Edith Kramer – Pionierin der Kunsttherapie: Wien. New York. Grundlsee. Kunst-, Mal- und Gestaltungstherapie in Österreic

Edith Kramer – Pionierin der Kunsttherapie: Wien. New York. Grundlsee. Kunst-, Mal- und Gestaltungstherapie in Österreic

  M.A.C. College - Multimodale Kunsttherapie

 1.   Die Entstehung, Gründung und Etablierung des Colleges

Aus dem Persönlichen Blickwinkel von Alexander Eggenhofer

Die Idee und die Vision zur Gründung dieser Schule liegen wie so oft persönlichen Erfahrungen, Erlebnissen und Ausbildungen meiner Person zugrunde. Von meinem Großvater, der ein passionierter Maler war lernte ich schon als kleines Kind die Welt der Bilder kennen und lieben. Während meiner Schulzeit und Pubertät half mir die visuelle und geschriebene Kunst meine Lebenserfahrungen und Eindrücke der Welt zu verarbeiten und auszudrücken. Eine Grundausbildung in der Logotherapie und Existenzanalyse nach Viktor Frankl führten mich als jungen Erwachsenen in die Philosophie (Phänomenologie) und die Möglichkeiten und Wirkungsweisen der Therapie ein. Neben dem Studium der Publizistik und Kommunikationswissenschaften absolvierte ich systemische und kommunikative Aus- und Fortbildungen. Die Kunst begleitete mich durch Seminare bei Künstlern wie dem Philosophen und abstrakt-kontemplativen Maler Prof. Paul Zwietnig-Rotterdam und einem kurzen Besuch auf der Akademie der bildenden Künste immer wieder. Ich begann Malkurse abzuhalten, in denen ich durch die persönlichen Anliegen mancher TeilnehmerInnen erkannte, welche Bedeutung eine Kombination der sprachlich orientierten Coachingmethoden und der Ausdrucksformen der Künste zukommt.

Eine Teilnehmerin, die an einem solchen künstlerisch orientierten Malkurs war tat es sehr gut die Ihre Emotionen bezüglich ihrer Mutter die schwer krank im Spital zu dieser Zeit war auf die Leinwand zu bringen und auch Möglichkeiten zu finden wie sie mit dieser Situation umgeht. Diese Erfahrungen mit Teilnehmerinnen führten dazu den künstlerisch ästhetischen Ausdruck mit der Kunst der Beratung zu verbinden. Es wurde mir ein Anliegen meine beiden Interessensströme, die Beratung, Therapie, Begleitung und die Künste durch eine kunsttherapeutische universitäre Ausbildung bei der European Graduate School (EGS) in der Schweiz zusammen zu führen. Es erfolgte die Gründung der Ausbildungseinrichtung M.A.C. College mit dem Ziel Personen in der multimodalen Kunst- und Ausdruckstherapie auszubilden und in weiterer Folge eine Kooperation mit der Gesundheitswerkstatt. Das Ausbildungskonzept basiert auf den Grundlagen der intermodalen Kunst- und Ausdruckstherapie - Expressive Art Therapy nach Margo und Paolo J. Knill. Im Mai 2005 startete der erste Ausbildungslehrgang in Wien und Wiener Neustadt.

Die Welt zu durchschauen,

sie zu erklären,

sie zu verachten,

mag großer Denker Sache sein.

Mir aber liegt einzig daran,

die Welt lieben zu können,

sie nicht zu verachten,

sie und mich nicht zu hassen,

sie und mich

und alle Wesen

mit Liebe und Bewunderung

und Ehrfurcht betrachten zu können.

 Siddhartha (Hermann Hesse Suhrkamp Verlag, 1974)

Der Ansatz und die Vision des Colleges

Die Vision des Colleges ist Personen auszubilden, die mit der Kunst sowohl die Schönheit, die Freude und die Liebe zum Leben neu erkennen als auch Lösungsmöglichkeiten und Formen des Umgangs für Ihre Anliegen und Probleme durch die Künste entwickeln und umsetzen.

