden als Kinder gekränkt. Sei es von den Eltern, den Geschwistern, den Lehrern oder Mitschülern. Praktisch niemand kommt um diese Erfahrung herum. Und wie sind wir als Kinder mit Kränkungen umgegangen? Haben wir sie unseren Eltern vorgetragen, wenn sie von Außen kamen? Und wie haben diese darauf reagiert? All das sind wichtige Aspekte für unseren Umgang mit Kränkungen im Erwachsenenalter. Wurden wir als gekränkte Kinder ernst genommen von der Bezugsperson, getröstet und wieder in unserem Selbstwert aufgebaut, dann konnte die Kränkung sehr wahrscheinlich keine allzu große Narbe hinterlassen. Wenn aber die Eltern unsensibel und barsch reagierten, wie etwa: „Stell dich nicht so an, das war doch nicht schlimm! Wasch dir die Hände und komm zum Essen. Du bist ja auch immer so empfindlich!“ Da bleibt ein Kind verstört und unverstanden zurück! Im ersten Fall empathisch getröstet – im zweiten verwirrt abgewiesen! Verwirrt auch deshalb, weil das Kind ja die Kränkung spürt, vom Erwachsenen jedoch rückgemeldet bekommt, dass „gar nichts geschehen ist“. Dies führt zu einer massiven Störung der Selbstwahrnehmung des Kindes, die sich bis ins Erwachsenenalter hineinziehen kann. Diese Menschen trauen ihrer eigenen Intuition nicht, wissen nicht, was sie fühlen „dürfen“ und was nicht.

Spürst du den Unterschied? Kannst du dir vorstellen, dass Erfahrungen solcher Art unser Erwachsenwerden prägen und unseren Umgang mit Kränkungen im Erwachsenenalter massiv beeinflussen? Sicher kennst du Menschen, die sehr leicht kränkbar sind und andere, die scheinbar eine dickere Haut haben und denen nichts so leicht etwas anhaben kann. Diese Hintergründe können dabei eine Rolle spielen.

Und noch etwas: Die „Kränkungswunde“ aus der Kindheit ist bei manchen Menschen so enorm groß, sie wurde praktisch täglich neu „geschlagen“, sodass überhaupt keine Zeit für Heilung war. Heute ist diese Wunde mit Narben übersät, und wenn dann eine erneute, aktuelle Kränkung stattfindet, z. B. durch den Partner, und dieser Mensch, der nun schon so häufig Kränkungen ausgesetzt war, hat – als Erwachsener – die Möglichkeit, dieser Kränkung zu entkommen, dann wird er dies mit großer Wahrscheinlichkeit auch tun. Er wird aggressiv reagieren und so den Sender der Kränkungsbotschaft zurück stoßen, oder er wird sich selbst zurück ziehen und so vor der Kränkung fliehen. Ist es dazu schon zu spät, weil die Kränkung völlig unerwartet erfolgt, so wird der Gekränkte vermutlich den Rückzug antreten, um sich von dieser neuen Wunde zu erholen – wie ein Verletzter nach einem Unfall.

 

Was genau sind denn nun eigentlich Kränkungen?

 

Was zählen wir dazu und was nicht? Ist es schon kränkend, wenn ich an der Kasse länger anstehen muss, weil sich ein anderer Kunde vordrängelt? Ist es nur dann kränkend, wenn es sich um wirklich große Ereignisse wie Kündigung oder Scheidung handelt? Wer bestimmt darüber, was mich kränkt und warum kränkt nicht jeden Menschen dasselbe?

Zunächst einmal kann mich nur jemand kränken, der mir wichtig ist, mir nahe steht, in einer engen und bedeutsamen Beziehung zu mir ist. Ein mir völlig gleichgültiger Mensch ist kaum in der Lage, mich ernsthaft zu kränken. Er kann mich höchstens verärgern oder provozieren. Also, entscheidend ist, dass der Sender der Kränkungsbotschaft mir etwas bedeutet, mir seine Meinung über mich und meine Person wichtig ist. Denn: Kränkung wertet ab! Sie greift massiv unsere Persönlichkeit an, stellt unsere Integrität infrage! Sie trifft uns in unserem Innersten und destabilisiert uns dort!

Vielleicht magst du mal ein kleines Experiment durchführen und schauen, was dich in deinem Alltag kränkt. Welche Worte dich verletzen. Übrigens, wir können auch durch unser Verhalten andere Menschen kränken, z. B. durch Nicht-beachten, durch abfällige Blicke, durch massives Schweigen… Meist jedoch geschieht natürlich eine Kränkung verbal. „Du bist so schlampig! (direkte Kränkung) Auf dich kann man sich nie verlassen! (direkte Kränkung) Schau mal die Nachbarin, die hat ganz schön abgenommen! (indirekte Kränkung) Mein Kollege putzt sein Auto jeden Samstag – und was ist mit dir? Nie hörst du mir zu! Dir muss man alles hundertmal sagen!“

Du kennst vermutlich solche Sätze und könntest die Liste unendlich verlängern. Auch die Energie, mit der eine Botschaft übermittelt wird, kann eine Kränkung darstellen. „Du kommst aber spät!“ Das ist, für sich genommen, erstmal nur eine Feststellung. Mit entsprechender Tonalität gesprochen jedoch, wird rasch ein Vorwurf daraus. Hat nun der Zu-spät-Gekommene diesen Satz in seiner Kindheit schon hundertmal gehört (oder von seiner Ex-Partnerin), dann wird er vermutlich sofort gereizt reagieren und so den Vorwurf abwehren. Somit entgeht er der vermeintlichen Kränkung. Oder er wird mit Schweigen reagieren und schon ist ein Streit entstanden oder es herrscht zumindest „dicke Luft“!

