Personzentrierte / Klientzentrierte Beratung

Personzentrierte / Klientzentrierte Beratung

Stand: 02.04.2015

Die klientenzentrierte Beratung (personenzentrierte Beratung)

Diese Beratungsform ist mit dem Namen Carl Rogers verbunden. Sie basiert auf den Annahmen der humanistischen Psychologie. Im Gegensatz zu den Lerntheorien und der Psychoanalyse, die von der Determiniertheit des Menschen ausgehen, gehen humanistische Ansätze von einem gesunden, sich selbst steuernden Menschen aus. Dies hat Konsequenzen für die beraterische Haltung: Zwei erwachsene, gleichberechtigte Menschen begegnen sich. Grundsätzlich sind Beraterperson und Ratsuchende/r gleich. Erst durch diese Gleichheit wird ein wirklicher Dialog, eine Begegnung zwischen Ich und Du möglich. Das Verhältnis zwischen Beraterperson und Ratsuchendem/r ist nicht von einem hierarchischen Gefälle geprägt, sondern eher partnerschaftlich (nicht Patient sondern Klient. Der Begriff des Klienten soll die Gleichheit in der Beziehung betonen). Die Gleichwertigkeit der Beziehung bedeutet, dass der Berater an Autorität verliert, beide eine gleichgewichtige Beziehung, die in Ansätzen real ist, entwickeln (Unterschied zur Psychoanalyse: Übertragung). Die zentrale Annahme ist, dass der Mensch in entscheidendem Maße selbst für sein Wohlergehen verantwortlich ist. Nicht Vernunft und Verstand, sondern Vertrauen in die eigene Person, das eigene Gefühl und Intuition sollen ihn dabei leiten. Die ratsuchende Person wird nicht angeleitet, vielmehr wird die Selbstbestimmtheit betont.

  • Menschliches Leben vollzieht sich im Prozess der Selbstverwirklichung. Jeder Mensch hat die angeborene Tendenz, sich selbst, sein Verhalten und Erleben selbständig, frei und eigenverantwortlich in Richtung auf Wachstum und Selbstverwirklichung zu entwickeln. Damit besitzt er ein beliebig weckbares inneres Potential an positiven und konstruktiven Kräften.
  • Selbstverwirklichung geschieht durch den Prozess der Selbsterfahrung: sich selbst kennen lernen.
  • Jeder Mensch lebt in seiner eigenen inneren Welt; diese bildet seine subjektive Realität.
  • Die Wahrnehmung der Außenwelt ist subjektiv, da das Individuum nur das von der Außenwelt wahrnimmt, was für es eine bestimmte Bedeutung hat
  • Jeder Mensch besitzt ein großes Bedürfnis nach einer tiefen menschlichen Beziehung
  • Jede zwischenmenschliche Begegnung soll eine echte mitmenschliche Begegnung, eine Ich-Du Beziehung sein, frei von Autorität und Macht, gleichberechtigt und partnerschaftlich.
  • Diese reale mitmenschliche Begegnung stellt eine für die Selbstentfaltung entscheidende förderliche Bedingung dar. Jeder soll dabei er selbst und real zugegen sein. Jeder akzeptiert die Eigenart und Einzigartigkeit des Gegenübers.


Wie wir sehen, hat die Beziehung eine überragende Bedeutung in der Klientenzentrierten Beratung. Deshalb gehen wir im Folgenden näher darauf ein.

Während eine gute Beziehung in anderen Beratungskonzepten als notwendige Vorbedingung angesehen wird, als Fundament der Beratung, ist es nach Rogers in erster Linie die Beziehung selbst, die den Erfolg bewirkt. „Wenn ich eine gewisse Art von Beziehung herstellen kann, dann wird der andere die Fähigkeit in sich selbst entdecken, diese Beziehung zu seiner Entfaltung zu nutzen und Veränderung und persönliche Entwicklung finden statt“ (Rogers 1973).