Wenn Klienten mit einem Anliegen kommen, dann vergessen wir oft, dass diese die wahren Experten des Anliegens sind. Denn bevor sich manche in die Therapie/Beratungsprozess begeben, haben sie Ihr Problem wohl eingehend analysiert und studiert! Daher ist statt einer Konzentrierung auf die bisherigen Sicht- und Vorgehensweisen eine Dezentrierung notwendig. Seit vielen Jahren zeigen Psychologen auf, dass ein schöpferisches und produktives Denken ein Zurücktreten und Loslassen von festgefahrenen Strukturen voraussetzt. Dies führt vorübergehend zu Unsicherheiten und Unbekanntem. In dieser Unordnung können andere Dinge sichtbar werden und Neues entstehen. Dies beschreibt den Weg vom vorübergehenden Chaos zur neu entstanden Ordnung.

Eine humorvolle Karikatur, die Paolo Knill in seinem Buch „Lösungskunst“ verwendet bringt es sehr gut auf den Punkt. Zwei Manager laufen in Panik auf zwei nebeneinander liegenden Schienen vor einem hinter Ihnen herannahenden Zug davon und rufen sich laut zu: „Wenn nicht bald eine Weiche kommt, sind wir verloren!“ Die Idee, dass beide von den vorgegebenen Schienen leicht abweichen könnten, um in nicht vorgegebene Wege der Natur auszuweichen fällt ihnen nicht ein.

Die Frage, wie wir noch schneller vor dem Zug weglaufen können versperrt oft den Blick auf neue unkonventionelle Sichtweisen. Die Kunst mit Ihrem Charakteristikum des Überraschendem, Neuen und Unkonventionellen zeigt uns diese neuen Lösungsmöglichkeiten auf. Als Künstler stehen wir immer wieder vor dem Neuen und Unbekannten; einer weißen Leinwand, einem stillen Raum oder einem leeren Blatt Papier. Dies ist eine der großen Potentiale der Kunst, die für die Therapie nutzbar gemacht werden können. Bei unserem Ansatz geht es darum, wie Personen aus ihren vergessenen Ressourcen Gebrauch machen können, um Lösungen zu finden.

Unsere Aus– und Weiterbildung basiert auf dem systemischen und dem kunst– und lösungsorientierten Ansatz! Die AusbildungskandidatInnen lernen über die künstlerischen Medien und aus den daraus entstandenen Werken Lösungen für die Klienten abzuleiten! Dabei geht es um das Betrachten des Anliegens aus verschiedenen Blickwinkeln und um die Findung neuer Perspektiven und Lösungen! Der systemische Ansatz bringt Licht in die vielfältigen Verstrickungen und Beziehungsabläufe und gibt gemeinsam mit der Kunst Ideen für neue Handlungsweisen, die aus den Ressourcen des Einzelnen entspringen. Der Perspektivenwechsel und die Betrachtung des Anliegens aus verschiedenen Blickwinkeln sind die zentralen Merkmale dieses Ansatzes.

Theorie und Praxis des Ausbildungskonzeptes basieren auf der Zusammenarbeit mit der European Graduate School EGS in der Schweiz und deren Forschungsergebnissen, die seit mehr als 30 Jahren auf der Lesley University, Cambridge USA, und an der EGS gemacht werden. Prof. Dr. Margo, Ph.D und Prof. Dr. h.c. Paolo J. Knill, Ph.D, Gründer und wissenschaftlicher Berater dieser Schule, hat dieses Konzept stark mitgeprägt.

Bei unserem Verständnis geht es darum, den Menschen als ganzheitliches, nicht nur physisches und psychisches, sondern auch als schöpferisches und spirituelles Wesen zu betrachten und ihn in seiner Verbundenheit mit der allgegenwärtigen Lebenskraft und Liebe zu stärken, sowie ihm zu helfen, durch Kreativität und Kunst weitere Dimensionen und neue Sichtweisen zu erlangen. Es ist ein Weg der Freude, der Liebe und der Selbsterkenntnis. Künstlerisches Tun und Kreativität ist dem Menschen eigen und angeboren! Dies wird beim Spielen der Kinder sichtbar, durch das sie die Welt erfahren, wahrnehmen und begreifen lernen; neue Handlungen spielerisch erproben und Zusammenhänge wahrnehmen.