 

Ein paar Beispiele für Kränkungen:

 

Die/die Partner(in) will nicht mehr mit dir schlafen! (Zurückweisung)

 

Der Kollege wird befördert, obwohl du an der Reihe wärst! (Bevorzugung)

 

Eure Nachbarn werden zum Grillfest eingeladen und ihr nicht! (Ausgrenzung)

 

Deine Freundin fährt mit einer anderen Freundin in den Urlaub und fragt dich nicht

 

Dein Partner nimmt sich viel mehr Zeit für seine Hobbys als für dich

 

Deine Kollegin „schneidet“ dich im Büro und spricht kein Wort mit dir – mit allen anderen Kollegen hat sie ein sehr freundliches Verhältnis

 

Dein Partner ist sehr geizig und lädt dich nur selten ein

 

Deine Mutter lobt immer nur deinen Bruder und fast nie dich

 

Für manche Menschen stellt es schon eine Kränkung dar, wenn alle Strandliegen belegt sind oder das Wetter im Urlaub schlecht ist. Ich weiß, das klingt unglaubwürdig, aber tatsächlich ist es so. Manche Menschen hatten in ihrem Leben derart häufig unter Kränkungen zu leiden, dass sie heute praktisch gar keine mehr ertragen können.

Unnötig zu sagen, dass natürlich sexuelle Übergriffe, psychische und physische Gewalt, strategisches Mobbing, Trennung vom Partner, Betrogen-werden (emotional und finanziell), Entlassung oder unwürdige Behandlung bei der Arbeit…in jedem Fall eine Kränkung darstellen und einen massiven Angriff auf unser zutiefst menschliches Grundbedürfnis nach seelischer und körperlicher Unversehrtheit!

Auch der Tod eines nahen Angehörigen kann kränkend sein. Obwohl wir es selber gar nicht wollen, kränkt es uns, dass dieser Mensch uns verlassen hat, oder dass Gott es zuließ. Ein Suizid stellt ein Höchstmaß an Kränkung für die Hinterbliebenen dar – denn dieser wird auch noch verknüpft mit Schuld und Scham. Andersherum ist Kränkung häufig ein Motiv für Suizid – und in seiner schlimmsten Form leider auch für Amokläufe!

 

Wie gehen wir nun am besten mit Kränkungen um?

 

Wir können Kränkungen nicht grundsätzlich vermeiden und wir haben auch nur einen sehr begrenzten Einfluss darauf, was uns wirklich kränkt und welche Gefühle sich daraufhin in uns entwickeln:

 

  • Spüre deine Kränkungen auf. Beobachte dich in nächster Zeit einmal sehr genau dabei, wer oder was welches Gefühl der Kränkung in dir auslöst.
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  • Installiere einen fiktiven Beobachter: Dieser schaut sich deine Reaktionen an, die du momentan zeigst – ohne sie zu bewerten! Er nimmt sie einfach nur wahr!
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  • Zu welchen Reaktionsmustern neigst du? Angriff oder Rückzug? Bist du erfolgreich mit deiner bisherigen Strategie oder würdest du dir eine Veränderung wünschen? Bringst du dich selber immer wieder in Schwierigkeiten, weil du bei Kränkungen übertrieben aggressiv oder depressiv reagierst? Oder erstarrst du förmlich, wenn dich jemand kränkt und fühlst dich ohnmächtig?
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  • Mach dir bewusst, auf welchen „Boden“ deiner Kindheit diese aktuelle Kränkung fällt. War das Gesagte wirklich so schlimm? Neigst du dazu, Inhalte rasch als Kritik und Kränkung aufzufassen? Wurdest du schon sehr häufig gekränkt in deinem Leben?
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  • Kannst du Kränkungssituationen verlassen oder bleibst du in ihnen gefangen? Vielleicht aus Verunsicherung, weil du nicht weißt, ob du überhaupt gekränkt sein darfst oder ob du womöglich zu empfindlich reagierst? Ist dein eigenes Wahrnehmungs- und Überprüfungssystem aus dem Tritt geraten oder wurde es gar nie auf eine gesunde Weise installiert? Fragst du dich häufig bei Streitigkeiten, wer eigentlich Schuld hat, ob du dich gekränkt fühlen darfst und übernimmst du schnell die Verantwortung, wenn dir jemand deine Gefühle diesbezüglich abspricht? Bist du tief in dir verunsichert, was du fühlen darfst und was nicht und bleibst somit in kränkenden Beziehungen?
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    Sollte dieser letzte Punkt auf dich zutreffen, und bemerkst du an dir immer wieder Symptome wie ich sie oben genannt habe, spürst du in dir immer wieder Wut, Aggression, Enttäuschung, Verbitterung, aber auch Ohnmacht, Ausgeliefert-sein, Erstarrung….in Kränkungssituationen und hast du bislang keinen guten Umgang damit gefunden, dann such dir Unterstützung, damit diese Kränkungen dich nicht irgendwann krank machen und du nicht in destruktiven Beziehungen verbleibst!

     

     

       

    Narzissten – Wie sie ticken und uns beeinflussen !

    24/04/2018

    Wer spinnt hier eigentlich? Du oder ich?

    Weitere Informationen:
    http://https://angelika-beck.com/2018/04/24/narzissten-wie-sie-ticken-und-uns-beeinflussen/

    Verfasser und Verantwortlich für den Inhalt:
    Angelika Beck, Heilpraktikerin für Psychotherapie Schwerpunkt: Opfer von Narzissmus, ,
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