Zungendiagnose / Zungendiagnostik

Zungendiagnose / Zungendiagnostik

Stand: 02.04.2015

Die Zunge kann viel erzählen - Die Zunge als diagnostisches Hilfsmittel

Geschichte

Schon bei den alten chinesischen, arabischen und griechischen Ärzten wurden die Veränderungen auf der Zungenoberfläche als diagnostische Möglichkeit genutzt. Allerdings muss heute berücksichtigt werden, dass zwischen den damaligen und den heutigen Lebens- und Essgewohnheiten der Menschen und Völker gravierende Unterschiede bestehen, die es nicht gestatten, die alten Darstellungen (Bilder, Graphiken usw.) über die Zunge ohne weiteres zu übernehmen. Es mussten hier also neue Wege im Zuge der veränderten Verhältnisse beschritten werden.

Einführung

Je mehr ein Arzt oder Heilpraktiker allein aus den äußeren Erscheinungsbild eines Patienten ersehen kann, desto schneller und präziser kann er weitere Methoden zur Befunderhebung heranzuziehen.

Mit der Zungendiagnostik sind nicht nur Arzt und Heilpraktiker, sondern bis zu einem gewissen Maße auch der geübte Laie in der Lage, sich sehr schnell einen sicheren Überblick über den Gesamtzustand des Verdauungstraktes zu verschaffen.
(Früher hat jede Mutter, jeder Hausarzt sich die Zungen zeigen lassen)

"Die Zunge wird als Schaufenster des Verdauungstraktes bezeichnet"

Die Zunge gibt ähnlich wie die Antlitzdiagnose, erste therapeutische Hinweise. In Folge lassen sich natürlich während der Therapie Veränderungen in positiver wie negativer Form erkennen. Diese wiederum helfen beim weiteren Verlauf der Behandlung.
Die Innervation der Zunge und die Verfolgung ihrer Bahnen zu den Ganglionen und ihren cerebralen Ursprungsgebieten (Gehirn) sowie der Einfluss der vegetativen Antagonisten (Gegenspieler) Vagus und Symphatikus, erlauben eine organtopographische Auffassung, wie im Bild dargestellt.
Die verschiedenen Farbzeichnungen und der manchmal typische Belag an und auf er Zungenoberfläche sowie spezielle Geschmacksempfindungen und Gefühlsreize in und auf der Zunge zeigen z.B. den Mangel an anorganischen Salzen im Körper und in seinem Säftehaushalt auf.

Mit Hilfe des Zungenbildes ist eine Diagnose über den Zustand bestimmter, an der Verdauungsarbeit beteiligter Organe, des Blutes, der Nerven, der Lebens- oder Körperkraft, ja sogar eine Belastungsaussage zu rechten oder linken Körperhälfte.
Jahrelange Beobachtungen und Studien führen zu der Annahme, dass Verlauf und Lage des Nervensystems eines Organs nahezu immer gleich ist und das jedes Organ sein spezifisches Nervensystem besitzt. Nur auf der Basis dieser Annahme (Hypothese) ist die Zungendiagnostik überhaupt möglich.

Die Deutung der Zungenbilder

Durch Betrachten des Zungenbelages erfahren wir wertvolle Hinweise auf den Zustand bestimmter Organe (Organdiagnose).

Aus der Topographie erkennen wir, dass hier Magen, Bauspeicheldrüse, Zwölffingerdarm, Leber, Gallenblase, Dünndarm und Dickdarm gemeint sind.

Die Zunge mit ihren vielen Blutgefäßen und mit den reichlich, besonders an der Spitze vorhandenen Lymphgefäßen wird von vielen Bündeln von Nervenfasern durchzogen.

Das samtartige Aussehen der Zungenoberfläche verdanken wir den Knospen, Ausstülpungen und Spüldrüsen. Die Abflachung dieser Papillen z.B. gilt als Zeichen für eine perniziöse Anämie (Blutarmut). Die Zunge sieht wie behaart aus, ein Krankheitsbild, das man häufiger bei "Antibiotikaschäden" und bestimmten Formen von "Vitaminmangel" findet.

Die Erfahrung lehrt, dass die Zungenspitze Veränderungen im Magenbereich anzeigt, das mittlere Drittel vor allem über den Zustand von Zwölffingerdarm, Leber, Gallenblase, Milz und Bauspeicheldrüse Aufschluss gibt, während die Zungenbasis, (hintere Teile) auf eventuelle Darmerkrankungen schließen lässt.
Bei der Behandlung der genannten Organe verschwinden diese Zeichen allmählich auf der Zunge.