Das schöpferische Gestalten erhält gesund und trägt zum Wohlbefinden bei. Die Kunst bereitet den Boden für das Leben und ist der Balsam für die Seele! Durch das künstlerische Tun begegnen wir uns selbst und lernen uns und den anderen besser kennen. Der Teilnehmer lernt die Dinge mit neuen Augen zu sehen und verwendet seine Ressourcen für interessante, neue und realisierbare Lösungen. Die Kunst gibt dazu die not-wendigen Inputs und Ideen für die neuen Handlungsweisen. Dadurch werden die schwierigen Situationen und Probleme in einem anderen Licht gesehen und neue Lösungen werden gefunden und erlebt. Die Kunst regt in sich dazu an kreative und neue Problemlösungen zu finden, sie kann eben verunsichern, irritieren und auf jeden Fall überraschen. Der Zugang zu dieser Ästhetik, dieser Lehre des sinnlich Wahrnehmbaren, ist jedem eigen und vermittelt darüber hinaus Spaß und Freude am künstlerischen Gestalten. Das künstlerische Tun fördert die Suche nach den eigenen Ressourcen. Das künstlerische Handeln ist eine eigene Sprache, die inspiriert und durch diese neue Sprache werden daher auch neue, auch ungewöhnliche Perspektiven und Wege sichtbar und erlebbar gemacht. Der künstlerische Prozess dient als Modell für den Umgang mit Hindernissen und Überraschendem!

Diese Ausbildung richtet sich an Menschen, die bereit sind, die Herausforderungen anzunehmen und Ihre Kreativität, ihr künstlerisches Tun, ihre methodischen und sozialen Kompetenzen in unterschiedlichen Organisationen und sozialen Berufen als in geriatrischen, kirchlichen (Seelsorge, Jugendarbeit) und gesundheitlichen Bereichen einsetzen wollen.

„(…) Kunst – egal welche – ist für ein gelungenes Leben absolut notwendig. Kunstbetrachtung hilft uns, über Konventionen hinwegzugehen. Sie bringt innere Bilder zum Klingen, hilft, uns auf unbekanntes Terrain zu wagen. Wenn Sie wollen, ist das eine Art Prophylaxe. Ich gehöre nicht zu denen, die meinen, Kunsttherapie solle nur klinisch angewandt werden. Das scheint mir so, als würde man erst mit der Rettung beginnen, wenn es zu spät ist. Deshalb mein Rat: Tun Sie was sie besonders gern mögen. Gehen Sie ins Museum, hören Sie Musik, tanzen Sie. Geben Sie Ihren Sinnen eine Chance!“ (Peter Sinapius, 2014)

Das Welt- und Menschenbild

Die kunstanaloge Haltung und das systemische Weltbild prägen unsere Ausbildung. Die Begegnung und die Beziehung basiert auf der dialogischen, der ressourcenorientierten, der empathischen und der phänomenologischen Haltung  mit den zentralen Fragen nach dem was und wie es sich zeigt. Dieses Weltbild geht davon aus, dass der Mensch in sich alle Lösungen bereit hat und es um das Aufzeigen dieser Ressourcen als Mittel geht. Der intuitive, spirituelle und ganzheitliche Zugang spielt dabei ebenso eine wesentliche Rolle! Durch die die Methode der „Intermodalen Dezentrierung“ -IDEC© ist ein Abwenden vom Problem und ein Hinwenden zur Kunst mit seinen neuen Möglichkeiten und Sichtweisen gegeben. Die Lösungen in und durch die Kunst werden mit der nachfolgenden ästhetischen Analyse gefunden. Daher dient die Kunst nicht als Illustrations– oder Visualisierungswerkzeug, sondern schafft durch das künstlerische Handeln ein Kunstwerk, welches neue Lösungsmöglichkeiten aufzeigt.

Im künstlerischen Tun erlebt die Person eine alternative Wirklichkeit in der neue ungeahnte Ressourcen und Handlungsmöglichkeiten erlebt werden können. Der Transfer dieser Erfahrung in die Alltagsrealität ist schließlich das lösungsorientierte Vorgehen dieser künstlerischen – multimodalen Methode.

