Forced Use

Forced Use

Stand: 02.04.2015

auch bekannt als Constraint Induced Movement-Therapie, Bewegungsinduktionstherapie nach Taub, Taub'sches Bewegungs-Training oder CI Therapie.

Was ist 'Forced-use'?

Direkt übersetzt: 'erzwungener Gebrauch'. Begriff aus der therapeutischen Forschung, der eine Behandlungsform bezeichnet, die erfolgreich bei Schlaganfallklienten mit halbseitigen Lähmungen angewendet wird: Das gesunde Körperteil wird für die Dauer der Behandlung künstlich 'unbrauchbar 'gemacht (durch Wegbinden an den Körper fixiert). Auf diese Weise ist der Klient 'gezwungen', das betroffene Körperteil zu benutzen, um vorgegebene Bewegungsübungen auszuführen. Im 'Forced-use? wird der Anreiz zur Bewegung vom Therapeuten überwiegend mündlich gegeben.

Was soll erreicht werden?

Das Ziel ist der häufigere und bessere Einsatz der betroffenen Extremität im Alltag und die Wiederherstellung alter Funktionen. Deshalb sollen Sie

  • Bewegungen (wieder) ausführen lernen
  • dieses Bewegungsverhalten auch regelmäßig selbständig anwenden können
  • eine Verbesserung der motorischen Funktionen erreichen.

Wie sind die Erfolgsaussichten und wann kann damit begonnen werden?

In der ersten Phase nach dem Ereignis sind die Erfolge am schnellsten sichtbar, da hier noch kein ?Nichtgebrauch? erlernt wurde ? deshalb wäre ein sofortiger Therapiebeginn ideal. Aber auch lang zurückliegende Schlaganfälle haben die gleiche Aussicht auf Funktionsverbesserung bzw. Wiederherstellung. Einzige Einschränkung sind bis dahin evtl. entstandene orthopädische Veränderungen, die in ihrer Therapie etwas mehr Zeit benötigen.

Wie setzen wir 'Forced-use' in unserem Behandlungskonzept ein?

Wir kombinieren in unserer Praxis die Erkenntnisse des Bobath-Konzepts, des 'Forced-use', der allgemeinen Hirnforschung und die Techniken der Manuellen Therapie zur Mobilisation: Unsere Intensivtherapie im Bereich Neurologie vereint die Vorteile dieser vier Ansätze zu der sci-ART?. Wir bringen unsere Klienten in eine Situation, in der das Bein oder der Arm benutzt werden muss. Stützfunktionen werden unter Sicherung der Therapeuten ausgeführt, Alltagsgegenstände werden mit einbezogen, es wird funktionell gearbeitet.

In der Therapie wird unter anderem der gesunde Arm weggebunden, so dass sie auch 'gezwungen' werden, ihren betroffenen Arm zu gebrauchen. Viel Wert wird auf die sensomotorisch-funktionelle Einzelbehandlung gelegt, wobei die angebahnten Arm- und Handfunktionen aktiv und möglichst zweckgebunden eingesetzt werden.

Wesentliche Erfolgsfaktoren

Der Erfolg wird

  • von der Motivation des Klienten
  • vom Verhalten der Angehörigen und
  • von bestehenden orthopädischen Beeinträchtigungen

beeinflusst.

Sie bringen den Willen mit, neu zu lernen und zu verändern. Wir schaffen mit Ihnen Erfolgserlebnisse, machen Ihnen Mut, geben Zuspruch und positive Verstärkung.

Wissenschaftlicher Hintergrund

Die Integration der 'Forced-use'?Therapie in unserem Behandlungskonzept hat drei wissenschaftlich-therapeutische Säulen:

  • das klassische Bobath-Konzept
  • neueste Ergebnisse aus der Hirnforschung und aus aktuellen Studien.
    Hier ist besonders die Arbeit der Bobathinstruktoren Susan Woll und Jan Utley, Los Angeles, bedeutsam. Sie haben erstmals die therapeutischen Erkenntnisse des weiterentwickelten Bobathkonzeptes mit den Elementen der Forced-use-Therapie kombiniert, wissenschaftlich untersucht und in der Rehabilitation von motorisch schwer betroffenen Klienten erfolgreich eingesetzt.
  • die Forschungsergebnisse aus den Jahren 1916 und in den ´70ern von Edgar Taub, aufgegriffen in den ´90ern von Morrison und inzwischen vielen anderen Therapeuten.

