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Je länger - je lieber: Langfristige schwule und lesbische Bezieh


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31.10.2006

Ein Artikel von Florian Klampfer

<p>Ja, es ist m&ouml;glich: lange Zeit gemeinsam gl&uuml;cklich sein.
Leidenschaft allein reicht daf&uuml;r aber nicht aus. Zwei Hausbesuche  Text: Heike
Markus, Fotos: Barbara Dietl</p>
<p>Mehr zum Thema im Podcast unter www.siegessaeule.de</p>
<p>Das Arrangement sieht verdammt unromantisch aus. Ein kurzer Flur, zwei
T&uuml;ren &uuml;bereck, hinter den T&uuml;ren je ein Bett. In dem einen
schl&auml;ft Michael, in dem anderen Paul. Sie halten nicht H&auml;ndchen beim
Tr&auml;umen, sie liegen kein L&ouml;ffelchen beim Aufwachen. Seit vier Jahren
l&auml;uft das so. Und beide finden das gut. "Das gemeinsame Bett ist doch
blo&szlig; eine fixe Idee", sagt Michael und kichert. Eine Idee, die ziemlich
nervig sein kann: Wieso soll sich der Mensch jahrzehntelang nachts hin und her
w&auml;lzen, weil sein Partner schnarcht? Oder weil er noch ein Buch liest und das
Seitenumbl&auml;ttern so st&ouml;rend ist wie das Zischen einer
Espressomaschine?</p>
<p>Michael und Paul sind in diesem November zehn Jahre zusammen. Michael wird bald
60, er hat einen grauen Bart, einen runden Bauch und er lacht gern &uuml;ber das, was
er gerade erz&auml;hlt. Paul ist 40, gro&szlig;, schlank, sportlich. Gutaussehend.
Er redet bed&auml;chtiger als Michael. Und nicht so viel.</p>
<p>An den Wochenenden kriecht der, der zuerst aufwacht, zum anderen ins Bett. Dann
schlafen sie noch mal gemeinsam ein, f&uuml;r zwei, drei Stunden. "Und
f&uuml;r die &uuml;brige Zeit gibt es den Kuschelservice", sagt Michael mit
einem L&auml;cheln. Wenn einer von ihnen das Bed&uuml;rfnis danach hat. Nicht,
dass der Kuschelservice und die getrennten Betten eine zehnj&auml;hrige Beziehung
erkl&auml;ren k&ouml;nnten. Aber sie sind ein Baustein unter vielen in einem
Langzeitprojekt, das man gemeinhin Liebe nennt.</p>
<p>Glaubt man den Wissenschaftlern, dann geh&ouml;ren Paul und Michael mit ihrer
Lebensform zum schwulen Mainstream. Jenseits aller Klischees vom beziehungsresistenten
Schwulen haben Soziologen der Abteilung f&uuml;r Sexualforschung der Uni Hamburg
herausgefunden, dass es um das schwule Beziehungsleben gar nicht schlecht bestellt ist.
Sie fragten 776 M&auml;nner und Frauen nach ihrem Privatleben. Schwule wie
heterosexuelle M&auml;nner haben danach mit 30 Jahren etwa drei feste Partnerschaften
hinter sich. Heteros verbringen bis dahin durchschnittlich 6 Jahre in einer festen
Beziehung, Schwule gar 6,4. Es hei&szlig;t also Abschied nehmen vom Bild des einsamen
schwulen J&auml;gers.</p>
<p>Was Soziologen ebenso wissen wie Paartherapeuten und viele, die in einer
Beziehung stecken: Wer l&auml;nger als drei, vier Jahre mit einem anderen Menschen
zusammen ist, erkauft sich diese Liebe zumeist mit dem Verzicht auf Leidenschaft. Das gilt
f&uuml;r Lesben, Schwule und Heteros. Denn die Verliebtheit der ersten Wochen und
Monate w&uuml;rde sich nicht an getrennte Schlafzimmer und Kuscheleinheiten halten.
Sie begn&uuml;gt sich nicht mit Vertrautheit, Verl&auml;sslichkeit, Geborgenheit,
Gewohnheit " mit all dem also, was eine lange Beziehung gew&ouml;hnlich ausmacht.