 Prof. Peter Sinapius, Ph.D., Dozent beim Masterstudiengang Intermediale Kunsttherapie auf der MSH Medical School Hamburg beschreibt diese andere Wirklichkeit der Kunst in dem folgenden Interviewauszug sehr treffend:

„In der Kunst kann ich Erfahrungen machen, die mir sonst verwehrt bleiben. Ich sehe Dinge, die es so in meinem Leben nicht gibt. Vor allem sehe ich Farben, Formen , Kompositionen. „Was kommt mir da entgegen?“, frage ich mich vielleicht vor einem Bild. „Wieso sticht mir dieses Gelb so in die Augen?“ Das mache ich mir als Kunsttherapeut zunutze. Mit den Sinnen wahrzunehmen kann jeder. Selbst Menschen mit schwerer Demenz sind noch über sinnliche  Eindrücke erreichbar. Konkret arbeite ich in einem imaginärten Raum, der sich von der Realität vollkommen unterscheidet. Ich bezeichne ihn als Probebühne. Hier werden ästhetische Erfahrungen wichtig, wie der Klang meiner Stimme und der Stimme meines Gegenübers, die Choreografie unserer Mimik und Gestik. Natürlich kommt auch Kunst zum Einsatz. Auf der therapeutischen Bühne können Lösungen geprobt werden, die im Alltag nicht denkbar sind. Und auf die wir nicht durch Reden kommen oder durch das Analysieren von Problemen, sondern durch das kreative Spiel. (Peter Sinapius, 2014)

 Die Begegnung und der künstlerische Prozess lässt Raum für Unvorhergesehenes, Unvermittelbares und Überraschendes. Dieses „Dritte“ oder „Überraschendes“ eröffnet Raum für Neues und Werdendes. Der Kunsttherapeut und der Klient begegnen sich nicht als gleiche, aber doch gleichwertige Partner, die im kunstorientierten Prozess und künstlerischen Tun etwas Drittes erschaffen, ein Bild, ein Musik- oder Theaterstück, eine Geschichte, einen Tanz. Dieses vom Klienten und Therapeuten geschaffene „Werk“ verändert die am Prozess Beteiligten wiederum. In der Begegnung mit dem Kunstwerk kann „Neues“ sichtbar werden und neue Lösungsansätze verstehbar werden. Durch die Sichtweise, dass das Kunstwerk eigenständig und autonom ist geschieht ein neuer Dialog zwischen den Beteiligten, wodurch neue Perspektiven sich eröffnen und Handlungsspielräume größer werden. Das Kunstwerk dient auch als Rahmen und Struktur für den freien künstlerischen Ausdruck und gibt somit auch Sicherheit und Vertrauen.

„Dieser lösungsorientierte Ansatz kommt aus den USA. Er wurde in den 1960er Jahren unter dem Begriff Expressive Arts Therapy bekannt. Im Kern geht es darum, durch Kunst Veränderungen anzustoßen, und zwar quer durch alle Disziplinen, das heißt mit bildender Kunst, Tanz, Schauspiel, Musik oder Poesie. In der Therapie lassen wir das eigentliche Problem los und wenden uns einer anderen gestalterisch-künstlerischen Tätigkeit zu. Das stärkt das Gefühl, Lösungen zu finden.“ (Peter Sinapius, 2014)

 Um die Herausforderungen und Fragen unserer Zeit sinnvoll begegnen zu können ist unser Bildungs- und Gesellschaftssystem gefordert immer wieder Neues neben dem Traditionellen zu entdecken, Lösungen zu finden und fächerübergreifend zu agieren. Die Arbeit über verschiedene künstlerische Medien in der Kunsttherapie gibt uns die Möglichkeit kreative und neue Perspektiven für uns und unsere Gesellschaft zu finden, sowie das Selbstbewusstsein und die Persönlichkeit des Einzelnen zu fördern und zu stärken.

