Pubertät trifft auf Mütter in den Wechseljahren – gemeinsames Hormonchaos

Pubertät trifft auf Mütter in den Wechseljahren – gemeinsames Hormonchaos

Erst Karriere,
dann Kind. Erst das Leben kennen lernen und geniessen, dann Windeln wechseln.

Für diese Reihenfolge entscheiden sich mittlerweile 12 Prozent der in Deutschland lebenden Frauen. Nachwuchs mit Ende 30 – späte Mütter, so sagt man, wissen wo es lang geht. Die Beziehung ist stabil, die Finanzen sind gesichert, Erfahrungen wurden gesammelt … nichts hindert die Mütter daran, sich sorgenfrei und gelassen ihrem Nachwuchs zu widmen. Trotz schlafloser Nächte und anstrengender Phasen ist die späte Elternschaft für die meisten ein großes Glück
Doch worüber ich noch nicht viel gelesen habe: Was passiert eigentlich, wenn Mütter in den Wechseljahren auf ihre pubertierenden Kinder treffen? Wenn Beide im Hormonchaos versinken? Flegeljahre treffen auf Hitzewallungen und Gemütsschwankungen! Was ist, wenn die Kuschel-Phase in die Gott-Du-bist-mir-peinlich-Phase umschlägt? Oder-schlimmer noch – wenn sie auf die Mist-ich-werde-alt-Phase der Eltern trifft?

Hormonchaos auf beiden Seiten! 

Mütter rund um die Fünfzig erleben durch die Hormonumstellung in den Wechseljahren sowohl eine psychische als auch eine körperliche Umstellung. Männer kämpfen in diesen Jahren zwar weniger mit Hitzewallungen und Co, müssen aber möglicherweise lernen, nicht mehr zu den kernigen Vorbildern zu gehören, die ihren Kindern zeigen „wo es lang geht“. So erfahren sie womöglich im Job, dass junge, dynamische Kollegen an ihnen vorbei ziehen. Die pubertierenden Kinder erleben ihre Eltern also in einer Phase der Neuorientierung und plötzlich, so scheint es, wissen die Eltern nicht mehr, wo es lang geht.

Reife und Lebenserfahrung? Das scheint doch nur ein Synonym für veraltete Lebensmuster zu sein.Die Pubertierenden fühlen sich nicht ernst genommen, zu unrecht unterschätzt und unverstanden – und sind auch gerade dabei, sich neu zu finden.

Du verstehst mich nicht!

Ein Klassiker, den jeder von uns kennt. Plötzlich ist die Meinung der Eltern nicht mehr gefragt und auch nicht mehr wichtig. Warum auch? Eltern wissen ohnehin nichts von den Wünschen, Gefühlen und Bedürfnissen eines Teenagers. Ungefragte Ratschläge können emotionale Ausbrüche ungeahnten Ausmasses hervorrufen – und sie werden komplett ignoriert. DU weißt doch nicht, wann ICH friere! Mode? Als wenn Du eine Ahnung hättest, was wirklich cool ist! Mein Leben? Geht Dich nichts an!
So kann es manchen Eltern in der Pubertät der Kinder ergehen. Da hetzt man sich den ganzen Tag ab, geht arbeiten, kauft ein, kocht (alles Tätigkeiten, die einer 50-jährigen schwerer fallen als einer 40-jährigen) – und steht dann einem übel gelaunten Kind gegenüber, dass sich weigert, den Tisch zu decken.  In diesen Momenten es den Kindern gleich zu tun und auch total auszurasten, wäre verständlich. Bringt aber leider  nichts.

Insel der Entspannung

Eine Lösung habe ich leider bei meinen Recherchen nicht gefunden. Nur Ratschläge, wie: „Suchen Sie sich eine Insel der Entspannung“ oder „Reflektieren Sie Ihre Altersrolle“. Mit letzterem ist gemeint, dass eine Mutter in den Wechseljahren gut daran täte, ihr Alter zu akzeptieren und eine weise Mutterrolle einzunehmen – statt die kumpelhafte Freundin zu sein. Dafür gebe es schließlich die gleichaltrigen Mädchen (Roswitha Stemmer-Beer „Liebeskämpfe-wie Töchter ihre Mutter abnabeln“).

Ich schätze, einer positiven Überprüfung würden viele der älteren Mütter an dieser Stelle nicht standhalten. Der Grad zwischen „Freundin und Mutter sein“ ist manchmal sehr schmal, wie ich finde. Und was bedeutet schon „weise“? Jede Mutter gibt sicher gerne ihre Lebenserfahrung an die Kinder weiter – aber ob diese immer weise sind? Wirkliche Vorbilder haben diese Frauen auch nicht, glaubt die Psychologin Stemmer-Beer. „Die heutige Mutter fährt Extrem-Ski und legt sich abends eine Wolldecke über ihre arthritischen Knie. Die heutigen Frauen leiden unter unglaublichen Ansprüchen an sich“.

Wenn die heutige Mutterrolle strikter umschrieben wäre, wäre vieles einfacher. Aber stattdessen gibt es eine breite Palette von der „hippen 50-Jährigen Alleinerziehenden“ bis hin zur „altbackenen mütterlichen Lady“. Und alle haben Recht, wie ich finde. Kindern Grenzen zu setzen ist genau so wichtig und richtig wie ein gemeinsames Überschreiten oder in Frage stellen eben dieser Grenzen. Für beide Lebensentwürfe gibt es gute Gründe.

Wie auch immer: auf dem Sofa zu liegen und sich auf die Insel der Entspannung zu denken statt an die Decke zu gehen, ist sicher eine brauchbare Lösung. Ist nur leichter gesagt, als getan. Vielleicht klappt es ja mit einer Portion Humor der Situation gerecht zu werden. Wenn der Rauch abgezogen ist und man mit etwas mehr Abstand und möglichst auch Gelassenheit auf das Geschehene zurück blicken kann. Dafür zumindest müssten die Wechseljahre ja gut sein.

Etwas Befreiendes hat die Pubertät ja schließlich auch für die Erwachsenen: sie brauchen nun nicht mehr rund um die Uhr für ihre Kinder da sein und können sie ihren eigenen Weg gehen lassen. Und haben damit mehr Zeit für sich.

„Kinder, die man liebt, werden Erwachsene, die lieben.“ Marie von Ebner-Eschenbach

 

Herzlichst Ihre

Cornelia Marsch

 

 

   

Weitere Informationen:
http://www.cornelia-marsch.de/pubertaet-trifft-muetter-in-den-wechseljahren-gemeinsames-hormonchaos/

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