Edgar Taub, Psychologe und Neurowissenschaftler, konnte in den ´70ern die Forschungsergebnisse von 1916 bestätigen und genauso, wie seine Vorgänger, in Versuchsreihen an Affen die erstaunlichen Reorganisationsfähigkeiten des Nervensystems und des Gehirns belegen.

Die Versuchstiere waren auch nach schwersten neurologischen Schädigungen - halbseitigen Lähmungen wie bei Schlaganfallklienten ? in der Lage, den Gebrauch ihrer gelähmten Körperteile wieder zu erlernen. Dazu mussten sie lediglich über einen längeren Zeitraum gezwungen werden (durch Wegbinden des gesunden Körperteils) das betroffene Vorderbein zum Fressen, Trinken, Gehen usw. einzusetzen. Taub's Versuche belegten, dass der Nichtgebrauch einer einzelnen Extremität ein gelerntes Verhalten darstellt und auf eine konditionierte Verhaltensunterdrückung zurückzuführen ist.

Übertragen auf den Menschen bedeutet dies, dass die neurologische Schädigung und erlerntes Verhalten zusammen Ursache für den Nichtgebrauch einer Extremität sind. Dabei spielen Erfahrungen, die während der ersten Zeit nach dem Ereignis gemacht wurden, offenbar eine große Rolle:

Nach einem Schlaganfall werden in der ersten Zeit (zwischen wenigen Tagen bis zu 1-2 Wochen, in Ausnahmefällen auch länger) Bewegungsversuche unternommen, die lerntheoretisch mit Misserfolg gestraft werden: zum Beispiel endet der Versuch aufzustehen mit dem Sturz aus dem Bett; Bewegungsziele, wie das Erreichen des Wasserglases zum Trinken, werden nicht erreicht, etc..

Deshalb wird diese Zeit auch als Phase kortikalen Schocks bezeichnet. In der Folgezeit wird der Klient immer weniger Versuche unternehmen, bis schließlich die betroffene Seite im Alltag völlig vernachlässigt wird. Gleichzeitig lernt er mit der nicht betroffenen Seite alle notwendigen Bewegungen schneller und gezielter auszuführen: Es kommt durch Erfolgserlebnisse zu einer positiven Verstärkung. Die Kompensation auf der einen und die Verhaltensunterdrückung auf der anderen Seite, können zusätzlich noch mit einer Verstärkung durch die nächsten Bezugspersonen ? in bester Absicht - begünstigt werden. Überfürsorglichkeit verstärkt dieses Vermeidungsverhalten. Der Klient hat nun das Learned Nonuse- Syndrom entwickelt. Ein Beispiel aus einem Dritte Welt Land illustriert diesen 'Lernerfolg':

In Ländern, die kein soziales Netz haben, geht es nach einen Schlaganfall um das 'nackte' Überleben. Man m u s s lernen, Wasser aus dem Brunnen zu holen, der Toilettengang ist im Stehen, Hilfsmittel existieren nicht und hilfreiche Menschen, die beim Ankleiden oder Essen helfen, sind nicht vorhanden. Es kommen ohne therapeutische Hilfe nur diese Funktionen wieder, die absolut notwendig sind, wie Laufen auf ebenen Gelände und die Fähigkeiten der Kompensation.

Wir müssen uns also bei Schlaganfallklienten immer wieder vor Augen halten, dass es ?gelernten Nichtgebrauch? (Learned Nonuse) gibt, dies aber mit Motivation, Verständnis und professioneller Hilfe, sowie durch entsprechende positive Verstärkung, für eine Nutzung in verschiedenen Situationen außer Kraft gesetzt werden kann.

Das Ziel ist der häufigere und bessere Einsatz der betroffenen Extremität im Alltag, mit dem Ziel der Wiederherstellung alter Funktionen. Als Erinnerungshilfe dient uns das Wegbinden der nicht betroffenen Extremität.

Verfasser dieses Artikels:
Zentrum der Rehabilitation Ruud Geerlofs
Physiotherapeut - Bobath-Therapeut- Manual Therapeut, 75177 Pforzheim

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