Ziellos im Beruf oder nur im falschen Genre?

Ziellos im Beruf oder nur im falschen Genre?

Zu viele Talente und Interessen für eine Berufung?  – Eine schreibtherapeutische Ansicht

Vom Unsinn sinniger Regeln

Eine Geschichte muss sich zielstrebig auf ein festgesetztes Ende hin bewegen!

So hat man es mir in der Drehbuchausbildung beigebracht. So bringe ich das meinen Schülern bei. So steht es in meinem Buch "Die Magie des Schreibens".

Man beginnt einen Roman, ein Drehbuch, nicht, bevor man nicht weiß, wie alles enden wird!

In unserem Leben, so scheint es, wird von uns ganz Ähnliches erwartet.

Unser berufliches Fortkommen ist am Ende von Erfolg gekrönt, wenn wir beharrlich und entschlossen eine Ausbildung auf die nächste aufbauen, wenn wir uns konsequent weiterbilden; so jedenfalls verspricht man uns das. Zielstrebig, planmäßig, unbeirrt sollen wir voran gehen.

„Zeigen Sie mir den roten Faden und ich zeige Ihnen Erfolg!“ So klingt es aus dem Blätterwald der Coaches.

Menschen mit multiplen Talenten (auch Scanner genannt), immer auf der Suche nach Herausforderungen, beständig bedroht von Langeweile, die für ein Jahr in einen Job reinschauen, dann wieder für ein paar Monate ganz etwas Anderes machen, die nur schwer drei Jahre Ausbildung oder gar sieben, acht Jahre Studium durchhalten, gelten als unstet, nicht zuverlässig.

Tatsächlich …

Im Laufe meines Autorendaseins habe ich gelernt: Regeln sind für eine Geschichte essentiell! Und ja, wenn ich das Ende kenne, ist der Roman halb geschrieben.

Aber …

Wirklich virtuos wird eine Geschichte, wenn man mit der vorgegebenen Ordnung spielt, wenn man alles, was man gelernt hat, über den Haufen wirft und seinen eigenen Weg findet …

Und so erkläre ich meinen Schülern ausführlich, wie man eine saubere Geschichte plottet, um sie am Ende meines Buches eindringlich zu bitten: „Jetzt, da Sie wissen, wie es geht, machen Sie es anders!“

Dieser Hinweis gilt nicht nur fürs Schreiben!

Ist Logik immer logisch?

Schauen wir uns zunächst die klar strukturierte, sauber geplottete Geschichte an.

Im Film „Erin Brockovich“ kämpft zum Beispiel eine engagierte Julia Roberts auf allen Ebenen. Privat geht es um ihre Kinder, die Beziehung, um ihre Existenz. Im Job kämpft sie gegen Kollegen, gegen den Chef. Und nebenbei nimmt sie noch den Kampf gegen ein übermächtiges Chemieunternehmen auf. Der Film „Erin Brockovich“ erzählt die Geschichte einer starken Frau, die sich von nichts aufhalten lässt.

Dies ist die Geschichte einer siegreichen Frau. Und wie anders soll sie enden als mit einer siegreichen Frau?

In diesem Fall sprechen wir von der „plotorientierten Geschichte“.

Man kann eine Geschichte so konzipieren – und damit einen Oscar gewinnen!

Man kann sein Leben so konzipieren – und damit sicher auch glücklich werden!

Aber …

Bevor man sein eigenes Leben dieser Regel unterwirft, tut man gut daran, sich zu fragen, ob man auch der passende Charakter für eine solche Geschichte ist.

Das Gleiche ganz anders

Wer viele Talente hat, sucht eher nach Herausforderungen, nach Entwicklung. Wo es aber um inneres Wachstum geht, um Entfaltung, haben wir es mit einer „charakterorientierten Geschichte“ zu tun.

„Erin Brockovich“ hätte auch die Geschichte einer Frau sein können, die gegen ihre Dämonen und ihre Schwächen kämpft, die Irrwege geht, sich ablenken lässt, die enttäuscht und verbittert im Supermarkt an der Kasse landet, um dann doch wieder den Kampf aufzunehmen. Am Ende hätte auch diese Frau einen Scheck in Empfang nehmen können, siegreich sein können, aber der rote Faden der Geschichte hätte nicht auf ihrem Kampf gegen die Außenwelt gelegen. Sie selbst wäre der Fokus der Geschichte gewesen.

Und damit ist das Ende plötzlich offen. Aus diesem Charakter könnte auch eine gescheiterte Frau werden. Wo aber Menschen scheitern, wo Türen ins Schloss fallen, bieten sich neue Chancen.

Während die „plotorientierte Geschichte“ mit der siegreichen Frau enden muss, steht am Ende der „charakterorientierten Geschichte“ die veränderte Frau. Damit haben wir ebenfalls ein festgesetztes Ende … nur dieses Ende ist nach vielen Seiten offen.

