Über Liebesbeziehung und Partnerschaft im Märchen - Ein Gespräch mit Märchenerzählerin Nana Avingarde.

Über Liebesbeziehung und Partnerschaft im Märchen - Ein Gespräch mit Märchenerzählerin Nana Avingarde.

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Über Liebesbeziehung und Partnerschaft im Märchen. Oder: Wie man im Märchen ein Paar wird.

In vielen Märchen müssen die Heldin, oder der Held, Schwierigkeiten meistern, um ein Ziel zu erreichen. Im Märchen kommt es vor, dass der Mann die Frau, oder die Frau den Mann "erlöst"; z.b. aus Elternbindungen und gesellschaftlichen Vorstellungen, Standesgrenzen, aus Zauberei und Verwünschung durch Hexen und Magier, aus den unterschiedlichsten Zuständen, die Macht über die Partnerin, über den Partner besitzen. Es werden unsichtbare Kräfte zu Hilfe gerufen, die dem Liebenden dienen, je mehr er sich auf dem Weg zur Partnerin bemüht. Das Gute siegt und die Märchen enden mit einer Hochzeit. Mann und Frau haben sich bewährt und schließen den Bund für das Leben. Gemeinsam kehrt man zurück in das goldene Schloss, in einen Zustand der Einigkeit und der Liebe. Wahre Liebe benötigt im Märchen Freiheit und Unabhängigkeit. Noch-Bindendes, Manipulatives, Althergebrachtes und Einengendes muss überwunden werden, damit die neue Liebe Raum zur Entfaltung hat.

Das eigene Herz als einziger Prüfstein 

So gilt gleichsam das eigene Herz als einziger Prüfstein, auf den wir uns verlassen können. Dann sind wir - im Märchen - in uns frei geworden. Liebe fragt hier: Was kann ich tun, damit es meinem Partner, meiner Partnerin gut geht? Wer hier als Fragende oder Fragender angekommen ist, hat einen Zustand erreicht, in dem sich Partner*Innen einander die Hand reichen können. Zuvor war die märchenhafte Aufgabe die, mich nach meinen eigenen Gefühlen und nach der Wahrheit meines Herzens zu richten und so darauf zu vertrauen, nicht betrogen zu werden. Es ist die Frage, ob ich die Seele meiner Partnerin, meines Partners erkennen kann, ohne fremden Einflüssen, Eingebungen, Verlockungen, Meinungen anderer nachzugeben. Damit Neues werden kann, muss ich selber auf positiven Erfahrungswegen die Liebe lernen. Ich muss wagemutig Altes verlassen, mich auf Ungewisses einlassen und auf neuen Erfahrungswegen lernen. 

Wer im Märchen Liebe verhindern will

Es sind Hexen und Magier, die die Liebe verhindern wollen, weil Liebespaare eine große Kraft bedeuten. Liebende sollen nicht zusammenkommen. Prinzessinnen etwa werden von dunklen Ungeheuern geraubt, von Hexen verwünscht, im Turm eingesperrt oder vielfältig durch Bosheit und Neid vom Guten abgetrennt und abzuschirmen versucht. Es bedarf langer Wege und Entbehrungen, eines starken Willens, um die geraubte Geliebte zu finden und das Dunkle zu entmachten und zu besiegen. Doch Gefahren lauern auch durch das etwaige Auftauchen einer falschen Braut, die den liebenden Partner verhext und sein Bewusstsein vernebelt. Er kann in der Folge seine wahre Liebe weder erkennen noch umarmen. Auch in einem solchen Fall, wächst die Kraft der gesuchten Partnerin so sehr, dass nun ihr das Unmögliche gelingt. Sie vermag es, ihren liebenden Mann aus dem Bann der Verhexung zu befreien. Auch hier muss man dem Alten entfliehen, um das neue Leben leben zu können.

Ein Text von Nana Avingarde (Märchenautorin und Märchenerzählerin).
http://www.maerchenfrau.com

Ferdinand Krieg im Gespräch mit Autorin und Märchenerzählerin Nana Avingarde

Nana Avingarde ist seit dreißig Jahren hauptberufliche Märchenerzählerin. Die Autorin hat mehrere Märchen für Erwachsene, Jugendliche und Kinder verfasst. Ferdinand Krieg ist Theologe und Heilpraktiker beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie. Weitergebildet in Systemischer Paartherapie am Systemischen Institut Heidelberg (SIH) bietet der ehemalige Seelsorger heute Paaren und einzelnen Partner*Innen Beratung zu Beziehung und Partnerschaft an.

Im Gespräch mit Ferdinand Krieg spricht Nana Avingarde über die Liebe im Märchen und über die Herausforderungen an Märchenpaare, die auf dem Weg zu Liebesbeziehung und Partnerschaft sind.