 Steve de Shazer betonte immer wieder, dass es keine Probleme ohne Lösungen gibt und daher in jeder Situation Ressourcen, Stärken und Erfolge gefunden werden können. (Insoo Kim Berg/Steve de Shazer, 2008.) Der multimodale kunsttherapeutische Ansatz ist überzeugt, dass kleine Veränderungen große Wirkungen mit sich bringen können. Ein kleiner Pinselstrich, ein Farbtupfer am Bild verändert das ganze Werk. Eine weitere wichtige systemische Grundhaltung ist, dass die Klientin die Expertin für Ihr Leben ist! Sie kennt Ihre Bedürfnisse und gestaltet ihre Wirklichkeit selbst (Konstruktivismus). Das konstruktivistische Denken hat den Vorteil, dass es unterschiedliche Perspektiven ein und derselben „Tatsache“ und „Wirklichkeit“ gibt, die für uns förderlich für Veränderungen sind. Auch in der Kunst wird der Schöpfer des Werkes nicht in Frage gestellt. Dies bedeutet, dass die Klientin sowohl in der Lösungsorientierung als auch in der Werkorientierung die Expertin ist. Dies setzt als Kunsttherapeut eine Haltung der Wertschätzung und des Nicht-wissens voraus. Als Kunsttherapeut bin ich dem Prozessverlauf gegenüber offen, denn ich weiß nicht immer wo der Prozess hinführt oder welche vorgeschlagenen Materialien und Strukturen das künstlerische Werk schließlich gestalten beziehungsweise wann das Werk fertig ist. Die Haltung der wertschätzenden Neugier stets als „autonom“ und „expertenhaft“ zu sehen und anzuerkennen und Aufmerksamkeit für Überraschendes begünstigen ein solches Unterfangen.

 Die Methodik, Wirkungsweise und deren Einsatz

Das Wesentliche der multimodalen Kunsttherapie ist die Arbeit mit verschiedenen künstlerischen Medien, deren Einsatz, Verknüpfung und gezielten Wechsel (intermedialer Wechsel) von einem in ein anderes Medium. Dadurch wird sowohl mehr Breite als auch Tiefe erreicht. Dadurch können sich neue Ideen oder Lösungen klarer zeigen. Im künstlerischen Tun tauchen wir in eine andere Welt ein, in der wir uns frei, ungezwungen und spielerisch verhalten können. In dieser „anderen oder alternativen Wirklichkeit“ ent-decken wir neue eigene innere Ressourcen, Handlungsmöglichkeiten und somit auch neue Perspektiven und Wege. Wir kehren nach dem künstlerischen Spielen und Arbeiten wieder bereichert in die Alltagsrealität zurück! Wir haben neue Sichtweisen kennengelernt, neue Ressourcen entdeckt, mit denen wir nun ein neues Verständnis und eine neue Herangehensweise für unsere Anliegen haben! Denn die Lösungen und Ressourcen werden wie oben erwähnt durch die Künste und die Anleitung gezielter systemischer Fragen erarbeitet. Herbert Eberhart und Paolo Knill äußern sich über die Wirkung vom künstlerischen Tun:

„Schon seit vielen Jahren fällt Praktikerinnen und Praktikern beim Nutzen dieses methodischen Ansatzes auf, dass das künstlerische Tun eine belebende Wirkung ausübt. Die Art der Präsenz von Berater und Klient in der Dezentrierung zeigt sich anders als im Gespräch. Dies vor allem, weil sie handlungsorientiert ist und damit auch den Körper einbezieht. Die wache Neugier und die engagierte Entdeckungslust äussern sich hier im Handeln als Eifer und Ehrgeiz. Beides sind Antriebsmomente einer Schaffenskraft, die sich ganz ins Tun vertieft." (Herbert Eberhart & Paolo J. Knill, 2009)

