Masern
24.10.2008
Ein Artikel von Markus Breitenberger
Masern – unterschätzte Gefahr oder übertriebene Sorge
In den vergangenen Monaten häufen sich in den Medien Artikel über die Kinderkrankheit Masern. Der offensive Stil der Berichterstattung, der sich in Überschriften wie „Epidemien der Fahrlässigkeit“ und „Deutschland als Keimschleuder“ andeutet, gibt Anlass zu untersuchen, wie sehr wir tatsächlich von dieser Krankheit bedroht sind.
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In Deutschland erkrankten im Jahr 2004 121, 2005 778 und bisher in 2006 ca. 1600 Menschen. Die Sterblichkeit an Masern in Deutschland lag in den 1990-er Jahren bei 0,005-0,01%, und damit kann die volksgesundheitliche Gefahr als gering eingeschätzt werden.
Wie kommt es dann, dass eine Kinderkrankheit wie die Masern die Gesundheitsbehörden zu solch großen organisatorischen und finanziellen Anstrengungen veranlasst? Für die derzeitige „Aufklärungs-Kampagne“ zu Masern gibt es im Wesentlichen drei Gründe. Politische, wirtschaftliche und medizinische Interessen sind im Gesundheitswesen untrennbar miteinander verwoben.
Die WHO hat 1984 beschlossen, bis zum Jahr 2000 neben Polio und Diphterie auch die Masern auszurotten. Theoretisch ist das tatsächlich möglich, da der Mensch bei diesen drei Infektionskrankheiten der einzige Wirt des jeweiligen Erregers ist. Daher könnte eine Immunität bei mindestens 95% der Bevölkerung über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten tatsächlich zu einer Eliminierung des Erregers führen. Wir sind aber im Jahr 2006 noch weit davon entfernt, das für 2000 angestrebte Ziel zu verwirklichen, da nur 65,7% der deutschen Kinder ausreichend immunisiert sind. Bei Erwachsenen ist von einer viel geringeren Prozentzahl auszugehen, da die Immunität nach der Impfung nachlässt, sich aber nicht alle Erwachsenen nachimpfen lassen. Nun wurde als Ziellinie das Jahr 2010 festgesetzt – für die Staaten, die sich der WHO verpflichtet haben, bleibt also nicht mehr viel Zeit. Die deutschen Gesundheitsbehörden sehen sich jetzt einem enormen Zeitdruck ausgesetzt, wollen sie nicht 2010 wieder von der WHO als `impfmüdes´ Land abgemahnt werden.
Und eben dieser Druck wird nun direkt weitergegeben an die Eltern, die sich erlauben, kritisch und differenziert über Impfungen nachzudenken. So fordert der deutsche Ärztetag im Mai 2006 eine Impfpflicht gegen Masern. Diese restriktive Forderung wird dazu führen, dass staatlich geförderte Krippen, Kindergärten und Schulen in Zukunft nur noch gegen Masern geimpfte Kinder aufnehmen werden. Ungeimpfte, die in Kontakt mit einer an Masern erkrankten Person stehen, dürfen schon heute Gemeinschaftseinrichtungen nicht mehr besuchen, was bei Familien mit mehreren Kindern zu Härtefällen durch lange Fehlzeiten in der Schule beiträgt. Impfkritischen Ärzten, die sich dazu öffentlich äußern, werden berufsrechtliche Schritte seitens der Ärztekammer angedroht.
Darüber hinaus unterliegen öffentliche Empfehlungen im Gesundheitswesen auch immer noch einem großen Einfluss verschiedener wirtschaftlicher Interessensvertreter.
Die medizinische Behandlung von Masern ist für die Krankenkassen deutlich teuerer als die Impfung. Eltern, die ein erkranktes Kind pflegen, tragen in dieser Zeit nicht zur Steigerung des Bruttosozialprodukts bei. Gerade bei den Kinderkrankheiten zeigt sich, wie das Wissen um die Sinnhaftigkeit von Entwicklungsprozessen, die durch Krankheitsphasen angestoßen werden, immer mehr verdrängt wird von der Auffassung, Krankheit sei eine lästige `Betriebsstörung´. Wir leben in einer Gesellschaft, in der allzeit einsatzbereite, doppelverdienende Eltern gefordert sind, auch wenn die Interessen der heranwachsenden Generation dabei grob vernachlässigt werden. Wer hier wirklich gefährlich erkrankt ist, wird sich noch zeigen. Sind es die Kinder, die Masern bekommen? Oder ist es vielmehr eine Gesellschaft, die zu restriktiven Maßnahmen greift, um kurzfristige Erfolge zu feiern und dabei die langfristigen und womöglich fatalen Folgen ignoriert?