Das kann sehr lange dauern, vorübergehend infolge der Ausscheidungsphasen sogar zu Verschlechterungen am Zungenbild führen.

1. Magen

Ein weißer bis weißgelblicher Belag an der Spitze der Zunge weist auf eine Magenschleimhautentzündung (Gastritis) hin, das Magengeschwür (Ulcus ventriculi) zeigt keinen Belag. Eine geschwollene Zunge mit Zahneindrücken an den Rändern und einem dicken grauen Belag an der Zungespitze deutet auf einen akuten Prozeß hin (akute Gastritis).

Blase und feuchte Zunge ist ein Zeichen bei Magenblutungen und Magenerkrankungen allgemein,
meist bestehen aber vorher Belag und Trockenheit.
Belag an der Spitze und hellrote Ränder weisen auf Störungen in der Säurebildung hin.

Eine trockene Zunge, weißschleimig belegt, mit Petechien (punktförmige Blutungen aus den Kapillaren) und Bläschen deutet auf eine Dystonie des Vagus mit heftiger Gastritis und Enteritis (Dünndarm-Entzündung) hin.

2. Darm

a) Zwölffingerdarm
Finden wir den weißlichen Belag in der Mitte der Zunge, so sollte man an krankhafte Prozesse im Zwölffingerdarm denken.

b) Dünn und Dickdarm
Weißer Belag im hinteren Drittel oder eine trockene Zunge, in der Mitte braun belegt, die Ränder feucht und rot, weist auf entzündliche Veränderungen im Dünn- und Dickdarm hin. Bei Bläschenbildung sind diese Vorgänge besonders ausgeprägt.

Bei trockener Zunge, die Basis wie mit Lehm belegt, oder bei geschwollenen Zungerändern mit Bläschenbildung kann auf geschwürartige Veränderungen (Prozesse) im Darm geschlossen werden.

Eine trockene Zunge mit einem roten Streifen in der Mitte spricht für eine schwere Darmentzündung und für Krämpfe (Spasmen).

Ein trockenes Gefühl auf der Zunge, obwohl sie feucht ist, tritt besondern bei schlechter Durchblutung der Baueingeweide auf.

3. Leber, Galle und Milz

a. Leber
Bei Leberentzündungen und zirrhotischen Prozessen der Leber tritt ein gelber Belag auf, der ergänzt durch Zahneindrücke und roten Rand, auf Leber- und Gallenleiden mit Ikterus (Gelbsucht) hinweist, besonders auf Erkrankungen des Leberparenchyms (-zellgewebe).

Zeigt die Zunge das Bild einer Landkarte, ist immer eine Beteiligung der Leber gegeben.

b. Gallenblase
Geht der Farbton vom Gelblichen ins Bräunliche über, ist vermutlich auch die Galle und auch das Portadersystem in Mitleidenschaft gezogen. Oft ist auch dann eine rechtsseitige Schwellung mit Rötung zu beobachten.

c. Milz
Ohne Angaben.

4. Bauchspeicheldrüse (Pankreas)

Zeigt sich links eine starke Rötung und ist die Zunge an dieser Stelle wund, dann liegt wahrscheinlich eine Bauchspeicheldrüsenentzündung vor.

Eine trockene Zunge mit vielen Rhagaden ( Hautrissen, Hautschrunden) weist auf Diabetes (Zuckerkrankheit) und Bauchspeicheldrüsenstauung hin.

5. Infektionskrankheiten

Auch bei schweren Infektionskrankheiten verändert sich das Aussehen der Zunge.

a. Thypus
Eine trockene, dunkelbraune bis schwärzliche Zunge spricht für Thyphus und Toxine (Zellgifte) im Darm.
Blauer Zungenbelag besteht bei Thypus und Ruhr.

b. Scharlach
Hier tritt die bekannte Himbeer- oder Erdbeerfarbe der Zunge auf.

c. Cholera
Die schwarze Zunge weist auf Cholera hin.

