Arbeitssucht- Risiken und Nebenwirkungen
02.04.2008
Ein Artikel von Florian Klampfer
Arbeitssucht – ein Fall aus der Praxis von Paartherapeut Florian Klampfer.Hilfe, mein Partner arbeitet zu viel!
Erscheint in der April-Ausgabe des Top-Magazines Berlin
Bei Sucht denken viele zuerst an Drogen wie Kokain oder Ecstasy. „Das kann mir nicht passieren. Und mit dem Alkohol kann ich jederzeit wieder aufhören.“ Immer mehr junge Menschen verfallen der so genannten Mediensucht und können sich kaum noch lösen von Fernsehen, Internet oder Computerspielen. Bei Erwachsenen weit verbreitet ist die Arbeitssucht. Betroffene Männer und Frauen bezeichnet man als „Workaholics“, was von „work“ (Arbeit) und „alcoholic“ (Alkoholiker) kommt. Vielen von ihnen ist nicht klar, ob sie „normal viel arbeiten“ oder abhängig sind. Ab wann ist man Workaholic? Und was kann der Partner oder die Partnerin tun?
Karl (44) und Lea (42) sind seit neun
Jahren ein Paar. Er ist selbständiger
Kommunikationstrainer, sie arbeitet
stundenweise in seinem Büro mit. Die
beiden haben zwei Kinder im Alter von
sieben und elf Jahren. Karl reist viel zu
Seminaren und Tagungen. Wenn er in
Berlin ist, arbeitet er viel im Büro und
gibt abends Seminare. Seine Zeit für die
Familie reduziert sich auf die Wochenenden,
was Lea frustriert. Sie beschreibt
ihn als „arbeitssüchtig“. Karl sieht das
nicht so, er „arbeite aus Leidenschaft“.
Sie widerspricht und sagt, dass er auch
am Wochenende nur über die Arbeit
redet. Er dagegen sieht darin bei einem
Selbständigen nichts Unnatürliches.
Laut Florian Klampfer ist Karl arbeitssüchtig,
wenn er neben seiner Arbeit für
Anderes keinen Platz findet. Gemeinsam
begeben sie sich auf die Suche
nach Gründen, warum er so viel arbeitet.
Hat er das Gefühl, daraus die Wertschätzung
zu ziehen, nach der er sich
sehnt und die er an anderer Stelle nicht
bekommt? Die Analyse bringt Klarheit:
Karl fühlt sich zu Hause als Gast, da Lea
alles organisiert und klare Vorstellungen
über den „Familienbetrieb“ hat. Er hat
mehrfach versucht sich einzubringen,
scheiterte aber daran, dass sie ihn oft
gestoppt hat. Er wollte beispielsweise
spontan mit dem Sohn zum Fußballplatz,
aber sie hatte gerade da einen Vorspieltermin
bei der Musikschule vereinbart,
ohne ihm das zu sagen. So gab es
mehrere missglückte Anläufe von ihm,
worauf er sich resigniert zurückzog.
Dadurch entstand ein Teufelskreis: Je
mehr er sich abkapselte, desto frustrierter
wurde sie. In der Therapie klärt Lea,
was Karl von ihr braucht, damit er ihren
Wunsch nach größerer Beteiligung
am Familienleben erfüllen kann. Und
Karl überlegt, was seine Frau braucht,
damit sie sich auf das, was er sich
wünscht, einlassen kann. Damit
Lea es schafft, auch ihre Vorstellungen
einmal zurückzustellen,
sollte sie sich klar werden darüber,
dass nicht Karl das Problem,
der Patient ist.
„Der Patient
ist die Beziehung“
Florian Klampfer empfiehlt Karl, deutliche Signale zu setzen. Lea wiederum sollte lernen, ihrem Mann mehr Platz einzuräumen, ihn mitentscheiden zu lassen. Und damit er auch mal Lust auf früheren Feierabend bekommt, sollte sie – Zitat Karl – „nicht gleich wieder meckern, sondern erstmal küssen!
Familientherapeut Florian Klampfer arbeitet in seiner
Berliner Praxis für Einzel- und Paartherapie nach dem
systemischen Ansatz. Dabei stehen Lösungen und nicht
das Problem im Mittelpunkt von Beratung und Therapie.
http://www.beratungspraxis-klampfer.de/
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