Welche medizinischen Argumente sprechen für oder gegen eine Masernimpfung und können aus einer Impfung neue Probleme resultieren?
Die Impfung wird seit 1973 öffentlich empfohlen, um Komplikationen wie die Entzündung des Mittelohrs und der Lunge zu vermeiden. Eine Gehirnentzündung tritt bei einem von tausend Erkrankten auf. Die sog. SSPE (subakute sklerosierende Panenzephalitis) als besonders gefürchtete Form der Hirnentzündung kann bei einem von 1 Mio. Erkrankten nach 6-8 Jahren auftreten und verläuft dann sehr schwer.
Komplikationen haben aber immer eine Vorgeschichte, wie z.B. ein geschwächtes Immunsystem oder eine unsachgemässe Behandlung.
Wenn initial auftretendes Fieber und damit der gewöhnlich auftretende Hautausschlag unterdrückt wird, führt das häufig dazu, dass die Krankheit `nach innen schlägt´ und das Gehirn befällt. Diese gefährliche Metamorphose von Hautausschlag zu Gehirnentzündung lässt sich erklären durch die Keimblattlehre der Embryologie. Haut und Nerven-Sinnes-System entstehen aus dem sog. „Ektoderm“, einem der drei Keimblätter, aus dem sich alle Zellen und Organe differenzieren, und stehen ein Leben lang in kausaler Wechselwirkung. Wenn nun an einer Stelle dieses Systems etwas unterdrückt wird (Hautausschlag), tritt es an anderer Stelle in Erscheinung (Gehirnentzündung). Vielleicht hatten unsere Großeltern noch weniger Angst vor Masernkomplikationen, weil sie aus Erfahrung um diesen Zusammenhang wussten und viel Aufmerksamkeit darauf richteten, den Ausschlag durch Hautreibungen, `Salzhemden´ etc. zu fördern, um Komplikationen zu vermeiden. Auch ist bekannt, dass sogar die beginnende Gehirnentzündung durch das Auftreten des typischen Hautausschlags bei Masern ausheilen kann.
Nun wird aber von Befürwortern der Impfung versucht, solcherlei Überlegungen als überflüssig darzustellen, indem Kinderkrankheiten als Übel ohne Nutzen dargestellt werden, das wir unseren Kindern besser ersparen sollten.
Es wird behauptet, dass:
- die Impfung eine abgeschwächte Infektion unter kontrollierten Bedingungen hervorruft und die gleiche Antwort des Immunsystems wie die Erkrankung erzielt.
- durch die fahrlässigen Impflücken immer mehr Säuglinge und Erwachsene gefährdet werden.
- die Impfungen weitgehend frei von Nebenwirkungen und unbedenklich sind.
- es keinen Grund gibt, an den Vorteilen einer globalen Masernvirus-Eliminierung zu zweifeln.
Wenn all diese für eine Impfung sprechenden Argumente zuträfen, würde jeder kritische Standpunkt tatsächlich als unverständlich und fahrlässig erscheinen müssen.
Im Folgenden soll zu jedem dieser Argumente Stellung bezogen werden.
zu 1.: Die Impfung ruft eine abgeschwächte Infektion, die sog. „Impf-Masern“ hervor, und das Immunsystem reagiert auf diesen schwächeren Reiz mit einer schwächeren Antwort als nach Kontakt mit dem Masern-Wildvirus. Die im Blut gemessenen Antikörper-Werte sind nach der Impfung immer niedriger als nach der Infektionskrankheit. So besteht nach überstandener Masern-Erkrankung ein lebenslanger Schutz, Zweiterkrankungen sind äußerst selten. Dem entgegen müssen die Impfungen lebenslang immer wieder aufgefrischt werden, weil die Immunität nachlässt.
zu 2.: Dieser entscheidende Unterschied zwischen Impfung und Infektionskrankheit trägt dazu bei, dass in Ländern mit hohen Impfraten die Masernerkrankungen bei Säuglingen und Erwachsenen erheblich zunehmen. Eine eigentliche Kinderkrankheit, die typischerweise zwischen dem 3.-7. Lebensjahr auftritt, wird nun häufiger bei Erwachsenen und Säuglingen und dann mit einem viel größeren Komplikationsrisiko diagnostiziert. Dürften Kinder typische Kinderkrankheiten wieder bekommen, könnte dieses Risiko vermieden werden. Ungeimpfte, die in der Adoleszenz noch keinen positiven Antikörper-Titer im Blut aufweisen, könnten dann als Jugendliche mit viel geringeren Nebenwirkungen geimpft werden, um nicht im Erwachsenenalter zu erkranken.