Darum w&uuml;rde sie " paradoxerweise " in einer solchen Beziehung sogar
st&ouml;ren.</p>
<p>F&uuml;r den Beginn einer Beziehung aber ist Leidenschaft genau das Richtige.
Das behaupten jedenfalls Menschen, die sich beruflich mit dem Funktionieren und Scheitern
von Liebesbeziehungen besch&auml;ftigen. "Ich frage Paare immer nach dem Anfang
ihrer Geschichte", sagt die Psychologin und Paartherapeutin Stefanie Kunz. "Und
wenn sie dann erz&auml;hlen, dass es anfangs eigentlich eine recht n&uuml;chterne
Sache war und keine wirklich verliebt war, dann bin ich schon skeptisch."
Leidenschaft ist n&auml;mlich ein Gef&uuml;hl, auf das man sich sp&auml;ter
gemeinsam besinnen kann. Eine starke Erinnerung, die bindet. Eine Art
Gr&uuml;ndungsmythos. So wie Stonewall oder die Oktoberrevolution.</p>
<p>Wenn Paul und Michael ihren Gr&uuml;ndungsmythos beschw&ouml;ren, sehen
sie sich an und machen Pausen beim Reden. Es wirkt fast ein bisschen feierlich. Paul war
damals f&uuml;r ein paar Tage aus Z&uuml;rich nach Berlin gekommen, weil er dort
so etwas wie Freiheit vermutete. Er und sein bisheriger Freund hatten sich gerade
getrennt.</p>
<p>In der Sauna trifft Paul auf Michael. "Ich habe ihn gefragt, wo die
Ruher&auml;ume sind", erz&auml;hlt Paul. "Er unterstellt mir heute noch,
dass meine Naivit&auml;t nur gespielt war." Als die beiden sich sp&auml;ter
an der Bar unterhalten, geht das Sauna-Personal auf Zehenspitzen. Es folgt eine Nacht im
Hotel. Dann der Abschied am Bahnhof Zoo. "Du hast damals meine Handfl&auml;chen
gek&uuml;sst", sagt Michael und schaut Paul an. "Das hatte noch nie jemand
bei mir gemacht." Paul sagt: "Das alles war ein gewaltiger Ruck. Es hat mich
ersch&uuml;ttert." Vielleicht war es diese Ersch&uuml;tterung, die Paul dazu
brachte, seinen Job in Z&uuml;rich zu k&uuml;ndigen und nach Berlin zu ziehen.
Vielleicht war es dieser Ruck, an dem etwas sp&auml;ter Michaels Beziehung zu seinem
damaligen Freund zerbrach. Zugunsten einer Beziehung mit Paul.</p>
<p>Michael und Paul waren damals beide schon beziehungserfahren. Sie wussten in
etwa, was in einer Partnerschaft zu haben ist und was nicht. Das ist keine schlechte
Voraussetzung, wenn man es l&auml;nger miteinander aushalten will. Denn das, woran
viele Beziehungen schon nach kurzer Zeit scheitern, ist die Illusion, vom anderen alles
haben zu k&ouml;nnen " geilen Sex, Gleitschirmfliegen und die Vorliebe
f&uuml;r &ouml;sterreichische Literatur. "Es ist ein geradezu kindlicher
Wunsch", sagt Paartherapeut Florian Klampfer, der in seiner Praxis viele schwule
Paare ber&auml;t. "Und manche bleiben in dieser kindlichen Phase stecken."
Wer aber gelernt hat, Abschied zu nehmen von einigen der vielen W&uuml;nsche an den
geliebten Menschen und sie anderswo zu befriedigen, vergr&ouml;&szlig;ert seine
Chance auf eine lange Liebe. Vielleicht ist man mit 19, 20 dazu noch nicht in der Lage.
Man braucht, jenseits von Alter, eine gewisse F&auml;higkeit zur Selbstbetrachtung.
Gef&uuml;hle sind gut f&uuml;r eine Beziehung. Nachdenken auch.</p>
<p>Allerdings, so richtig dar&uuml;ber nachgedacht hatte Paul damals nicht, was
er von Michael haben konnte. Ihm war nur klar, dass er " bei aller Verliebtheit
" weiterhin auch mit anderen Sex haben wollte. Er sah, dass Michael einen Freund