Krieg: Liebe Nana Avingarde, vielen Dank für Deinen Text und für Deine Bereitschaft zum Gespräch, über Liebe und Paarbeziehung im Märchen. Du hast berichtet, dass es Märchenfiguren gibt, die grundsätzlich werdendem Liebesglück und der Paarwerdung Liebender im Wege stehen. Da geht es um Hexen, Zauberer, boshafte Schwiegermütter und andere Figuren, die das Zusammenkommen eines Paares verhindern wollen. Gibt es eine typische Märchenfigur an die Du dabei exemplarisch denkst? Hast Du als Märchenerzählerin auch Mitleid mit solchen Liebesverhinderern?

Avingarde: In meinem eigenen Märchen "Xabara am See" bekommt die Hexe, die Trennungen und Verwirrungen verursacht hat, am Ende eine Chance. Entweder begibt sie sich auf den Weg der Umkehr in das Gute, oder sie hat alle Menschen und Tiere zu Feinden. Sie entschließt sich selbst zur Umkehr. Märchengestalten, die aus einem Gefühl des Neides heraus Unglück stiften, verdienen unser Mitgefühl. Sie geben keine Liebe weiter und deshalb kehrt auch keine Liebe zu ihnen zurück. Sie leben in Isolation. In meinen Märchen sind sie von Liebe und Hilfsbereitschaft umgeben. Wenn sich die Hexe diesem steten Hilfangebot verweigert, verliert sie ihre Kräfte und stirbt. Als einzig Übriggebliebene erkennt die Hexe, dass sie durch sich mitteilende Liebe am Leben bleibt. Also entschließt sich sich, nicht weiter Liebesverhindererin zu bleiben.

Krieg: Was nehmen Liebende in Märchen alles auf sich, um irgendwann glücklich mit Ihrem Partner, ihrer Partnerin, vereint leben zu können? Welche Aufgaben müssen sie meistern?

Avingarde: Im türkischen Märchen "Der verliebte Prinz" nimmt der Sohn eines Paddischah aus Jemen jahrelange Wanderungen auf sich, um die Schöne der Welt zu sehen. Zerlumnpt, ohne Geld, trifft er auf eine Devenfrau, die ihn berührt und die ihm von einem Bann einer Hexe erzählt, die diese auf die Prinzessin gelegt hat. Sie verrät ihm auch, wie er diesen Zauber auflösen kann. Der Mann scheut keine Mühe, bis es ihm schlussendlich auch gelingt. Der Wille wird hier sehr geprüft und auch die Echtheit der Liebe. Kein Rat anderer Menschen konnte ihn abhalten, sein Ziel zu verfolgen. Er setzte sein Leben aufs Spiel, seine Gesundheit und seinen Reichtum. Schlußendlich öffnet sich für beide eine unglaubliche Liebe, die auch das Herz des Vaters der Prinzessin berührt. So wird es möglich, dass beide heiraten.

Krieg: Heisst das, dass es darum geht, dass also geprüft wird, ob die Liebe zueinander echt ist? Es geht also um eine Bewährungsprobe für die Liebe? Was gilt denn in den Märchen als echte Liebe, die Bestand hat?

Avingarde: Nichts und niemand kann einen wahrhaft Liebenden von der Erreichung seines Zieles abhalten. Das stellt sich in diesen Schicksalsmärchen deutlich dar. Man verlässt die Eltern, den Wohlstand, die Sicherheit, die Freunde, hört nur auf den Ruf der Liebe. Wer sich so bemüht, sagt die Fee, hat meine Hilfe verdient.

Krieg: Ich habe den Eindruck, dass Paare vor der Herausforderung stehen, eine Balance zu finden, zwischen Bindung und Autonomie. Wir leben ja in einer Zeit, in der persönliche Freiräume und auch indviduell-materielles Wohlergehen viel zählen, auch in Abgrenzung zum gemeinsamen Wir einer Paarbeziehung. Es gibt ja auch Eheverträge. Man möchte Beziehungen eingehen, aber das Liebesideal, wie es die Märchen zeichnen, scheint doch ein hohes Abstraktum zu sein; insbesondere gilt dies doch mit Blick auf die in den Märchen gelebte, selbstaufopfernde und nichts scheuende Liebe. In solch hohen Idealen sehe ich eine große Herausforderung für Paare und eine vorsichtige Infragestellung individualistischer Lebensentwürfe der einzelnen Partner*Innen. Wir leben doch in einer Spannung zwischen autonomen "Ich"-Entwürfen einerseits, und dem romantischen Liebesideal eines gemeinsamen "Wir" andererseits.