Gestillte Säuglinge erkranken in den ersten neun Monaten nicht an Masern, wenn die Mutter Masern hatte („Nestschutz“). Bei Kindern maserngeimpfter Mütter kann kein „Nestschutz“ vermittelt werden, und so kommt es zu einem prozentualen Anstieg der Masern im Säuglingsalter mit schweren Verlaufsformen. Nicht wegen der Impflücken, sondern eben wegen der Impfung, durch die ein von der Natur vorgesehenen Schutz ausgehebelt wurde.
zu 3.: Um Nebenwirkungen einer Impfung umfassend zu erkennen, reicht es nicht aus, die unmittelbar nach der Impfung auftretenden Reaktionen wie Allergien, Krampfanfälle, Entwicklungsrückschritte- und Verzögerungen etc. zu dokumentieren. Wir wissen heute noch nicht, welche komplexen Auswirkungen Impfungen für zukünftige Generationen haben und es scheint, dass die Euphorie über das Machbare den kritischen Blick auf mögliche ungewünschte Folgen trübt. Mancher sogenannte medizinische Fortschritt wird in der Zukunft die Menschen nicht weniger, sonders nur anders krank machen. Die Menschen und gerade die Kinder sind nicht gesünder geworden in den vergangenen Jahrzehnten, trotz oder wegen der massiven Anwendung von Medikamenten gerade im 1. Lebensjahr, wobei zu bemerken bleibt, dass 90% der hier verordneten Medikamente für diese Altersgruppe nicht zugelassen sind.
Impfungen beeinflussen das Immunsystems in einer Entwicklungsphase, in der es sich langsam ausbildet, differenziert und dabei äußerst störungsanfällig ist. Ein Immuntraining ist wie jedes Training nur dann sinnvoll, wenn Zeitpunkt und Maß der Übung angemessen sind. Impfungen sollen im 3. Lebensmonat die körpereigene Abwehr gegen 10 Krankheiten auf einmal trainieren – da liegt der Verdacht nahe, dass das in einigen Fällen zu einer Erschöpfung bzw. Störung des Immunsystems führen kann.
Die Zunahme an sog. `atopischen Erkrankungen´ im Kindesalter, wie Neurodermitis (ca. 20% aller Kinder; 80% erkranken bereits im 1. Lebensjahr), Heuschnupfen (ca. 15% aller Kinder) und allergisches Asthma bronchiale (ca. 10% aller Kinder) zeugt von einer zunehmenden Sensibilität und Irritabilität des Immunsystems.
Alarmierend ist auch der Anstieg der sog. `Autoaggressions-Krankheiten´, die heute zahlenmäßig die häufigsten chronischen Erkrankungen darstellen und die gemeinsam haben, dass vom eigenen Abwehrsystem Antikörper gegen körpereigenes Gewebe gebildet werden, d.h. der Organismus scheint sich selbst fremd zu werden. Bei diesen Krankheitsformen muss irgendwann eine massive Irritation des Immunsystems stattgefunden haben.
Die tiefgreifendste Veränderung durch die Impfung ist die Beeinflussung der Krankheits-Polarität Entzündung – Sklerose. Die Krankheiten haben sich gewandelt von hochfieberhaften bakteriellen Infektionen des Blut- und Stoffwechselsystems zu `kalten´ viralen, chronischen Erkrankungen, v.a. des Nervensystems. Die Abnahme der fieberhaften Erkrankungen wird erkauft durch eine Reaktionsschwäche des Organismus, eine Anergie, die immer als Vorstufe zur Allergie (Überreaktion des Immunsystems) und Krebs (Kapitulation des Immunsystems) auftritt. Man könnte also vermuten, dass durch die Impfung relativ harmlose entzündliche Krankheiten verhindert werden, dadurch aber schwersten sklerotischen Erkrankungen, zu denen auch die Krebserkrankung zählt, Vorschub geleistet wird. Dies soll nicht heißen, dass Impfungen Krebs verursachen, wohl aber an einem so multifaktoriellen Geschehen beteiligt sein können. Studien zeigen (Albonico et al. 1998), dass sich das Krebsrisiko nach einer Masernerkrankung in der Kindheit auf Lebenszeit um 20% verringert.