hatte und trotzdem irgendwie auch mit ihm zusammen war, er sah die Vision einer offenen
Beziehung, einfach die M&ouml;glichkeit, mit anderen M&auml;nnern zu schlafen, und
er tat es ausgiebig. Das kannte Paul aus seiner vorherigen monogamen Beziehung nicht, und
das war genau, was er jetzt brauchte. Blo&szlig;: Michael fand es gar nicht toll, wenn
Paul vor seinen Augen mit irgendeinem Typen auf der Tanzfl&auml;che rumknutschte.
Beide mussten lernen, dass ihre offene Beziehung nur mit klaren Regeln funktioniert. Also:
m&ouml;glichst einmalige, mehr oder weniger anonyme Sexkontakte. Keine Anrufe am
n&auml;chsten Tag. Keine Briefe. Keine Leidenschaft.</p>
<p>Solche Regeln werden ausgehandelt. Sie sind nicht selbstverst&auml;ndlich. Es
gibt ja auch keine tradierte Institution f&uuml;r Homosexuelle, die so ein simples
Vorbild b&ouml;te wie etwa die Ehe. Die Eltern von Paul und von Michael
w&uuml;rden diese Idee wohl ziemlich merkw&uuml;rdig finden: dass man
tats&auml;chlich dar&uuml;ber spricht, wie man seine Beziehung f&uuml;hren
will. Dass man zum Beispiel miteinander &uuml;berlegt, ob man monogam sein will oder
nicht. Oder ob man in getrennten Zimmern schl&auml;ft. F&uuml;r Homosexuelle
dagegen ist das Verhandeln und Finden von Regeln mehr oder weniger
selbstverst&auml;ndlich. Sie werden von manchen Soziologen darum als Avantgarde einer
Lebensform bezeichnet, die zunehmend auch Heterosexuelle praktizieren. Denn auch Heteros
leben mittlerweile immer h&auml;ufiger in Beziehungen, die nicht von
&auml;u&szlig;eren Umst&auml;nden abh&auml;ngen (wie etwa die Ehe als
moralische Instanz oder Versorgungsgemeinschaft). Der Soziologe Anthony Giddens nennt
diese Lebensform "reine Beziehung" " weil sie sich allein durch
Gef&uuml;hle legitimiert.</p>
<p>Dumm nur, dass Gef&uuml;hle sich &auml;ndern. Und dass "reine
Beziehungen" darum ziemlich instabil sind. Wenn das erste gro&szlig;e
Gef&uuml;hl schwindet, geben viele das Projekt Langzeitliebe auf. Die Folge
hei&szlig;t dann "serielle Monogamie", also feste Beziehung, aber viele
hintereinander, immer nur f&uuml;r ein paar Jahre. Gerade in St&auml;dten wie
Berlin ist es ja auch kein Problem, den n&auml;chsten Partner zu finden. Das
Gl&uuml;cksangebot ist gro&szlig;.</p>
<p>Paarpsychologen wie Stefanie Kunz setzen darum auf ein Element jenseits von
Zweisamkeit, das den Liebenden Halt gibt " "ein Garten, ein Kind, das Engagement
in der Kirche, eine Firma, ein gemeinsam geschriebenes Buch". So etwas
erh&ouml;he die Bereitschaft, Frustration auszuhalten. Und gerade bei Lesben trage es
dazu bei, der gef&uuml;rchteten Symbiose, der blo&szlig;en Fixierung auf die
andere, zu entkommen.</p>
<p>Die Liebesgeschichte von Anne und Sybil klingt so, als h&auml;tten sie vor 13
Jahren mal bei Stefanie Kunz vorbeigeschaut, um sp&auml;ter alles richtig zu machen.
Oder als h&auml;tten sie ganz viele Ratgeber f&uuml;r die perfekte lesbische
Beziehung gelesen. "Wir haben aber gar keine Ratgeber und auch keine
Paartherapeutin", sagt Anne und lacht. Daf&uuml;r haben sie etwas ungemein
Wichtiges: ein gemeinsames Interesse. In ihrem Wohnzimmer steht eine ganze Wand voller
B&uuml;cher. Virginia Woolf, Paula Fox, Margriet de Moor.</p>
<p>Sybil und Anne haben sich in einem Germanistik-Seminar kennen gelernt. Bei Anne
