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Immer noch lernen – und das in meinem Alter?


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17.05.2009

Ein Artikel von ** Profil gelöscht **

Die Forderung ist allgegenwärtig und heißt: Lebenslanges Lernen. Was soll das denn nun schon wieder? Genügt es nicht, im ersten Lebensfünftel mühsam in die Welt hineinzuwachsen, sich auf diversen Schulbänken herum zu drücken, bis man – endlich im Berufsleben angekommen – richtig Geld verdienen kann. Zumal der Weg dahin gepflastert ist mit Ratschlägen, Lebensweisheiten, Mahnungen und dergleichen. „Sitz still!“, „Pass auf!“, „Reiß dich zusammen!“, „Lehrjahre sind keine Herrenjahre!“, „Du lernst nicht für die Schule, du lernst für dein Leben!“ - wer kennst sie nicht, diese und andere wegweisende Äußerungen.

Auch mir ging es so. Dabei waren die Lehrjahre noch um einiges länger. Dann kam die weltgeschichtliche Wendung, der Fall der Berliner Mauer, das Ende der DDR und damit die von außen initiierte Forderung, sich völlig neu im Leben zu orientieren. Ich war damals 37 Jahre, zog mich in mein stilles Kämmerlein, um genau dies zu tun. Da stellte ich fest, ich hatte 21 Jahre die Schulbank gedrückt und – das war die mich damals bedrückende Erkenntnis – ich konnte das Gelernte nicht oder zumindest nicht unmittelbar gebrauchen.

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Also gar keine Frage, es musste ein neues Lernen her. Völlig veränderte soziale Gefüge, in denen ich meinen Platz bestimmen und finden musste. Auf einmal war ich für mich selbst verantwortlich, es war nichts mehr vorgezeichnet oder vorgegeben. Dann, ich habe mich gerade in der neuen Situation eingerichtet, muss ich lernen, dass nichts mehr sicher ist und für alle Zeiten (oder zumindest bis zur Rente) gilt. Da stehe ich nun, die Chancen sind nicht gestiegen und ich beschließe, mich als Unternehmer zu versuchen.

Wieder beginnt ein völlig neuer Lernvorgang. Gut, keiner kann mich mehr entlassen, aber dafür gibt es genügend andere Risiken, Unwägbarkeiten, Abhängigkeiten und, und, und ...

So kann ich für mich sagen: Ich habe in meinem Leben bisher immer gelernt, genüge also der anfänglich genannten Forderung nach lebenslangem Lernen. Was ich aber nicht übersehe, bei mir und bestimmt bei vielen anderen auch, ist es häufig der Zwang der Umstände gewesen, der zum Lernen führte.

Was ist aber mit denen, die seit Jahrzehnten in einem Job, in einer Firma, auf einem Posten festsitzen. Sie benötigen einen wesentlich größeren inneren Antrieb, weiter zu lernen. Was ist mit den jungen und alten Alten, die kürzlich oder längst aus dem Berufsleben ausgestiegen sind. Was ist mit jenen, die schon viel früher aus dem Berufsleben ausgestiegen wurden. Ich halte dies für eine fatale Situation. Was soll ich lernen, wenn ich nicht gebraucht werde? Wie soll ich begreifen, dass ich auch und gerade – je älter ich werde, desto stimmiger ist der Satz – jetzt für mich und für mein Leben lerne.

Es liegt in der Natur der Sache, wenn ich die 50 überschritten habe, werde ich mit meinem Alter ganz unmittelbar durch meine Eltern konfrontiert. Und ich sehe die Folgen fehlender Bewegung, nachlassender sozialer Kontakte und geringerer geistiger Anforderungen. Oder aber ich sehe, wie körperliche Betätigung, soziales Engagement, geistige Beschäftigung die Lebensqualität halten oder gar steigern. Da steht mein Entschluss fest: Ich lerne wirklich mein Leben lang, bis zum Ende.

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