Positive Psychologie

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Zu Beginn des neuen Jahrtausends stellte der Psychologe David Myers fest, dass sich die Psychologie in der Vergangenheit eindeutig den dunklen Gefühlen der Seele verschrieben hatte. Zwischen 1887 und 1999 erschienen ungefähr 170.000 Artikel zu negativen Gefühlen wie Angst, Ärger oder Depression. Glück, Freude und Zufriedenheit brachten es nur auf etwa 12.000 Beiträge. Höchste Zeit also für Psychologen, das Phänomen Glück näher zu untersuchen.

Siegeszug der guten Gefühle

Zeit für gute Gefühle

Glück als Heilmittel. Immer mehr Psychologen bemühen sich, dieses Wohlgefühl gezielt zu erzeugen, um es in der therapeutischen Praxis anzuwenden. Und das ist auch dringend notwendig. Allein in Deutschland leiden laut Schätzungen vier bis fünf Millionen Menschen an Depressionen. Eines der besten Gegenmittel gegen schwere Formen dieser Krankheit ist häufiges Glücksempfinden.

Ein weiterer Grund für das Erforschen der positiven Gefühle ist die Erkenntnis, dass die Menschen in der sogenannten "Ersten Welt" (also in den wohlhabenden Industrienationen) nicht glücklicher sind als vor einigen Jahrzehnten. Und das, obwohl sie so reich sind und so gesund und sicher leben wie niemals zuvor.

Es stellte sich zudem heraus, dass Glück einfach gut tut. Menschen, die sich glücklich fühlen, haben stabilere soziale Beziehungen, sind gesünder, leben länger, arbeiten effizienter und sind im Beruf erfolgreicher. Sie sind aktiver, hilfsbereiter und werden von ihrem Umfeld als Menschen voller Energie wahrgenommen.

Wohlstand beendet nicht die Suche nach dem Glück

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Glückstraining

Seit Ende der 1990er Jahre haben die guten Gefühle einen eigenen Forschungszweig: die positive Psychologie. Einer ihrer wichtigsten Vertreter, der amerikanische Psychologe Martin Seligman, erklärt in der Zeitschrift "Psychologie heute": "Bei der positiven Psychologie geht es nicht darum, Schäden zu begrenzen - und von minus acht auf minus zwei der Befindlichkeitsskala zu kommen. Sondern wie wir uns von plus zwei auf plus fünf verbessern können."

Die positiven Psychologen wollen ihre Patienten nicht dazu bewegen, schwierige Lebenssituationen in Gesprächen wieder und wieder zu durchleiden. Sie haben ein Trainingsprogramm erstellt, um positive Gefühle zu erzeugen. In diesem sollen Patienten intensiv ihre persönlichen Stärken anwenden, jeden Abend drei schöne Erlebnisse des Tages aufschreiben, sich vorstellen, welche erfreulichen Dinge in einem Nachruf auf sie selbst unbedingt verlesen werden müssten und schöne Beschäftigungen ohne Stress durchleben. Diese Übungen erprobte Seligman an einer - allerdings sehr kleinen Experimentalgruppe - mit Erfolg: Zwölf klinisch depressive Patienten zeigten nach 14 Sitzungen deutlich geringere Depressionswerte als eine Kontrollgruppe, in der exzessiv die negativen Gedanken besprochen wurden.

Extremsportler im Flow

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Leben im Fluss

Ein Vordenker der positiven Psychologie ist der Psychologe Mihaly Csikszentmihalyi. Bereits 1975 beobachtete er, wann intensive Glücksgefühle entstehen. Er fand Folgendes heraus: Wenn ein Mensch mit seiner Tätigkeit verschmilzt, dabei die Zeit und sich selbst vergisst und ein Gleichgewicht zwischen der äußeren Anforderung und seinen persönlichen Fähigkeiten besteht, befindet er sich im sogenannten "Flow". In diesem Zustand fühlt sich der Mensch glücklich, losgelöst von allen Problemen.

"Flow" tritt jedoch erst auf, wenn sowohl die Anforderungen als auch die Kompetenzen überdurchschnittlich hoch sind. Ist die Anforderung hoch, die Kompetenz hingegen unterdurchschnittlich, sind Ängste die Folge. Bei umgekehrten Voraussetzungen entsteht Erholung. Wenn sowohl Anforderung als auch Kompetenz unter dem Durchschnitt liegen, gerät der Mensch in Apathie.

Aus diesen Erkenntnissen forderte Csikszentmihalyi, "die Gesamtheit des Lebens" neu zu strukturieren. Die gesamte Lebenswelt sei so zu organisieren, dass Menschen immer wieder vor neuen Herausforderungen stehen, die ihre Fähigkeiten aber nicht beängstigend überfordern. Der "Flow" kann überall entstehen: bei der Arbeit, bei Computerspielen wenn der nächste Level erreicht wird, aber auch bei kriminellen Handlungen, wenn Diebe immer neue Schlösser knacken. Extremsportler suchen den "Flow" beim Freeclimbing, beim Marathon oder beim Tiefseetauchen.

Extrovertierte Menschen haben einen Glücksvorteil

Persönlichkeit des Glücks

Eine weitere wichtige Forschungsfrage der positiven Psychologie ist, welche Charaktereigenschaften glücksfördernd und glückshemmend sind. Extrovertierte Menschen stehen häufig im Mittelpunkt, scheinen oft fröhlicher und lebensbejahender zu sein. Für sie ist das Glas immer halb voll. Ob diese Charaktereigenschaft auch zu mehr Glück führt, haben Paul T. Costa undRobert R. McCrae in den 1980er Jahren erforscht. Die Wissenschaftler untersuchten die Effekte von 137 Persönlichkeitseigenschaften auf das subjektive Wohlempfinden und stellten fest, dass gesellige Menschen, die gerne aus sich herausgehen, auch besonders glücklich waren. Neurotische Charaktere, also Menschen, die leicht nervös werden und sehr nachdenklich sind, standen am anderen Ende der Glücksskala.

Weitere Eigenschaften, die nach wissenschaftlichen Forschungen das Wohlbefinden heben, sind Gewissenhaftigkeit, Durchhaltevermögen auch bei schwierigen Aufgaben, das Leben in der Gegenwart und ein positives Selbstbild. Glückspsychologen versuchen, diese Eigenschaften bei ihren Patienten zu unterstützen und zu stärken.

(Quelle: Planet Wissen, Monika Sax, Stand vom 13.12.2013)

Weitere Informationen:
http://www.planet-wissen.de/alltag_gesundheit/psychologie/glueck/positive_psychologie.jsp

Verfasser und Verantwortlich für den Inhalt:
Susanne Körner, zertif. wingwave®- u. work-health-balance Coach, Heilpraktiker Psychotherapie, zertif. Hypnosetherapeutin und Systemischer Coach, wingwave®- und work-health-balance Coaching, Hamburg, 20146 Hamburg
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