traf sich die Examensarbeitsgruppe, Sybil kam fr&uuml;her als die anderen, sie setzte
sich auf die Fensterbank und rauchte Selbstgedrehte, Anne setzte sich dazu und rauchte
mit. Die Fensterbank war ziemlich eng. Man sprach &uuml;ber Nixen und Meerjungfrauen
als literarische Topoi, aber eigentlich ging es um etwas ganz anderes. Um etwas ziemlich
Unakademisches. "Sie sah so unglaublich gut aus", sagt Anne. "Diese
leuchtend blonden Haare. Und sie rauchte so mond&auml;n."</p>
<p>Anne hatte damals eine Freundin. Und die behielt sie auch, als sie schon mit
Sybil schlief. "Anfangs habe ich noch cool getan, aber das hat dann sehr schnell
nicht mehr gestimmt", sagt Sybil. Irgendwie gab es in den ersten f&uuml;nf Jahren
ihrer Beziehung einige dicke Krisen: wegen der anderen Frau, weil Anne wegen eines Jobs in
Ungarn lebte, wegen der Unf&auml;higkeit, sich f&uuml;reinander zu entscheiden.
"Zu einem Ja-Wort war ich mit Ende zwanzig noch nicht f&auml;hig", sagt
Anne. "Ich war eine klassische katholische Landpomeranze mit einem sp&auml;ten
Coming- out. Deshalb gab es in Sachen Frauen erst mal einen
Nachholbedarf."</p>
<p>Und dann war da doch noch die Illusion, die viel mit Jugend zu tun hat: dass das
Leben eigentlich noch einmal neu beginnen m&uuml;sse, dass man doch alles noch vor
sich habe und das, was man lebt, doch nur vorl&auml;ufig sei. Blo&szlig;: Wie kann
man im Hier und Jetzt gl&uuml;cklich sein, wenn das Gl&uuml;ck immer nur ein
zuk&uuml;nftiges zu sein scheint" Es brauchte seine Zeit (und ein gewisses
Alter), bis sich Anne f&uuml;r die Wirklichkeit entscheiden konnte. Und dann kam das
Ja-Wort, und zwar in besonders heftiger Form: Anne und Sybil zogen zusammen und
gr&uuml;ndeten&nbsp; eine Firma, ein Lektoratsb&uuml;ro. Der gemeinsame Laden
war f&uuml;r Anne wie ein gemeinsames Kind. Ein ganz gro&szlig;er Schritt.
"Ich kam ja aus der lesbischen Spa&szlig;gesellschaft, aus einem Uni-Ghetto, wo
eine Beziehung nichts mit dem Ernst des Lebens zu tun haben sollte."</p>
<p>Tats&auml;chlich geh&ouml;rt zum Gelingen einer Langzeitbeziehung eine
geh&ouml;rige Portion Ernsthaftigkeit. Und sie muss Platz bieten f&uuml;r das
profane Bed&uuml;rfnis nach Selbstverwirklichung. "Ich hatte Angst, dass ich nie
meinen Platz in der Gesellschaft finde, und schon gar nicht als Lesbe", sagt Anne.
"Und dann habe ich es doch geschafft, mit Sybil." Eine recht funktionale Form
von Partnerschaft. Eine Zweckgemeinschaft" "Nein", sagt Anne, "das ist
nicht funktional. Das ist Liebe." Und Sybil sagt: "Es ist eine erwachsene Form
von Liebe."</p>
<p>Was kann so eine erwachsene Liebe noch ersch&uuml;ttern" Die
Leidenschaft, nat&uuml;rlich. Oder, ganz simpel: Sex. "Nicht mehr miteinander
schlafen, das ist eines der Topthemen bei lesbischen Paaren", sagt Paartherapeutin
Stefanie Kunz. Und nicht nur bei Lesben. Auch viele schwule Paare haben irgendwann nur
noch wenig oder gar keinen Sex mehr miteinander. Denn Sex braucht Spannung, vielleicht
sogar Fremdheit. Ungl&uuml;cklicherweise finden gerade Frauen Spannung und Fremdheit
in ihren Beziehungen nicht besonders erstrebenswert. Das hat etwas mit ihrer Sozialisation
zu tun. Sie sind darauf ausgerichtet, Verbindungen herzustellen, Gemeinsamkeit,
N&auml;he. Und dann ist in puncto Sex irgendwann die Luft raus.</p>
