Gesprächstherapie

Gesprächstherapie

Stand: 02.04.2015

Carl Ransom Rogers (* 8. Januar 1902 in Oak Park, Illinois, einem Vorort von Chicago; ? 4. Februar 1987 in La Jolla, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Psychologe und Psychotherapeut. Nachdem er 1963 seinen Lehrauftrag als Professor für Psychologie und Psychiatrie an der Universität von Wisconsin zurückgegeben hatte, gründete er in La Jolla, Kalifornien, das Center for the Study of the Person.

Seine von einem humanistischen Menschenbild geprägten Arbeiten wirken in viele Bereiche der angewandten Psychologie, Soziologie, Pädagogik, Sozialen Arbeit, Seelsorge und Medizin hinein. Insbesondere geht auf ihn die Entwicklung der Gesprächstherapie zurück.

Rogers legt besonderen Wert auf Begegnung im voll-menschlichen Sinn - d. h. unter Einschluss der emotionalen Ebene, der nonverbalen Äußerungen, des gegenseitigen prinzipiellen Wohlwollens. Er hat das Konzept des Encounter = der Begegnung entwickelt, sowie jene Definition von "Gefühl", die zu Empathie, also einer Haltung verstehenden Zuhörens führt:

Gefühl ist eine spontane innere Reaktion in mir - auf eine Person, eine Örtlichkeit oder eine Situation, die ich erlebe oder an die ich denke.

Besondere Anliegen Rogers' waren

  • gute gegenseitige Beziehungen zwischen Eltern und ihren Kindern, und
  • stabile, vertrauensvolle Beziehungen zwischen Ehepartnern, die auch an Konflikten weiter wachsen können.

Rogers war nicht nur selbst gefragter Psychotherapeut, sondern gründete und erlebte viele Encounter-Gruppen (der Begriff stammt von Viktor Frankl), schrieb motivierende Bücher, hielt Vorträge und vieles mehr. Zu Rogers' Nachfolgern zählen u. a. Eugene T. Gendlin als Nachfolger an der Universität von Wisconsin, Peter F. Schmid, Dr. Marshall B. Rosenberg und Thomas Gordon, alle vier Autoren bekannter Fachbücher.

Die Nichtdirektive Gesprächspsychotherapie nach Rogers wurde insbesondere von dem Psychotherapeuten-Ehepaar Tausch/Tausch (Universität Hamburg) eingeführt. Diese rezipierten zunächst ein mechanistischen Modell von Rogers, revidierten ihren Ansatz aber später grundlegend. Später hat die Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächspsychotherapie die Therapeutenausbildung und Weiterentwicklung des Ansatzes übernommen.

Anders als viele andere Psychotherapeuten sah Rogers von Grund an das Gute im Menschen. Zitat Der Mensch ist gut.

Dieser von ihm geschaffene klientenzentrierte Ansatz ist heute u. a. sowohl fester Bestandteil der Gesprächsführung im Rahmen von Therapiegesprächen, als auch in der generellen Gesprächsführung der alltäglichen pädagogischen Arbeit mit Klienten.

Sein letztes Lebensjahrzehnt widmete Rogers im Rahmen des CSP-Peace Projektes vielfältigen Aktivitäten zur Friedensicherung. Im Grunde machte er internationale politische Mediation.

Die nicht-direktive Gesprächpsychotherapie

Rogers ist der Begründer der nicht-direktiven Gesprächpsychotherapie. Rogers fertigte als erster Gesprächsprotokolle von therapeutischen Gesprächen und versuchte herauszufinden, wann er in der therapeutischen Situation hilfreich sein konnte. Das zentrale Merkmal ist für Rogers "das Zutagefördern jener Gedanken und Einstellungen, Gefühle und emotionell belasteten Impulse, die sich um die Probleme und Konflikte des Individuums konzentrieren. ... Der Berater muss wirklich imstande sein, dem Klienten die Freisetzung zu ermöglichen, damit es zu einem angemessenen Ausdruck der grundlegenden Probleme seiner situation kommt." (Carl Rogers: Die nicht direktive Beratung. München 1972; Original: Counselling and Psychotherapie. Boston 1942, S. 123)

Im Therapieprozess steht die Suche des Klienten nach Hilfe am Beginn. Damit versucht er natürlich, die Verantwortung für die Lösung seiner Probleme dem Berater/Therapeuten zuzuschieben.

Im Zweiten Schritt, in dem dieser definiert, dass der Berater keine Patentlösung hat, aber in den Sitzungen dem Klienten helfen will, Lösungen zu erarbeiten, kommt es im gelungenen Gespräch dazu, dass der Klient wieder die Verantwortung für seine Probleme übernimmt. Er schildert dem Therapeuten seine Probleme, und dieser ermutigt ihn dazu, alle Gedanken und Gefühle auszudrücken. In dieser Phase akzeptiert der Berater die Erklärungen des Klienten und versucht diesem zu einer klareren Sicht seiner Probleme zu verhelfen: Er verbalisiert das, was der Klient ausgedrückt hat - auch vor allem in Bezug auf die Gefühle - so dass dieser sich im idealfall vollkommen verstanden fühlt: "Ja, genau so habe ich es gemeint."

Durch das tiefe Verstehen kann sich der Klient mit der Zeit öffnen und neben seinen negativen Gefühlen auch positive Gefühle entdecken. Der Berater hilft dem Klienten auch hier, diese positiven Gefühle bewusst wahrzunehmen, er akzeptiert sie in gleicher Weise wie vorher die negativen Gefühle.

Diesem Prozessschritt folgt die Entwicklung positiver Impulse und kleiner Schritte mit neuen Erfahrungen unter dem Eindruck dieser positiven Impulse. Schließlich entwickelt der Klient Einsicht in sein so sein, wie er ist, und kann nun mit dem Berater daran gehen, zu überlegen, wie und was er ändern möchte. Die Funktion des Beraters besteht darin, "die verschiedenen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zu klären und die Angst und die Mutlosigkeit, die das Individuum fühlt, anzuerkennen. Seine Funktion ist es nicht, zu einem bestimmten Ablauf zu drängen oder Ratschläge zu erteilen" (Carl Rogers: Die nicht direktive Beratung. München 1972; Original: Counselling and Psychotherapie. Boston, 1942 S. 47f).

Schließlich folgen den positiven Gefühle auch Handlungen in die neue Richtung, die das Individuum einschlagen will. Da das Individuum ja selbst diese Handlungen entwickelt hat, mit dem Berater für und wider durchgespielt hat, überlegt hat, was ist wenn... ist die Aussicht auf erfolgreiches Handeln überwältigend groß. Rogers beschreibt das als einen der faszinierendsten Aspekte dieser Therapie.

Mit diesem Erfolg beginnt das Individuum neues Vertrauen in sich zu fassen. Die Einsicht in sein "früheres" Handeln nimmt zu, und neues, verändertes Handeln wird immer mehr möglich.

Dies führt zu steigender Unabhängigkeit vom Therapeuten und schließlich zur Beendigung der Therapie.

Der hier skizzierte Ablauf bestätigte sich in der systematischen Erforschung hilfreicher Beziehungen mit dem Ansatz der nichtdirektiven Beratung.

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