Patchworkgeschwister - Liebe unter Rivalen

Patchworkgeschwister - Liebe unter Rivalen

Patchworkgeschwister - Liebe unter Rivalen

Marianne und Georg haben sich vor 2 Jahren über das Internet kennengelernt. Sie sind beide alleinerziehend mit 2 Kindern und wohnen ca. 30 km auseinander.

Im Laufe vieler Treffen ohne Kinder haben sie sich kennen und lieben gelernt. Ihr größter Wunsch ist es, zusammenzuziehen. Doch ihre Kinder machen ihnen das Leben schwer.

Mariannes Kinder, Felix 12 und Katja 8, hatten von Anfang an keine Lust, ihre neuen ‚Geschwister‘ überhaupt nur zu sehen. Georgs Kinder, Christian 10 und Tobias 8, waren zu Beginn neugierig und hatten Lust auf neue ‚Spielkameraden‘. Mittlerweile haben sie diese aber ebenfalls verloren.

Marianne arbeitet halbtags und achtet sehr darauf, dass ihre Kinder nicht zu kurz kommen. Sie verbringt viel Zeit mit ihnen und unterstützt sie, wo sie kann. Vor 5 Jahren hat sie sich bereits von ihrem jetzigen Exmann getrennt. Die Kinder sehen ihren Vater regelmäßig alle zwei Wochen.

Georg lebt mit seinen Kindern seit 3 Jahren alleine. Seit der Trennung von seiner Exfrau hat er seine Arbeitszeit reduziert und versorgt Haus und Kinder. Seine Mutter hilft ihm dabei. Er ist allein für die Kinder verantwortlich, da seine Exfrau aus gesundheitlichen Gründen sich nicht mehr um die Kinder kümmern kann. Die Kinder sehen ihre Mutter in unregelmäßigen Abständen.

Altes beenden, Neues beginnen!

Nach diesem Motto hat Marianne ihre Liebesbeziehung zu ihrem Exmann beendet und sich sehr bemüht um eine ‚Elternebene‘, die nun auch halbwegs funktioniert. Es war ein langer, emotional schwieriger Prozess.  Aber sie ist sich darüber bewusst, dass dieser notwendig war, um sich offen auf eine neue Liebesbeziehung einlassen zu können.

 Ihre Kinder dagegen können, wollen und sollen ja auch ihren Vater nicht loslassen und hängen noch sehr an der Vorstellung der alten Familie. Sie haben in ihren Köpfen noch viele Bilder von Mama und Papa und die Hoffnung, dass sie wieder alle als Familie zusammen sind. Tatsächlich unternehmen sie auch ab und zu noch etwas zu viert, weil die Kinder es sich so doll wünschen. Ansonsten haben Felix und Katja sich damit abgefunden, dass der Alltag bei der Mutter stattfindet, sie für einzelne Dinge mit verantwortlich sind und am Wochenende bei ihrem Vater das Leben einfach anders aussieht. Sie sehen keinen Grund, diese Ordnung jetzt aufzugeben und sich für neue ‚Geschwister‘ zu interessieren. In ihrem Kopf existiert die ‚heile‘ Familie noch.

Georg hat mit seiner Exfrau und den Kindern schwere Zeiten hinter sich. Nach der Trennung und der psychischen Krankheit seiner Exfrau hat er sehr intensiv mit seinen Kindern die Zeit verbracht. Sie waren alle traurig, haben viel zusammen geweint und die nicht mehr existente heile Familie betrauert. Jetzt sind alle froh, dass was Neues passiert und neue Prinzipien und Menschen das Familienleben bereichern werden. Für Christian und Tobias ist die Mutter weiterhin sehr wichtig und sie fühlen sich ihr sehr nahe. Aber das Familienleben von früher wird es nie mehr geben. Das ist ihnen klar. Das haben sie gemeinsam beendet.

Jedes Kind ist anders, jede Beziehung auch!

Ausgangspunkt für eine Patchworkfamilie ist die Liebe der neuen Partner. Sie steht im Mittelpunkt und soll sich entfalten. Der Wunsch nach einem gemeinsamen Leben, in dem die Familie mehr ist als die Summe ihrer Familienmitglieder geht vom Patchworkpaar aus, nicht immer auch von den Kindern.

Kinder sehen in der neuen Partnerschaft oftmals erst die Belastungen, die Einschränkungen und die weniger werdende Aufmerksamkeit. Ihr sicher geglaubter Platz an der Seite der Mutter oder des Vaters gerät ins Wanken und muss gegen ‚fremde Eindringlinge‘ verteidigt werden.