<p>Eine einfache Probleml&ouml;sung hat Stefanie Kunz nicht parat.
"Begehren ist nicht etwas, das man holen oder bringen kann. Dar&uuml;ber hat man
keine Kontrolle." Aber wieso sollte man &uuml;berhaupt einer Sache nachjagen, die
nie wieder genau so sein wird wie am Anfang" Vielleicht w&auml;re es nicht dumm,
zu akzeptieren, was sich kaum &auml;ndern l&auml;sst - und daf&uuml;r ein
anderes Gl&uuml;ck zu begreifen.</p>
<p>"Es stimmt schon, wir haben seltener Sex miteinander als
fr&uuml;her", sagt Sybil. "Aber wir haben eine erotische Beziehung, und Sex
ist eine Form unter anderen. Wir flirten, machen uns Komplimente, gehen Standard tanzen.
Z&auml;rtlichkeit, Sex, F&uuml;rsorglichkeit", die Grenzen seien
flie&szlig;ender geworden, sagt Anne. Klar ist eine der anderen schon fremdgegangen.
Danach gab es Heulen und Z&auml;hneklappern. Die Beziehung stand auf der Kippe. Eine
Liebesbeziehung und ab und zu Aff&auml;ren, das w&auml;re sch&ouml;n, finden
beide. In der Realit&auml;t aber sei der Schaden immer gr&ouml;&szlig;er als
das, was man von einer Aff&auml;re habe.</p>
<p>Es scheint, als m&uuml;ssten gerade Lesben Verzicht &uuml;ben, wenn sie
eine lange Liebe wollen und nicht l&uuml;gen wollen. Jedenfalls die meisten. Oder fast
alle? Stefanie Kunz kennt viele Frauenpaare, die eine offene Beziehung versuchen. Aber sie
kennt kein Paar, wo das funktioniert.</p>
<p>Wenn Michael aus der Sauna nach Hause kommt und Paul umarmt und ihm sagt, wie
lieb er ihn hat, w&uuml;rde Paul nie an Michaels Worten zweifeln. Die offene Beziehung
der beiden - mit klaren Regeln - funktioniert tats&auml;chlich. Vertrautheit,
Intimit&auml;t w&uuml;rden von schwulen M&auml;nnern nicht vorwiegend
&uuml;ber Sex hergestellt, sagt Paartherapeut Florian Klampfer. "Das passiert
eher &uuml;ber Alltag, Gemeinsamkeiten, Rituale." Sex kann also eher von der
Partnerschaft abgekoppelt werden, ohne sie direkt zu gef&auml;hrden.</p>
<p>Das Problem mit der Leidenschaft der ersten Stunde wird dadurch allerdings auch
nicht gel&ouml;st - egal ob man nun nicht mehr miteinander schl&auml;ft und
daf&uuml;r mit anderen oder ob man so gut wie ganz auf Sex verzichtet. Wie aber kann
man das Abenteuer Liebe auch abenteuerlich leben" Ist das Bed&uuml;rfnis nach
Sicherheit wirklich so unvereinbar mit der Sehnsucht nach Leidenschaft?</p>
<p>Der Weg aus dem Dilemma k&ouml;nnte Ver&auml;nderung hei&szlig;en.
Zulassen, dass der andere nicht dem Bild entspricht, das man sich so gern von ihm macht.
Mal hinschauen, was im ach so gut bekannten Lebenspartner wirklich steckt. Anne zum
Beispiel geht seit zwei Jahren manchmal mit "ihren Jungs" weg. Dann
tr&auml;gt sie ein wei&szlig;es Hemd und einen Bart und hei&szlig;t Axel. Als
Typ ist Anne anders. Sie braucht nicht nett zu sein. Sie redet nicht so viel. Sybil hat
das mit dem Bart auch mal ausprobiert, nur zum Spa&szlig;. Mit Drag hat sie selbst
nicht viel zu tun. Aber sie findet Axel sexy.</p>
<p>Paul hat sich vor einiger Zeit selbstst&auml;ndig gemacht als Grafiker. Er
hatte Angst vor diesem Schritt. Und ihn trotzdem gewagt, auch, weil Michael ihn
unterst&uuml;tzte. Paul hat sich ver&auml;ndert seitdem, sagt Michael. Er ist
irgendwie selbstbewusster geworden. Unabh&auml;ngiger.</p>
<p>Ver&auml;nderung hei&szlig;t auch, dass die alten Rollen nicht mehr