Rogers erkennt in jeder zwischenmenschlichen Beziehung einen heilsamen Effekt. Die Beraterbeziehung ist nun nach Rogers nichts anderes als eine befriedigende zwischenmenschliche Begegnung. Eine solche Beziehung ist durch bestimmte Merkmale charakterisiert, welche die Selbstheilungskräfte im Klienten wecken. Dies sind folgende Merkmale, die keine Techniken sind, sondern Einstellungen des Beraters darstellen:

Akzeptanz, Wertschätzung, positive Zuwendung

Die Zuwendung ist frei von Bedingungen, Bewertungen und Beurteilungen. Als Beraterperson habe ich mich zu prüfen, ob und inwieweit ich den Klienten schätze, achte, ihm Sympathie entgegenbringe, inwieweit wird meine positive Zuwendung auf subtile Weise verringert, indem ich weniger aufmerksam bin, nicht zuhöre usw. Indem die Beraterperson den/die Klienten/in so akzeptiert, wie er in seiner ganzen Person ist, ermöglicht diese ihm/ihr, eigene Gefühle und Verhaltenweisen kennen zulernen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Er fördert damit die Selbsterfahrung des Klienten und die allmähliche Loslösung von festen Wertvorstellungen.

Einfühlendes Verstehen, Empathie

Empathie bedeutet hier, sich in die phänomenale Welt des Klienten hineinzuversetzen und den inneren Bezugsrahmen aus dem heraus die Klientin sich selbst und ihre Umwelt wahrnimmt, zu erfassen. Das Erleben und die Gefühle der Klientin sollen aus diesem inneren Bezugsrahmen verstanden werden. Es geht dabei nicht nur um den Wortsinn der Mitteilungen, sondern vielmehr um das nicht Mitgeteilte, was zum Beispiel durch Gestik, Mimik und Tonfall deutlich wird. Es geht nicht darum, „pagageienartig“ das Nachzuplappern, was der Klient bereits gesagt hat, sondern das Mitschwingende, nicht Verbalisierte, zu verbalisieren. Die Beraterperson versucht „in die Haut des Klienten/in zu schlüpfen“, in seine/ ihre Welt einzutauchen. In einem zweiten Schritt soll das, was die Beraterperson wahrnimmt, ausgedrückt, „widergespiegelt“ werden und die Gefühlsbedeutungen gemeinsam herausgearbeitet werden. Empathie ist ein Prozess, bei dem beide in einen Dialog treten. Die Beraterperson greift unerschrocken und unvoreingenommen Mitgeteiltes oder Nicht Mitgeteiltes auf, dem die Klientin erschrocken gegenübersteht. Dadurch kann diese Beziehung zu ihrem Inneren aufnehmen. Die Erfahrung, von jemandem verstanden und akzeptiert zu werden, gilt als heilsame Erfahrung (Beispiel) und fördert den Prozess der Selbstakzeptanz.

Echtheit, Selbstkongruenz

In einem ständigen Prozess er Selbsterfahrung weiß die Beraterperson über ihre eigenen Empfindungen Bescheid. Diese Empfindungen teilt sie teilweise dem Klienten mit und zwar in den Fällen, in den sie es für sinnvoll hält (siehe auch Psychoanalyse: Gegenübertragung). Sie wird dadurch in ihren Empfindungen transparent, ist keine Fassade, es findet eine Begegnung von Person zu Person statt. Echtheit heißt nicht, dass ich über meine Probleme spreche, sondern dass ich das, was im Moment die Beziehung zum Klienten beeinflusst wahrnehme und dem Klienten mitteile, wenn ich meine, dass diese Mitteilung den Klienten in seinem Prozess der Auseinandersetzung mit sich selbst weiterbringt.

Rogers selbst bewertet dieses letzte Merkmal eines hilfreichen Gesprächs als das wichtigste, aber auch am schwierigsten zu verwirklichende Merkmal.

Was passiert, wenn die Beraterperson diese drei Merkmale im Beratungsgespräch realisiert?

Die/der Klient/in wird zunehmend freier im Ausdruck der Gefühle und beginnt sich selbst zu explorieren: Prozess der Selbstexploration. Er/sie beginnt, sein Selbstkonzept neu aufzubauen, d. h. Erfahrungen nicht abzuwehren, sondern als stimmig mit seinem Selbstkonzept zu erleben. Er sieht sich zunehmend selbst als Bezugspunkt und Maßstab für Bewertungen und kann übernommene Werthaltungen ablegen. Es beginnt ein fortschreitender Prozess zum eigenen Erleben.

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