Georg und Marianne versuchen, ihre Familie auf einer stabilen Grundlage zu bauen. D.h. jeder ‚Beziehungs-Baustein‘ muss genau angesehen, verstanden und platziert werden. Das erfordert Zeit, Geduld und eine Menge Einsatz. Der eine ‚Beziehungsbaustein‘ muss locker herausnehmbar und wandelbar sein, der andere mit Samthandschuhen angefasst werden und noch ein anderer braucht einen klaren und übersichtlichen Platz. Jedes Kind ist anders, auch in einer klassischen Familie. Und auch jede Beziehung zu jedem einzelnen Kind ist unterschiedlich. Georg mag z.B. Katja sehr gerne, weil er selbst keine Tochter hat und manchmal Väter mit Töchtern sehr beneidet hat. Katja weckt (unbewusst) Hoffnung in ihm, nun auch ein Vater-Tochter-Verhältnis führen zu können. Andererseits will Katja aber keinen neuen Vater,  weil sie bereits einen hat. Sie findet Georg zwar nett, will sich aber nicht wirklich mit ihm oder auf ihn einlassen.  Erst als Georg das versteht und ihr deutlich macht, dass er ihren Vater akzeptiert und respektiert, kommt die Frage auf, wie denn ihre Beziehung aussehen könnte. Die Bezeichnung ‚der neue Mann meiner Mutter‘ blendet die konkrete Beziehung, die Georg und Katja miteinander haben, aus. Marianne ist das Bindeglied. Es geht aber um Georg und Katja.  Also, wie wäre die Bezeichnung ‚väterlicher Freund‘? Oder sowas wie ein ‚Patenonkel‘, mit dem man nicht verwandt ist? Was heißt das für Georg? Was heißt das für Katja?

Man kann nicht alle gleich lieben!

Schwierig wird es in Situationen, in denen die Erwachsenen das Gefühl haben, mit der ‚Art der Kinder‘ nicht klar zu kommen. Marianne hat z.B. Schwierigkeiten mit Tobias Dreistigkeit und Rücksichtslosigkeit. Er sei ‚vom Charakter her egoistisch und gierig‘. All ihre gut gemeinten Annäherungsversuche fruchten bei ihm nicht. Ebenso hakt es total bei Georg und Felix. Felix ist der Älteste und will nichts von Georg und seinen Kindern wissen. Georg findet ihn ‚destruktiv und unsozial‘. Es hat lange gedauert, bis Georg sich eingestehen musste, dass sein Wohlwollen allein für ein harmonisches Verhältnis nicht ausreicht. Er muss sich von seinem Anspruch verabschieden, seine Stiefkinder wie seine eigenen zu lieben. Das funktioniert nicht. Es ist eine andere Art der Beziehung und auch der Liebe. Georg kann noch nicht mal sagen, dass er seine Stiefkinder überhaupt liebt. Er fühlt sich mit für sie verantwortlich, aber lieben? Das wäre zu viel und zu nahe. Für die Kinder ist es eine Erleichterung, dass er das so offen sagen kann. Denn für sie ist es ja genauso. Sie können ihn evtl. akzeptieren und respektieren als neues Familienmitglied, aber nicht als neuen Vater lieben.

In den abendlichen Gesprächen von Marianne und Georg schaffen sie es längst nicht immer, sich entspannt über ihre Kinder und die ganze Situation zu unterhalten. Im Gegenteil, oft sind die Kinder und ihr Verhalten Auslöser für Konflikte, die ihre doch gerade wachsende Liebesbeziehung existentiell bedrohen. Jeder ergreift Partei für seine Kinder und kann Kritik an den eigenen Kindern kaum ertragen. Es fühlt sich an wie ein Angriff auf die eigene Person. Ein wichtiger Schritt und eine echte Hilfe zur Entflechtung des ganzen Beziehungswirrwarr ist dabei immer der Blick auf sich selbst. Wieso bringt mich das Verhalten von Felix so auf die Palme? Welchen Punkt trifft er bei mir? Wie war ich als 12jähriger? Was macht er, was ich nicht leiden kann? Musste ich immer sozial und konstruktiv sein? Wäre ich vielleicht auch gerne mal destruktiv und unsozial gewesen? Diese Reise in die eigene Seele bringt einen oft aus der unerträglichen Situation heraus. Nicht direkt zu einem harmonischen Verhältnis zum Stiefkind, aber vielleicht ist es ein erster Schritt zu einer ehrlichen, authentischen Beziehung.