 Viele Menschen nützen aus den verschiedensten Gründen, teilweise auch einfach aus Unwissenheit heraus nur einen Teil ihrer Fähigkeiten und Anlagen. Die bisher entwickelten, gelebten Fähigkeiten machen jedoch nicht den ganzen Menschen aus. Die Kunsttherapeuten fragen nach dem Grundpotential des Menschen! Sie fragen nach der Person, die hinter der sich zeigenden Person ist, sie suchen die noch schlummernden, nicht geweckten Fähigkeiten und Gestaltungsmöglichkeiten der Person. Sie suchen nach der Person, die sie sein kann und sein will, wie sie sich zeigen und ihr Leben gestalten möchte. Den KunsttherapeutInnen geht es um das Erkennen und die Verwirklichung des Grundpotentials, der schöpferischen Gestaltungskräfte des Lebens. Die Kunsttherapie legt durch ihre künstlerischen Prozesse die bereits angelegten und mit in die Welt gebrachten Fähigkeiten und Anlagen der Person frei. Dies dient der Förderung, Verbesserung und Erhaltung der seelischen, körperlichen und geistigen Gesundheit der Person. Wir beschäftigen uns in der Kunsttherapie mit den Grundanlagen und Fähigkeiten des Menschen. Uns geht es um das Herausfinden, Verstärken und Fördern der eigenen Fähigkeiten und Ressourcen des Menschen. Wir setzen beim gesunden Menschen mit all seinem Potential an, welches manchmal für ihn nicht sichtbar ist und durch die kunsttherapeutischen Prozesse wieder sichtbar wird und in den Vordergrund tritt. Durch das Erkennen der eigenen Ressourcen, der eigenen Fähigkeiten und Anlagen aktiviert der Mensch seine eigenen Kräfte und entwickelt und gestaltet sein Leben aktiv mit mehr Freude und Liebe. Uns geht es um die künstlerische Begleitung. Wir verstehen unter dem Begriff Therapie ein Begleiten zur Selbst-Erkenntnis und Selbst-Findung im lösungsorientierten Sinne, welche durch kunsttherapeutische Prozesse stattfindet.

 Jeder Mensch ist kreativ und künstlerisch. Er benutzt seit alters her nicht nur die Sprache, sondern auch eine Vielzahl von verschiedenen Ausdrucksmitteln. Schon die vor Jahrtausenden entstandenen Höhlenmalereien dienten nicht nur der Kommunikation, sondern waren vor allem auch ein Ausdrucksmittel für das Erlebte. Durch die Barrieren und Unzulänglichkeiten der Sprache haben die Menschen immer schon Möglichkeiten gefunden sich auch noch anders auszudrücken und mitzuteilen. Das was nicht gesagt werden kann oder will, wird durch die kreativen Medien in der Kunsttherapie sichtbar (Bild), verständlich (Wort), handelbar (Schauspiel), hörbar (Musik), be-greifbar (Körper), etc. Es wird durch die kunsttherapeutischen Ausdrucksmöglichkeiten sichtbar. Das Sichtbar-Gewordene gibt neue Erkenntnisse, es zeigt neue Wege und Perspektiven auf, vergrößert den Handlungsspielraum und verstärkt die Fähigkeiten und Potentiale des Menschen. So werden diese kreativen und gestalterischen Medien seit Jahrhunderten bewusst und unbewusst zur Förderung der eigenen Ressourcen und Fähigkeiten genutzt. Daher ist unsere Methode kunst-, ressourcen- und lösungsorientiert! Die Wahrnehmung über die verschiedenen Sinne eröffnet eben eine Vielfalt von Ressourcen und Lösungsansätzen!

Durch den Einsatz von künstlerischen Medien erleben wir mehr Ausdrucksformen, Selbstbewusstsein und Perspektiven kennen. In dieser Ausbildung erlernen wir den Umgang mit den verschiedensten künstlerischen Medien (Malen, Poesie etc.). Du erfährst die Freude und das Heilsame in und an der Kunst. Der spielerische Zugang zu sich selbst über die Kunst vermittelt uns neue Erkenntnisse, Blickwinkel, Ideen und Freude in unserem Leben. Im Umgang mit den verschiedensten künstlerischen Medien werden wir uns selbst mehr ent-decken und unsere Ressourcen besser kennen lernen. Bei uns steht auch die emotionale Kompetenz gegenüber der rein handwerklichen und intellektuellen Kompetenz im Vordergrund!

