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Mehrsprachigkeit als Chance


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04.05.2008

Ein Artikel von Janina Scholz

Mehrsprachigkeit als Chance

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Wir leben in Deutschland in einer multikulturellen Gemeinschaft. Dieses Gemisch aus Lebensweisen, Kulturen und Sprachen birgt Schwierigkeiten und Chancen gleichermaßen. Insbesondere die verschiedenen Sprachen stellen im kommunikativen Miteinander oft große Hürden dar.

Familien aus anderen Sprachräumen müssen sich häufig zunächst ohne jegliche Deutschkenntnisse in der neuen Heimat zurechtfinden. Viele empfinden diesen Zustand als unzumutbar und begeben sich auf die Suche nach einem Deutsch-Kurs. Je nach Wohnort ergeben sich jedoch kaum Verständigungsprobleme. In Siedlungen mit hohen Ausländeranteilen bilden sich automatisch Gesellschaftsstrukturen heraus, in denen die Neuankömmlinge sofort unter sich sind, und deutsche Sprache und Kultur vor der Tür bleiben.

Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund stehen vor dem Problem, zwei Sprachen zeitgleich erlernen zu müssen. Hier kollidieren neben unterschiedlichen Lautsystemen, Grammatiken und Wortschätzen auch die Wertungen der Sprachen innerhalb des kindlichen Umfeldes.

Oftmals wird, wie oben beschrieben, die eigene Landessprache bevorzugt und zur Kommunikation innerhalb der Familie ausschließlich genutzt. In diesem Fall besteht für die Kinder im Kindergartenbesuch die erste Chance, sich der deutschen Sprache zu nähern. Zum Zeitpunkt des Eintritts in den Kindergarten (drittes bis viertes Lebensjahr) ist ein Großteil der ?normalen? Sprachentwicklung jedoch bereits abgeschlossen, d.h., dass das Erlernen der Zweitsprache mit erheblichem Mehraufwand verbunden ist. Erschwerend kommt ggf. die Tatsache hinzu, dass der Kindergarten auch weiterhin die einzig deutschsprachige Situation für das Kind bleibt, es Gelerntes also selten umsetzen und üben kann.

Mehrsprachigkeit kann jedoch auch als Chance gesehen werden.

So unterschiedlich auch die Grammatiken der beiden im jeweiligen Fall zu lernenden Sprachen sein mögen, bieten sie in jedem Fall die Möglichkeit, ein sprachliches Regelwerk zu entdecken und zu entschlüsseln. Grammatiken indogermanischer Sprachen ähneln sich generell in vielen Bereichen.

Das frühe Erlernen verschiedener Sprachen fördert die Kapazitäten und die Plastizität der Gehirnareale, die für Sprache und Sprechen zuständig sind. Dies führt dazu, dass es mehrsprachig aufgewachsenen Kindern später häufig leichter fällt, weitere Fremdsprachen zu erlernen.

Vor diesem Hintergrund scheint die in diesen Tagen häufig geäußerte Forderung, Deutsch als alleinige Schulsprache- auch während der Pausen- einzuführen nicht zwingend sinnvoll. Den Kindern würden nicht nur evtl. weitere Lernchancen verstellt, im schlimmsten Fall verlieren sie dadurch auch ein nicht unerhebliches Stück ihrer Identität. Jedem, der eine Zweitsprache gelernt hat, ist bewusst, dass es z.B. in jeder Sprache eigene Sprichwörter, Redewendungen, Adjektive etc. gibt, die sich partout nicht, oder nur mit gewaltigem und sinnverfremdendem Aufwand ins Deutsche übertragen lassen. Gerade die Verbalisierung von Emotionen oder die Darstellung komplexerer Zusammenhänge fällt in einer anderen als der Muttersprache nicht zuletzt aus diesem Grund äußerst schwer.

Angesichts der Multikulturalität Deutschlands und der stetig fortschreitenden Globalisierung, kann es doch nur förderlich sein, sprachlich gewandte Folgegenerationen zu unterstützen, die sich kommunikativ frei in den jeweiligen Sprachräumen bewegen können.

Copyright 2008 J. Scholz

Weitere Informationen:
http://www.sprachtherapeuten-online.de

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