Gerechtigkeit heißt jedem gerecht werden!

‚Das ist aber ungerecht!‘ ist ein häufiger Satz eines Kindes in der Patchworkfamilie. Der genauso alte Patchworkbruder bekommt ein Handy, Katja aber nicht. Gerechtigkeit heißt in der Patchworkfamilie nicht, alle gleich zu behandeln, sondern jedem gerecht zu werden. Tobias hat einen weiteren Schulweg und ist nachmittags öfter mal allein auf sich gestellt. Da ist ein Handy sinnvoll und wichtig. Katja dagegen wird von der Schule abgeholt und hat eigentlich immer die Möglichkeit, vom Festnetz aus zu telefonieren. Sie braucht kein Handy.

Nach einigem Murren versteht selbst Katja die Gründe für die unterschiedliche Behandlung. Mariannes Versprechen, dass auch genau geprüft wird, was sie braucht, lässt sogar Vorfreude entstehen und setzt einen Gedankenprozess bei Katja in Gang, bei dem sie sich immer an dem erklärten Maßstab orientiert. Sie überlegt sich Begründungen, wie sie ihre Eltern überzeugen kann, dass eine wii sinnvoll für sie ist, eine neue Uhr unabdingbar und die roten Turnschuhe lebenswichtig sind. Mit den Turnschuhen hat sie Erfolg.

Konkurrenz als Chance

Gerade wenn die Kinder alle im gleichen Alter sind, sorgt Konkurrenz und Rivalität für ständigen Zündstoff. Es wird gerungen um Zuwendung, Aufmerksamkeit, Anerkennung, Rechte  und Liebe.

Christian ist jetzt 10 und war immer der Älteste. Sein kleiner Bruder kann zwar besser malen als er und ist auch in Mathe besser als er es mit 8 war, aber in den meisten Bereichen fühlt er sich seinem kleinen Bruder überlegen und schöpft daraus sein Selbstvertrauen. Jetzt soll er im gleichen Haus mit Felix zusammenleben, der 2 Jahre älter ist als er. Felix ist jetzt der Große, ihm gegenüber fühlt er sich unerfahren und uncool. Felix kommt aus der Stadt, hat ganz andere Klamotten als er, hört andere Musik und spielt den ganzen Tag Computer. Christian kennt sich kaum mit Computer und MP3-Playern aus, will also lieber nichts mit dem ‚Angeber‘ zu tun haben.

Marianne und Georg haben sich darauf geeinigt, dass sie die Kinder alleine ihren Platz finden lassen. Sie müssen miteinander klar kommen, sie müssen keine Freunde werden.

Bei den ersten gemeinsamen Wochenenden saßen Felix und Christian nur schweigend in jeweils einer anderen Ecke. Erst beim dritten Treffen haben sie angefangen, miteinander zu reden. Es war schwer für Marianne und Georg, das auszuhalten. Jetzt gibt es immer häufiger Streit. Sie schreien sich an und beschimpfen sich.  Marianne und Georg wurde dabei schnell klar, dass sie aufpassen müssen, nicht auf diese Streitereien einzugehen. Die Kinder brauchen den Streit, um sich kennenzulernen und sich zusammenzuraufen. Sie müssen ihren Platz behaupten und erkämpfen. Sie rivalisieren stark miteinander und müssen einen Umgang mit der Konkurrenz finden. Marianne und Georg haben eine andere Form gefunden. Kinder brauchen den Boxkampf. Das einzige, was Eltern dabei für ihre Kinder tun können, ist im Vorfeld mit ihnen Regeln abzusprechen. Boxen müssen die Kinder dann alleine.

Konkurrenz gibt es immer und überall, wo Menschen zusammen sind. In der Familie, in der Schule, unter Freunden, in beruflichen Zusammenhängen. Die gesteigerte Konkurrenz in der Patchworkfamilie befähigt Kinder oftmals, spätere Situation gut zu meistern. Sie lernen, sich zu behaupten, sich anzupassen, sich unterzuordnen, etc. Sie werden mit den Schlüsselqualifikationen der Zukunft ausgerüstet.

