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Die Kraft und das Wissen der Ahnen


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21.12.2011

Ein Artikel von Theresa Anneken

In meiner Arbeit geht es häufig um die eigene Emanzipation (lat., emanzipare – Befreiung) aus negativen Kreisläufen. Eine geklärte innere Haltung in Bezug auf seine Eltern zu erlangen, wirkt sich heilsam und stärkend auf die eigene Persönlichkeit aus; auch die Auseinandersetzung mit der Sippe, der man entspringt, trägt zur Selbsterkenntnis und Identitätsstiftung bei. Die (innere) Beziehungsklärung mit den Eltern kommt m. E. nach einem Meisterstück an Beziehungsklärung gleich; hier werden Verantwortlichkeiten, wie man sie ursprünglich erlebt hat, enttarnt, angeklagt, betrauert und erlöst.

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Menschen sind unglücklich, wenn sie sich in negativen Kreisläufen befinden und häufig fehlen Informationen und ein Perspektivwechsel, um das Leid betrachten zu können und um mit der Kraft des Verstehens in die Herzensenergie zu gelangen, aus der heraus wir positiven Einfluss auf unser Leben nehmen können.

„Wenn wir verstehen und erkennen wollen, weshalb wir in negativen Lebenskreisläufen gefangen sind, müssen wir herausbekommen, wo wir herkommen“, wie meine spirituelle Lehrerin Tania Maria Niermeier sagt.

Die Auseinandersetzung mit unserer Herkunft bringt uns in Verbindung mit der Kraft und dem Wissen unserer Ahnen.

Wir sind nicht nur äußerlich von unseren Ahnen geprägt, auch Charaktereigenschaften, wie bspw. Humor, Ehrgeiz, Leistungsdenken, aber auch Beziehungsdynamiken, Talente, Leidenschaften, sogar Emotionalitäten, Lebenseinstellungen, Familiengeheimnisse, über die Generationen hinweg wiederkehrende Geschwisterkonstellationen und die Rollenvergabe darin, all dies u.v.a.m, fließt sozusagen „durch unsere Adern“; dabei gibt es auch Ungelöstes, das uns vererbt wurde.

Wie kann es nun gelingen, die Kraft der Ahnen hinter sich zu stellen? Eine Möglichkeit der Selbsterkenntnis, die dazu führt, negative Kreisläufe zu durchbrechen und Ungelöstes zu erlösen, ist das Verstehen und das Verzeihen dessen, was war.

Das Genogramm, das durch Monica McGoldrick und Randy Gerson (1985) populär wurde, hat sich in meiner Arbeit zu diesem Zweck bewährt. Bei der Genogrammarbeit handelt es sich um eine Art erweiterten Familienstammbaum, d.h., dass der Fokus auf die Ahnen nicht einzig die harten Fakten abdeckt, wie Geburtsjahr/Sterbedatum, Beruf, verheiratet/ledig, Kinder/Totgeburten; sondern auch die oben genannten Aspekte, wie Beziehungsdynamiken werden recherchiert, ebenso wie Süchte, Laster, Schicksalsschläge und Geschlechterrollen - vor dem Hintergrund der jeweiligen Zeitgeschichte.

Die Ersteller/innen ihres Genogramms nehmen dabei eine beschreibende und beobachtende Position ein; das vermittelt ihnen Sicherheit und eröffnet ihnen zugleich die Möglichkeit, die Vielfalt ihrer Abstammung näher zu beleuchten und in diesem veränderten Licht verstehen zu können. Aus dieser veränderten Perspektive gelingt es viel leichter auch die eigene Rolle, die wir in der Familie, bzw. in bestimmten Beziehungskonstellationen übernommen haben, zu enttarnen.

So kann beispielsweise das Lüften eines (Familien)Geheimnisses die Energien freisetzen, die zuvor für das Verdecken

des Tabuisierten aufgewandt wurden; wiederkehrende Geschwisterkinderkonstellationen in der Geschichte der Familie, die mit bestimmten Gefühlen behaftet waren, machen vielleicht deutlich, dass man selbst diesen Teufelskreis bereits durchbrochen hat in seiner eigenen Beziehung zu seinen Geschwistern, o.ä..

Die Enttarnung ebnet in jedem Fall den Weg, um das verzeihen zu können, was geschehen ist und zeigt auf, wo bereits Heilung stattgefunden hat. Dadurch können wir in die Verbundenheit mit unseren Wurzeln kommen und in Annahme gelangen für die Kraft der Ahnen.

Eine gute therapeutische Begleitung an der Seite zu haben, ist gerade dann sinnvoll, wenn der Leidensdruck der Betroffenen groß ist, bzw. wenn sich Fragen bezüglich Täter-Opfer-Konstellationen auftun.

Eine nicht zu unterschätzende Heilkraft geht bei dieser Arbeit m.E. auch vom uralten und wundervollen Symbol des Baumes aus. Kulturwissenschaftlich betrachtet zählen Religion, Märchen, Mythen, Mystik und die dazugehörigen Symbole zum identitätsstiftenden Wissen von Gesellschaft und somit zum identitätsstiftenden Wissen vom Individuum (vgl. Assmann, Jan, Das kulturelle Gedächtnis. Schrift, Erinnerung und politische Identität in frühen Hochkulturen. München 1992, S.141).

So hat bspw. der Kabbala-Baum seine Wurzeln in der jüdischen Mystik, oder es ist die Rede vom „Baum des Lebens“ im Alten Testament (Genesis) und im Neuen Testament (Offenbarung des Johannes), Schamanen nutzen u.a. Bäume um in „andere Welten“ zu gelangen und in Afrika werden Bäume, die einen weißen Saft absondern, mit der Mutter Gottheit in Verbindung gebracht (vgl. Pollack, Rachel, Der Kabbala Baum, 2005). Die symbolische Identifikation mit einem Baum fördert vor diesem mythologischen Hintergrund einen Zugang zu ebendieser Form des kollektiven Gedächtnisses, das sich aus Symbolen, Märchen und Mythen speist; und es fördert die Bewusstheit um die eigene Verbindung zur Kraft der Natur. „The earth and myself are of one mind“ (Hinmaton Yalatkit, Indianerhäuptling, 1832-1904).

Wenn Sie diese Thematik berührt, Sie aber nicht gleich ein Genogramm erstellen wollen, um eine tiefere Verbindung zu Ihren Vorfahren herzustellen, dann versuchen Sie es doch einmal mit einem Ahnenaltar.

Ehren Sie mit einem Bildern Ihrer Ahnen, mit Blumen und Kerzen, die Sie im Herzstück Ihrer Wohnung aufstellen, einfach einmal Ihre Abstammung und spüren Sie, ob Sie sich im Laufe der Zeit verbundener fühlen.

Ein Kerzenrituel ist auch sinnvoll.

Viel Freude beim Ausprobieren!

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