Triebfeder in die Tiefe

Aus den nun existierenden Möglichkeiten entwickeln sich Spannung und eine Unberechenbarkeit. Die Geschichte fängt an zu leben. Sie bekommt Tiefe. Es geht nicht mehr nur um den Kampf gegen einen Chemiegiganten. Es geht um den Kampf gegen sich selbst.

Bei einer Erin, die von der Anwaltsgehilfin zur Kassiererin zur Bibliothekarin und dann zur Kindergärtnerin mutiert, könnte man nicht von einer typisch stringenten Karriere sprechen. Aber trotzdem gäbe es auch hier einen roten Faden.

Allen Entscheidungen liegt eine Motivation zugrunde. Die Frau ist praktisch veranlagt, sie tut das, was für das Überleben und Vorankommen ihrer Familie gerade zweckmäßig ist.

Alle Etappen ihres Lebens hätten eins gemeinsam: Erin Brockovich!

Im Leben ist es ähnlich!

Gepflasterte Straße oder lieber Feldweg?

Wenn wir uns unstet fühlen, wenn wir glauben, kreuz und quer zu entscheiden, wenn wir entschlusstechnisch verwirrt erscheinen, dann oft, weil wir uns selbst nicht erkannt haben, weil wir den roten Faden außerhalb unserer selbst suchen.

Die Biografiearbeit im Rahmen der Schreibtherapie kann helfen, die Orientierung zu finden und damit dem Leben eben diese Zielstrebigkeit zu geben, deren man angeblich nicht fähig ist.

Gesellschaftlich werden Karrieren aus „plotorientierter“ Sicht bewertet, was dazu führt, dass viele Menschen Ängste entwickeln, sich auf das ungewisse Abenteuer der Entwicklung  einzulassen.  Auf der Karriereleiter gibt es keine Umwege. Bleibt nur die Frage: Muss man auf dem Weg nach oben immer die Leiter nehmen?

Fahrstuhl, Berg, Flügel, Seil … eigentlich haben Sie die Wahl! Warum also den vorgefertigten Weg gehen?

Mit anderen Worten: „Jetzt, da Sie wissen, wie es geht, machen Sie es anders!“

Wer Regeln versteht, braucht keine

Wenn man sein Leben Etappe für Etappe ablebt, liegen klar definierte Ziele vor einem und der Erfolg kann daran gemessen werden, wie schnell man diese erreicht. Menschen, die fokussiert auf ihr Ziel zugehen, machen bestimmte Erfahrungen. Auf diesen beruhen ihre Entscheidungen und Handlungen.

Wenn man selbst zu jenen Menschen gehört, die sich auf dem Weg von A nach B von den Gänseblümchen auf der Wiese ablenken lassen und die viel lieber erst mal Gärtner werden, als dem Ziel ein Häkchen zu verpassen, mag sich das wie ein Nachteil anfühlen. Aber ist es das?

Darin, dass Entscheidungen und Handlungen anders motiviert sind, kann großes Potential liegen.

Aus dem Samen der Andersartigkeit wird der Erfolg der Einzigartigkeit!

Wer die Regeln bewusst brechen kann, weil er den Sinn dahinter verstanden hat, kann mit Selbstbewusstsein vertreten, dass er nicht den geraden Weg gegangen ist.

Entscheidend ist nicht, dass ich als Autorin ein Ende festsetze, auf das ich zuschreibe. Entscheidend ist, dass ich weiß, warum man das eigentlich so macht.

Wer weiß, wie etwas enden wird, kann auf dem Weg dorthin nicht aus der Geschichte fallen. Der Charakter bleibt stringent, die Handlung schlüssig. Das Ende ist ein Orientierungspunkt, an dem die Logik gemessen wird. Innere Logik ist eine Grundessenz jeder Geschichte.

Das kennen Sie nur zu gut! Stellen Sie sich vor, der Held muss innerhalb der nächsten zehn Minuten die Welt retten. Und was macht er? Schnappt sich das Fahrrad, um an den Ort zu kommen, wo die Bombe versteckt ist, nicht das Auto. „Hä? Macht das Sinn?“, fragt man sich irritiert. Liefert der Autor nie eine Erklärung dafür, bleibt ein ungutes Gefühl zurück und die Geschichte „stinkt“.

Das gleiche Gefühl entsteht, wenn wir auf einen Menschen treffen, der den Schritt von der Nonne zur Hure gegangen ist. Und wer erst Kranführerin war, um dann in die Altenpflege zu wechseln, hinterlässt ebenfalls Irritation.

Werden Sie also zum Autor Ihrer Lebensgeschichte! (Er)finden Sie den Sinn!

„Erin Brockovich“ plotorientiert macht Sinn, wenn Szene für Szene darauf hinarbeitet, dass sie die siegreiche Frau ist.