Vielfalt statt ‚Einer kann gewinnen!‘

Neben der klassischen Geschwisterrivalität kommen in der Patchworkfamilie unterschiedliche Familienprinzipien zusammen, die miteinander konkurrieren. In jeder Familie gibt es implizite ‚Selbstverständlichkeiten‘, die sich im Laufe der Zeit entwickelt haben. Diese zeigen sich im Alltagsablauf, in der Erziehung, im Umgang miteinander und fallen erst auf, wenn jemand anderes (z.B. ein neuer Partner) eine andere Sichtweise hereinbringt, ein anderes Familienmuster oder eine andere Selbstverständlichkeit. Marianne und Georg merken z.B. dass sie einen anderen Umgang mit Belohnungen und Enttäuschungen der Kinder haben. Insbesondere Mariannes Exmann hat immer vieles mit Geschenken geregelt. Sobald etwas nicht funktionierte, wie die Kinder es erwarteten, wurden sie dafür ‚entschädigt‘, d.h. sie bekamen etwas zum Trost. Das versprochene Eisessen musste wegen eines beruflichen Termins ausfallen? Zum Trost gab es eine neue Barbie und ein Auto. Der Vater ist zu spät? Dann gibt es mindestens Fussballbildchen. Georg und seine Exfrau hatten rein finanziell gar nicht die Möglichkeiten und haben nie damit angefangen, Entschädigungen zu zahlen. Es war selbstverständlich, dass man Verständnis haben musste, wenn es Planänderungen gab. Die gab es wegen der Krankheit der Exfrau leider sehr oft.

Unterschiedliche Umgangsweisen und Muster sind nicht zu vermeiden und sind auch nicht schlimm. Im Gegenteil, die Kinder lernen eine Vielfalt kennen und schätzen, wenn die Erwachsenen es schaffen, diese Unterschiedlichkeit auch nebeneinander stehen zu lassen und wertzuschätzen.

Marianne und Georg haben es schon oft gemerkt, dass sie die Streitereien der Kinder zum Anlass nehmen, ihre eigenen Prinzipien zu verteidigen und damit den Kindern einen verschärften Konkurrenzkampf vorführen. Die Kunst ist es nach wie vor, den Kindern ihre Konkurrenzgerangel zu lassen und selbst nicht mit drauf einzusteigen und die eigene Konkurrenz mit drauf zusetzen, nach dem Motto: ‚Mein Prinzip ist besser als deins!‘.

Koalieren statt konkurrieren!

Marianne und Georg ist aufgefallen, dass sie, obwohl sie sich bemühen, jedes Kind einzeln wahrzunehmen und zu verstehen, in letzter Zeit sehr oft sagen: ‚Die Kinder sind so laut!‘ oder ‚Die Kinder bestimmen heute, was gemacht wird!‘. Auch von Seiten der Kinder wird oft von ‚Erwachsenenkram‘ oder ‚Elternidee‘ gesprochen. D.h. dadurch, dass jeder einzeln gesehen wird, ergeben sich neue Koalitionen. Die einzelnen ‚Familienlager‘ (Mariannes Familie, Georgs Familie) werden zugunsten einer neuen, klassischen Familienordnung (Erwachsene, Kinder) aufgeweicht.

In solchen Momenten wird spürbar, dass eine Patchworkfamilie tatsächlich mehr ist als die Summe der Familienmitglieder. Marianne und ihre Kinder lassen hin und wieder ihr altes Familienlager aufleben, ebenso wie Georg und seine Kinder. Daneben gewinnt aber eine neue Ordnung an Selbstverständlichkeit.

Die Vielfalt, die ständige Wandlung und die permanente Herausforderung macht das Leben intensiver, lebendiger und gelassener.

Es ist anstrengend, aber seitdem Marianne und Georg begriffen haben, dass sie selbst noch soviel über sich lernen können, und wie spannend es ist, ihre Kinder miteinander zu beobachten, können sie die ganzen Probleme, Streits und Konflikte gelassener angehen. Sie gehören dazu und dürfen sein.

Weitere Informationen:
http://patchworkfamilien.com

Verfasser und Verantwortlich für den Inhalt:
Dipl.Psych., Katharina Grünewald, Diplom-Psychologe, Therapeutin (WGI), Beratung für die Patchworkfamilie, 50931 Köln
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DiplPsych Katharina Grünewald Diplom-Psychologe Therapeutin WGI  Beratung für die Patchworkfamilie 50931 Köln Dipl.Psych., Katharina Grünewald, Diplom-Psychologe, Therapeutin (WGI),
Beratung für die Patchworkfamilie, 50931 Köln
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