funktionieren. Da wird der Nein-Sager, der Sex, N&auml;he, Zweisamkeit immer
zur&uuml;ckwies, pl&ouml;tzlich zum Ja-Sager. Da f&auml;ngt die Hilflose, die
sich immer bemuttern lie&szlig;, pl&ouml;tzlich an, f&uuml;r sich selbst zu
sorgen. Und macht die Bemutterung &uuml;berfl&uuml;ssig. Wenn solche Muster
aufbrechen, empfinden manche das als Bedrohung. Es macht Angst. Aber es macht auch
lebendig. Es zeigt, dass Sicherheit - wie ewige Leidenschaft - ein Wunschtraum ist. Und
dass die Wirklichkeit das Abenteuer ist.</p>
<p>B&uuml;cher zum Thema</p>
<p>Trotz seines stolzen Alters (Jahrgang 1995!) bleibt "Geliebte, Freundin,
Partnerin" der Klassiker in Sachen lesbische Beziehungen. Auf sympathisch
amerikanische Art halten die Autorinnen Merilee Clunis und Dorsey Green kein Problem
f&uuml;r unl&ouml;sbar und finden f&uuml;r jedes ein Beispiel aus ihrem
Therapeutinnenalltag. Ein gutes Buch f&uuml;r Einsteigerinnen. (Orlanda Frauenverlag,
267 S., vergriffen, aber z. B. bei Amazon erh&auml;ltlich)</p>
<p>Ein Mix aus Liebesgeschichte, erl&auml;uternden Hinweisen, handfesten Tipps
und Antworten auf h&auml;ufig gestellte Fragen - das ist "Gemeinsam zweisam. Der
Beziehungsratgeber f&uuml;r Schwule" von Carsten Heider. Die Tipps sind wirklich
sch&ouml;n, etwa: "F&uuml;lle einen Schuhkarton mit den banalen Zeugnissen
eurer gemeinsamen Zeit." Die alten Kino-Karten und E-Mails sind nach Jahren ein
Spa&szlig;! (Querverlag, 201 S., 14,90 Euro)</p>
<p>Hans Stempel und Martin Ripkens lernen sich in den 50er Jahren beim Cruisen
kennen - und leben bis heute zusammen. In ihrem Buch "Das Gl&uuml;ck ist kein
Haustier" erz&auml;hlen sie von den Vorz&uuml;gen einer offenen Beziehung und
einer gemeinsamen Arbeit - als Berater von Medienmogul Leo Kirch. Au&szlig;erdem
erf&auml;hrt man viel &uuml;ber die Kulturszene der letzten Jahrzehnte. (dtv, 256
Seiten, 9,50 Euro)</p>
<p>"Liebe. Eine Gebrauchsanweisung" ist ein ziemlich
irref&uuml;hrender Titel f&uuml;r diesen Streifzug durch die (Ideen-)Geschichte
der Liebe. Der Autor Umberto Galimberti ist Philosoph und Psychologe, und er schreibt auch
so - was die Lekt&uuml;re nicht gerade leicht, aber ungemein spannend macht. Nett,
wenn auch mal Rousseau, Sartre oder Nietzsche in Sachen Liebe zu Wort kommen. (C. H. Beck,
192 S., 14,90 Euro)</p>
<p>Was tuckst Du"! Das Thema muss weiter besprochen werden. M&uuml;ndet
Partnerschaft bei Lesben automatisch in Enthaltsamkeit, wie es das Schlagwort
"Lesbian Bed Death" nahelegt" Haben Schwule wirklich nur die Wahl zwischen
offener Beziehung und verlogener Monogamie" M&uuml;ssen Paare mit
Ratgeberliteratur das gemeinsame "Feuer sch&uuml;ren", wenn die Leidenschaft
erkaltet, oder gen&uuml;gt eine intime Freundschaft vielleicht auch" Wie wird die
Liebe gro&szlig; und stark, wenn die Schmetterlinge im Bauch verflogen sind"
"Was tuckst Du"!" Die Live-Show mit Sendungsbewusstsein"
k&uuml;mmert sich um diese Fragen. Siegess&auml;ule-Chefredakteur Holger Wicht und
Tastenfl&uuml;sterer Rainer Bielfeldt empfangen Paare, die viel zu erz&auml;hlen
haben, und lassen sich vom schwulen Paartherapeuten Florian Klampfer beraten. Stargast
Katharina Franck (ehemals Rainbirds) wird Auskunft geben, wie die Liebe zu besingen ist,
und genau das tun.</p>
<p>13.11., 20 Uhr,</p>
<p>Bar jeder Vernunft, 13,90 Euro</p>