 Imagination und Gestaltung passiert für uns immer multimodal. Denn Menschen imaginieren in Bildern, Klängen, Bewegungen. Eine Person ist bewegt von einem Bild (Vom Bild zur Bewegung) oder bestimmte Klänge rufen visuelle Bilder und Farben hervor (Von der Musik zum Bild) etc. Ein Medienwechsel von einem künstlerischen Medium in ein anderes führt zu einer Vertiefung und Verstärkung des Ausdrucks und des Werks. Dabei geht es darum, dass die emotionale Kompetenz vor dem handwerklich-künstlerischen Können steht, denn die Freude am künstlerischen Tun ist eine Bedingung für das Finden von neuen Lösungen und Handlungsmöglichkeiten! Dies geschieht dann, wenn die Personen keine künstlerischen Handfertigkeiten beherrschen müssen nach dem Konzept „Low Skill High Sensivity“. Damit fokussiert unsere Methode auf die emotionale und pädagogische Kompetenz gegenüber der rein handwerklichen und intellektuellen Kompetenz.

„Künstlerisches Tun auf der Basis von "low skill - high sensitivity" ist körperlich-sinnliches Tun, das auf Gelingen ausgerichtet ist. Es geht nicht um eine Annäherung an Hochkunst oder zeitgenössisches Kunstschaffen. Es gibt kein "richtig" oder "falsch". Es geht um die Freude am Tun oder/und die Bewältigung einer Herausforderung. Dafür ist eine professionelle Rahmung und immer wieder auch die Unterstützung durch die professionelle Person nötig.“ (Herbert Eberhart & Paolo J. Knill, 2009)

 In der multimodalen Kunsttherapie werden die Umsetzungsprozesse mit systemischen, lösungsorientierten und phänomenologischen Vorgangsweise neue Wege, Perspektiven und Denkweisen erprobt, sichtbar und erfahrbar gemacht! Damit wird die Vernunft um die Kreativität erweitert und geschult und die sozialen Kompetenzen in einer gemeinschaftlichen Lernkultur gefördert.

„... neu stellt sich die Situation dar, wenn künstlerisches Tun ins Spiel kommt. Wir verstehen darunter u.a. kurze, episodenhafte Aktivitäten, wie etwa eine Rhythmusimprovisation mit verschiedenen Takes oder eine Installation mit alltäglichen Gegenständen, in der für die Platzierung der einzelnen Teile ästhetische Gesichtspunkte wegleitend sind. Die Art, wie wir Künstlerisches einsetzen, mit einfachsten Mitteln und gleichzeitig grosser Präsenz, begleitet von neugieriger Wertschätzung, ergibt einen Prozess mit ungewohnten und überraschenden Wendungen. Dieser Ablauf, gleichzeitig ausgerichtet auf das, was wir "Werk" nennen, verunmöglicht weitgehend stereotypes Tun. Durch die Art der Einführung ... werden Neugier und Experimentierfreude angeregt. Nicht die Reduktion auf so genanntes Wesentliches ist das Ziel, sondern Anreicherung, Vielfalt und Perspektivenreichtum. Wird künstlerisches Tun innerhalb einer Beratungs- oder Therapiesequenz als Episode eingesetzt und in einer bestimmten Art in den Gesamtablauf einbezogen, so nennen wir das eine Dezentrierung. Diese Bezeichnung steht für die zeitlich begrenzte Distanzierung von dem im Zentrum stehenden Anliegen (de-zentrieren) und - bei dem hier beschriebenen Vorgehen - die Zuwendung zu einem künstlerisch-spielerischen Tun.“ (Herbert Eberhart & Paolo J. Knill, 2009)

 In der inter- und multimodalen Ausrichtung werden unterschiedliche Kunstmedien wie Malen, Schauspiel, Tanz, Musik, Poesie in Form von Medienüberschneidungen und –wechsel zum Einsatz gebracht, um die Sensibilität bei den ästhetischen Prozessen zu fördern und zu vertiefen.  „Das Adjektiv "intermodal" weist darauf hin, dass verschiedene künstlerische Medien zur Anwendung kommen und etwas mittels mehrerer Disziplinen angereichert und vertieft werden kann. Beispielsweise kann mit einer einfachen Installation begonnen werden, die anschliessend poetisch interpretiert und zum Schluss in eine Bewegung übertragen wird.“ (Herbert Eberhart & Paolo J. Knill, 2009)