6. Sonstiges

Weitere Zungenbilder zeigen sich bei Missbildungen der Zunge selbst, bei schweren Blutkrankheiten, Vitaminmangelzuständen, Arzneimittelschäden, Störungen des vegetativen Nervensystems.

a. Deformation (Anomalie)
Es gibt Rückbildungen an der Zunge, die es dem Betroffenen unmöglich macht, die Zunge gerade herausstrecken.

b. Anämie
Bei allgemeiner Anämie erscheint ein trockenes Gefühl auf der Zunge, obwohl sie feucht ist.
Typisch für die pernizöse Anämie ist die Abflachung der Ausstülpungen und der Verlust der sogenannten Sekundärpapillen (kleine Ausstülpenungen).

c. Polyzythämie
Bei diesem Krankheitsbild tritt eine krankhafte Vermehrung der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) auf. Das Zungenbild erscheint mittig mit seitlichen Verzweigungen (Verästelungen) gefurchtet, ähnlich einer Vernarbung nach tiefen Verletzungen im Muskelgewebe.

d. Vitaminmangel
Beim Fehlen z.B. Vitamin B2 zeigt die Zungenoberfläche einen fast gleichmäßigen weißlichen Belag, durch den die bläulich-violette Zungenfärbung hindurchscheint.
Bei Verdauungsstörungen mit der Folge einer dadurch bedingten Mangelernährung, Fettstühlen und gelegentliche Blutarmut ist die Zunge ebenfalls weißlich, im hinteren Drittel (Basis) gelblich belegt. Dieser Belag ist jedoch im Gegensatz zum Erscheinungsbild bei Vitamin B2- Mangel nicht gleichmäßig aufgetragen, sondern erscheint wie aufgesprungen. Außerdem ist - im vorderen Drittel stärker, im mittleren Drittel schwächer- eine mittelgroße Bläschenbildung zu beobachten.

e. Iatrogene Schäden
Unter dem Einfluss einer Antibiotikatherapie kann sich die Zunge entzünden und entwickelt einen weiß-pelzigen, unregelmäßigen Belag, ähnlich einer Wolkenbildung.
Durch Acethylsalicilsäure-Präparate können sich Schäden an der Zungenspitze in Form einer weißen Pigmentierung (Leukoplakie) zeigen.

f. Dystonie
Siehe unter Magen.

g. Fieber
Unter dem Einfluss von fiebrigen Zuständen des Organismus ist die Zungenoberfläche meist trocken.

h. Trinker (Säuferzunge)
Bei Alkoholikern bzw. notorischen Trinkern kann man eine leicht zitternde Zunge beobachten.

i. Lingua (Zunge) dissecata
Die Zunge zeigt als angeborene Anomalie zahlreiche Einrisse und Zerklüftungen.

j. Lingua georaphica (Landkartenzunge)
Siehe Ziffer 3a (Leber-Galle-Milz)

k. Lingua lobata (Lappenzunge)
Unter dem Begriff "Lappenzunge" gekannte Zunge, deren Oberfläche narbige Furchen aufweist (siehe auch c), die viereckigen Felder mit abgerundeten Ecken umgeben. Hier handelt es sich oft um das Endstadium einer Glossitis bei Spätsyphilis.

l. Lingua nigra (schwarze Haarzunge)
Dieses Zungenbild ist auch bekannt unter dem Namen "schwarze Haarzunge", es zeigt gelblich - braune bis dunkle Verfärbungen der Papillen, meist in der Mittellinie. Die Ursache war lange unbekannt, heute werden Arzneimittelschäden (Antibiotika) und Vitaminmangel für dieses Erscheinungsbild verantwortlich gemacht.
(s. auch Einleitung zu Ziffer 3)

m. Lingua plicata (Faltenzunge)
Es handelt sich um eine angeborene Furchung der Zungenoberfläche.

Nachwort

Die Zungendiagnostik bezieht viele Symptome in ihre Schlussfolgerungen mit ein. Dennoch will sie nur als eine Hinweisdiagnostik verstanden sein, die den gezielten Einsatz anderer Methoden zur Befunderhebung ermöglichen soll.

Literatur:

  • Studienkreis Schüßlerische Biochemie
  • Im Biochemischen Gesundheitsverein e.V. Düsseldorf
  • Ganzheitlich Heilen - Zeitschrift für ganzheitliche Medizin Heft 3/98 3. Jahrgang

© Angelika Gräfin Wolffskeel, Heilpraktikerin, Eichenweg 4, 97950 Gerchsheim, Telefon 0 93 44/92888-0, www.graefin-wolffskeel.de, praxis[at]graefin-wolffskeel.de

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