Weitere Informationen:
http://www.siegessaeule.de/titel.shtml

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Aktuelle Termine und Veranstaltungen

01.06.2012Aufstellungen für Selbstfindung - innere Heilung (Adendorf bei Lüneburg)
02.06.2012Wie lasse ich mich finden (München)
13.06.2012Aufstellungen für Selbstfindung - innere Heilung (Unterschleißheim bei München)
06.07.2012Bilder und Geschichten der Seele für Aufstellung (Unterschleißheim bei München)
07.07.2012Aufstellungen für Selbstfindung - innere Heilung (Unterschleißheim bei München)
22.09.2012Aufstellungen für Selbstfindung - innere Heilung (Unterschleißheim bei München)
12.10.2012Bilder und Geschichten der Seele für Aufstellung (Adendorf bei Lüneburg)
12.10.2012Aufstellungen für Selbstfindung - innere Heilung (Adendorf bei Lüneburg)

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Kommentare zu Je länger - je lieber: Langfristige schwule und lesbische Bezieh

von: Marty M. http://www.beepworld.de/members67/homesick/

02.06.2007 12:18 Uhr

... Mich gibt es doch auch. Wieso also, wieso sollte es Dich nicht auch geben, irgendwo in diesem Universum wenigstens? Aber wenn ich Dich mit Suchbegriffen im google suche, dann lande ich meist irgendwie in der Literatur. Ich bin real, wieso kannst Du das nicht auch sein? - Immerhin, die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Marty


von: Holger Schreiber

14.04.2008 09:00 Uhr

Wer hier wieder frei nach Winston Churchill Statistiken gefälscht hat und sich eine kaputte Welt schönzureden versucht, würde ich gern mal konkret wissen.

Langfristige schwule Beziehungen. Dass ich nicht lache! Persönlich suche ihc seit 10 jahren eine und ich kann die Enttäuschungen, dummen herablassendem Verhalten psychisch gestörter junger Männer nciht mehr ertragen. Ich kenne genau eine glückliche schwule Beziehung und langfristig ist die auch noch nocht. Alles andere sind Schlampen, die weil ihnen die angebotenen Männer/Jungs nicht jung und schön genug sind, es mit jedem treiben , weil sie aus notgeilheit nicht anders können.
wenn dann auch der letzte Lack ab ist und man nur noch in Darkrooms Männern einen blasen kann, die man vorher besser nicht gesehen hat, findet man sich aus Verzweiflung zu Zweckgemeinschaften und nennt das Beziehung.
Ne Kinders. Die Entwicklungen der letzten Jahzehnte haben eines gezeigt: Der "Schwule" ist ein psychisch kranker Mensch, zumindest ist er extrem verhaltensauffällig und sein Verhalten führt zwangsläufig zu verschiedensten psychsichen Erkrankungen. Ein Schönreden und Verneinen wird hier keinem helfen !


von: Florian Klampfer http://www.beratungspraxis-klampfer.de

12.06.2008 04:33 Uhr

lieber holger,
voll interesse habe ich ihren kommentar gelesen. ich verstehe, dass sie extrem gefrustet sind und offenbar viele negative erlebnisse hatten. ich glaube ihnen auch, dass sie selbst keine paar kennen, die langfristig und glücklcih zusammen leben. zuletzt stimme ich ihnen zu, dass schwule männer häufig ein nähe-distanz-problem haben.
aufgrund ihrer negativerfahrung allerdings auf die allgemeinheit zu schließen und sogar - noch weiter zu gehen, schwule als psychisch krank zu bezeichnen - das zeugt von wenig reflexion.
ich wünsche ihnen wirklich von herzen, dass sie irgendwann einmal eine glückliche beziehung führen werden - dazu gehört aber auch, dass sie aufhören, sich selbst als schwulen mann zu stigmatisieren.
florian klampfer


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