„Erin Brockovich“ charakterorientiert braucht dagegen während des Schreibens kein geschlossenes Ende. Es gibt einen zentralen Punkt, von dem alle Entwicklung ausgeht. Findet man diesen, stellt ihn nach außen da, kann man alles miteinander kombinieren.

Vereine das Unvereinbare!

Wie wird aus „ich kann singen und Autos reparieren“ ein selbstbewusstes „ich mache daraus eine Karriere!“?

Machen Sie sich den Spaß, nehmen Sie sich fünf Minuten Zeit, um den Beruf zu finden, der die von mir genannten Talente miteinander verbindet!

Unmöglich?

Wenn man „plotorientiert“ denkt wahrscheinlich schon. Da stehen dann zwei Talente konträr, die scheinbar nichts miteinander gemein haben.

Aber zum Glück wissen wir ja nun, es gibt die „charakterorientierte Geschichte“ und da gibt es plötzlich ein verbindendes Element – nämlich den Menschen selbst.

Während sich die Handlung vor mir entfaltet, habe ich als Autorin eine Grundfrage: „Wer ist mein Protagonist?“. An diesem Punkt gehe ich in die Charakterisierung, verleihe meiner Figur Eigenschaften.

Kann mein Held singen und Autos reparieren, füge ich dem hinzu: Er ist jemand, der gerne mit Kindern zu tun hat, ihnen die Welt erklärt.

Und siehe da …

… einerseits die künstlerische Ader, andererseits das technische Verständnis …

Wie kann man Kindern technische Vorgänge besser erklären als mit einem lustigen Lied?

Voila – Karriere gefunden!

Fragen Sie nicht: „Welche Talente und Interessen habe ich?“!

Fragen Sie: „Wer bin ich?“!

Das ist Ihr verbindendes Element! Das ist Ihr roter Faden!

Vom Erfolg des Ichs

Wir glauben, man traut uns nur dann etwas zu, wenn wir entsprechend der allgemeinen Erwartung eine Stufe nach der anderen gehen, konsequent bei einer Sache bleiben.

Es gibt aber noch einen anderen Erfolgsgaranten: Authentizität!

Wer viele verschiedene Sachen ausprobiert, hat oft unrealistische Anforderungen an sich selbst, nämlich die Anpassung ans gängige System.  „Ich bin anders, will aber nach den gleichen Regeln spielen“, ist ein Spagat, der letztendlich nur zu Unsicherheit führt und daraus formt sich der Stolperstein auf dem Weg zum Erfolg.

Wer authentisch ist, wer dazu steht, dass er im Leben unterschiedliche Herausforderungen braucht, dass er sich für vieles interessiert und das Bedürfnis hat, sich in unterschiedliche Wissensgebiete einzuarbeiten, strahlt Ehrlichkeit und Verlässlichkeit aus.

Das Problem ist nicht der Lebenslauf, der verräterisch bloß legt, dass man fünf Jobs in drei Jahren hatte. Das Problem ist, sich seiner Selbst bewusst zu werden und seine Entscheidungen zu vertreten.

Der Personaler schaut auf den Lebenslauf und denkt: „Ach, als Straßenkehrer hat er gearbeitet und Zeitschriften hat er verkauft und gekellnert hat er. Das ist einer, der sich für schwere Arbeit nicht zu schade  ist. Der ist gekauft!“

Und just in dem Moment hauen wir geknickt raus: „Sorry, Sie sehen ja, ich hab keinen Biss, ich kann keinen Job durchhalten!“

Die erfolgreichere Strategiewäre: „Bis jetzt habe ich leider noch keine Herausforderung gefunden, die mich wirklich gepackt hätte. Ich zähle da ganz auf Sie!“

Heben Sie ab!

Wir leben in einer Welt der puritanischen Werte und oberflächlich gesehen mögen Dinge wie Disziplin und Zielstrebigkeit zu Erfolg führen und oberflächlich gesehen mag finanzieller Erfolg der Garant dafür sein, dass Gott uns wohlgesonnen ist, aber …

Wenn wir in die Medien schauen und uns gewahr machen, wer Erfolg hat, berühmt ist, wird uns auffallen, dass dieser Erfolg eben nicht davon abhängt, was jemand tut oder gar kann. Er hängt nicht von Talenten ab.

Am Ende gehört unsere Liebe jenen Menschen, die zu sich selbst stehen und der Welt grinsend entgegen halten: „Ich kann nichts, aber das mit Charme!“

Also stehen Sie dazu, dass Ihre Zielstrebigkeit zielstrebig am Wegesrand nach Gänseblümchen sucht, denn …

Disziplin mag uns weit tragen … aber die Authentizität ist das Helium unserer Karriere!

Verfasser und Verantwortlich für den Inhalt:
Christiane Kerbeck, Schreibtherapeutin, , 93109 Wiesent
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Christiane Kerbeck Schreibtherapeutin   93109 Wiesent Christiane Kerbeck, Schreibtherapeutin,
, 93109 Wiesent
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