zu 4.: Warum lassen wir uns nicht einfach alle gegen Masern impfen und warum sind noch immer ein Drittel der Eltern gegen die Masernimpfung und damit gegen die Eliminierung des Masernvirus? Im vorangegangenen Punkt 3 wurden schon einige Argumente aufgeführt, die eher auf eine Verschiebung statt eine Eliminierung der vermeintlichen Gefahr hindeuten. Wenn tatsächlich irgendwann kein Masernwildvirus mehr in der Natur identifiziert werden kann, bedeutet das noch nicht, dass die Menschen dadurch gesünder geworden sind. Eine Studie zur Masernimpfung in Finnland konnte nach massenhafter Impfung keinen Rückgang von Gehirnentzündungen mit Defektheilung feststellen (Koskiniemi et al. 1997). Durch die sog. `molekulare Mimikri´ hatten nur die Erreger gewechselt. Ähnliches konnte bei uns auch nach der Impfung gegen Hib (Haemophilus influenzae b) beobachtet werden.
Die Medizin unserer Tage definiert `Gesundheit´ i.e.S. als einen „Zustand, in dem Erkrankungen und pathologische Veränderungen nicht nachgewiesen werden können“ (Pschyrembel). Zum einen wird dabei der Aspekt der Krankheits-Verschiebung nicht berücksichtigt, zum anderen ist das natürlich eine sehr beschränkte Sichtweise. Epidemiologische und statistische Wahr-scheinlichkeiten, die zu Impfempfehlungen führen, sollten als ein Teil der Wirklichkeit gesehen werden, aber um verlässliche Aussagen über Gesundheit zu bekommen, brauchen wir mehr als das.
Ausgeglichene Gesundheit ist nur möglich, wenn wir zumutbares Kranksein und Krisis akzeptieren. Krankheit ist gerade bei Kindern oft Mittel zum Zweck, um eine Neuordnung herzustellen. Tatsächlich erlebt man nach den Masern bei genauer Betrachtung des Kindes beinahe immer eine auffallende Veränderung in Verhalten und (Gesichts-) Ausdruck. Das Kind wirkt als eigenständiges Wesen mehr auf dieser Welt angekommen. Entwicklungsprozesse sind aber immer auch mit Unwägbarkeiten verbunden und es ist die Herausforderung für Eltern und Mediziner sich dieser Unsicherheit zu stellen. Gerade die Kinderkrankheiten sind Kennzeichen wichtiger Umformungsprozesse und eine Impfpflicht richtet sich sowohl gegen freie, wie individuelle Entscheidung und Entwicklung.
Das Projekt der Maserneliminierung kann nur mit viel Demagogie, Fehlinformation bezüglich der Gefahren und Zwang durchgesetzt werden, anders wird man keine jahrzehntelange Immunität von min. 95% der Bevölkerung erreichen. Quarantänemaßnahmen bei Ungeimpften sind ein erheblicher Eingriff ins Persönlichkeitsrecht. Das führt, wie sich schon heute abzeichnet, zu wachsendem Vertrauensschwund zwischen Patienten und Ärzten. Die berechtigte Skepsis gegenüber (Zwangs-) Impfungen bei klassischen Kinderkrankheiten, wirkt sich dann negativ aus auf die Impfbeteiligung bei wirklich wichtigen Impfungen, wie z.B. gegen Tetanus, und setzt die Glaubhaftigkeit von Entscheidungsträgern im Gesundheitswesen (unnötig) aufs Spiel. Die Lebenserwartung wird heute in Mitteleuropa kaum noch von Infektionskrankheiten beeinträchtigt und es gäbe weitaus sinnvollere und kostengünstigere Möglichkeiten sich für die Gesundheit unserer Kinder zu engagieren, denken wir z.B. an die vielen Krankheiten, die in unserer Gesellschaft durch rücksichtsloses (Passiv-) Rauchen entstehen und durch entsprechende Verordnungen vermieden werden könnten. Hier zeigt sich leider wieder, wie öffentliche Gesundheits-Empfehlungen nicht ausschliesslich auf medizinischen, sondern auch auf politischen und wirtschaftlichen Interessen basieren.
Bis jetzt bleibt es jedem Einzelnen überlassen zu entscheiden, ob das Ziel der Masern-Eliminierung in angemessenem Verhältnis steht zu den dafür nötigen zwanghaften Anstrengungen und den neuen Problemstellungen, die sich daraus ergeben.
Weitere Informationen:
http://www.praxis-breitenberger.de
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