Avingarde: Im Märchen gibt es ebenfalls enorme Herausforderungen für Liebende. Oftmals werden Partner*Innen ja gerade auch im Märchen in dem, was ihre Wünsche sind, in ihrer Individualität, in ihren Träumen, von anderen nicht erkannt oder verkannt. Oder, schlimmer noch, es wird versucht, das Träumen und Verwirklichen von Träumen zu verhindern. Im Märchen ist es dann eben idealiter der Partner, oder die Partnerin, die den jeweils anderen erkennt und versteht, in seiner Liebesbedürftigkeit und seinem Lieben-Wollen annimmt. Im Märchen ist es wichtig, dass man sich sozusagen in der Seele erkennt und annimmt. Das die Voraussetzung des Märchens für das gemeinsame Glück. Ich liebe also keine ideale Paarbeziehung als Vorstellung, sondern den Partner, die Partnerin in ihrem ganzen Wesen. Im Mörchen bin ich zu tiefer Liebe fähig.

Krieg: Es gibt ja nun die unterschiedlichsten Paare und auch sich wandelne Geschlechter- und Rollenbilder. Es gibt eben auch Frau-Frau-Beziehungen und Männerpaare. Wie denkst Du über klassische Rollenbilder in den Märchen, mit Ihren festen Zuschreibungen hinsichtlich Weiblichkeit und Männlichkeit?

Avingarde: Es gibt Märchen die für mich nicht mehr stimmen. Dazu zählt für mich das Märchen "König Drosselbart". Der König und der männliche Bewerber für die Eheschließung kommen überein, der jungen Königstochter eine ordentliche Portion Demut beizubringen. Sie hatte zuvor ihren Verehrer abgelehnt. Erst dann erfülle sie die Voraussetzung für eine Ehe, in der sich die Frau nach dem Mann auszurichten habe, ihm untergeordnet. Das ist fern von meinem Liebes- und Partnerschaftsverständnis. Nur aus einer gleichberechtigten Freiheit und Individualität heraus lässt sich für mich Liebe leben und gestalten. Dieses Märchen gehört in eine vergangene Zeit.

Ich stelle gerne ein anderes Märchen gegenüber. Dieses Märchen stammt aus einer Zeit des Matriarchats auf Kreta. "Das Wasser der Unsterblichkeit" stellt eine selbstbewusste junge Tochter vor. Ihr Vater wird von seinem Bruder verhöhnt, weil er keine vier Söhne besitze, wie er, sondern nur vier Töchter. Seine Söhne könnten ihm das Wasser der Unsterblichkeit bringen, höhnt der Bruder. Die Töchter hingegen seien hierfür unbrauchbar. Sie seien lediglich vier "Samenkürbisse", die man nicht ohne Bewachung vor das Haus lassen könne. Hier reagiert die jüngste Tochter mit Lachen. Es gelingt ihr, als Mann verkleidet, das Wasser der Unsterblichkeit zu bringen. Ihre Botschaft an den Bruder des Vaters lautet: Jeder Mann ist von einer Frau geboren worden.

Krieg: Gibt es für interessierte Paare, Märchen zum Theme Liebesbeziehung und Partnerschaft, die man gelesen haben sollte? Ich habe von Dir gehört, dass es ja auch Partner*Innen geben soll, die einander abends jeweils ein Märchen vorlesen.

Avingarde: Menschen berichten mir so etwas nach Aufführungen und Märchenveranstaltungen. Wieso also es nicht gleich tun und sich die etwa 6 Bände der "Märchen aus Tausend und einer Nacht" vortragen? Dann sind da noch "Die Nixe im Teich" (Grimm), "Jorinde und Joringel" (Grimm), "Xabara am See" (Avingarde), "Das Märchen von der nie endenden Liebe" (Avingarde), "Die Schöne und das Biest" (Frankreich) oder "Der Lorbeerbaum" (Griechenland). Im Grunde genommen gibt es aber das Thema Liebe ja in allen Märchen der Welt. Gerne erwähne ich hier insbesondere griechische, türkische und keltische Märchen.

Krieg: Liebe Nana Avingarde, vielen Dank für das Gespräch!

Weitere Informationen:
http://www.einzelundpaartherapie.de

Verfasser und Verantwortlich für den Inhalt:
Ferdinand Krieg, Dipl.-Theologe. Heilpraktiker beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie. Systemische Therapie und Beratung (SG)., Ferdinand Krieg. Systemische Paartherapie und Sexualtherapie. Berlin., 13189 Berlin
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Ferdinand Krieg Dipl-Theologe Heilpraktiker beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie Systemische Therapie und Beratung SG  Ferdinand Krieg Systemische Paartherapie und Sexualtherapie Berlin 13189 Berlin Ferdinand Krieg, Dipl.-Theologe. Heilpraktiker beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie. Systemische Therapie und Beratung (SG).,
Ferdinand Krieg. Systemische Paartherapie und Sexualtherapie. Berlin., 13189 Berlin
http://www.therapeutenfinder.com/therapeuten/paartherapie-oder-paarberatung-berlin-ferdinand-krieg.html

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