 Vision und Ausblick

Die Vision des Colleges ist eine staatliche Anerkennung und Akademisierung dieses Berufsbildes. Daher gibt es 2016 gemeinsam mit der Katholischen Pädagogischen Hochschule KPH Wien/Krems einen Masterlehrgang für „Kunst- und Kreativpädagogik nach der Methodik der intermedialen Kunsttherapie“. Ebenso gibt es die Bestrebung die Kunsttherapie als eine Methode der Psychotherapie einzuführen. Die Tradition unserer Schule basiert auf multimodalen Konzepten auf welchen die Methode der kunst – und ausdrucksorientierten Psychotherapie aufgebaut ist. Diese psychotherapeutische Schule, welche ihren Ursprung in den USA und in der Schweiz hat, ist weltweit verbreitet. Es ist daher unser Anliegen dieses Verfahren entsprechend den österreichischen Richtlinien zu erarbeiten und zu etablieren.

 Die kontroversielle Festspielrede des Schweizer Globalisierungskritiker Jean Ziegler, welche nicht gehalten wurde, beschreibt die gesellschaftliche Stärke der Kunst für den Einzelnen und der ganzen Gesellschaft.

„Was ist mein Traum? Die Musik, das Theater, die Poesie – kurz: die Kunst – transportieren die Menschen jenseits ihrer selbst. Die Kunst hat Waffen, welche der analytische Verstand nicht besitzt: Sie wühlt den Zuhörer, Zuschauer in seinem Innersten auf, durchdringt auch die dickste Betondecke des Egoismus, der Entfremdung und der Entfernung. Sie trifft den Menschen in seinem Innersten, bewegt in ihm ungeahnte Emotionen. Und plötzlich bricht die Defensivmauer seiner Selbstgerechtigkeit zusammen.“ (Jean Ziegler, 2011)

 “Bei der multimodalen Kunst- und Ausdruckstherapie steht der Mensch als Ganzes im Vordergrund, der sein Leben über den Ausdruck und die Gestaltung der verschiedenen Medien und durch den systemischen, lösungszentrierten und kunstorientierten Ansatz mit all seinen Sinnen sinnvoll gestaltet und verändert!“

Alexander Eggenhofer

     

 

Literaturliste

  • Sonja Radatz: „Beratung ohne Ratschlag“: Systemisches Coaching für Führungskräfte und BeraterInnen. Verlag Systemisches Management Literatur VSM. 2009.
  • Sinapius, P., Niemann, A. (Hg) (2011): Das Dritte in Kunst und Therapie. Frankfurt am Main: Verlag Peter Lang
  • Herbert Eberhart & Paolo J. Knill: Lösungskunst. Lehrbuch der kunst- und ressourcenorientierten Arbeit. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2009.
  • Jean Ziegler: Der Aufstand des Gewissens. Die nicht-gehaltene Festspielrede 2011.Salzburg: C. Bertelsmann Verlag, 2011.
  • Hermann Hesse: Siddhartha. Suhrkamp Verlag, 1974.
  • Stephanie Jaeckel im im Gespräch mit Professor Peter Sinapius über die Sprache der Bilder: Psychologie Heute. 2014
  • Auditorium Netzwerk: Insoo Kim Berg/Steve de Shazer: „Kurzzeittherapie – Von Problemen zu Lösungen. 2008.

Weitere Informationen:
http://https://kunsttherapiecollege.at/wp-content/uploads/Fachartikel_Eggenhofer_Kramer_2017.pdf

Verfasser und Verantwortlich für den Inhalt:
Alexander Eggenhofer, Kunsttherapeut - Expressive Arts, MAC College Kunsttherapie & Lebensberatung, 3532 Rastenfeld
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Alexander Eggenhofer Kunsttherapeut - Expressive Arts  MAC College Kunsttherapie  Lebensberatung 3532 Rastenfeld Alexander Eggenhofer, Kunsttherapeut - Expressive Arts,
MAC College Kunsttherapie & Lebensberatung, 3532 Rastenfeld
http://www.therapeutenfinder.com/therapeuten/psychotherapie-alexander-eggenhofer-rastenfeld.html

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