Schamanismus, Medizinrad & Krafttiere
22.01.2008
Ein Artikel von Karin Groiss
Schamanismus ist das älteste Wissen über die verborgenen Kräfte des Universums. Seit
Jahrtausenden wirken Schamanen und Schamaninnen bei den Naturvölkern
aller Kontinente als Heiler, Zauberer, Wahrsager, Weise und Künstler.
Sie trommeln und tanzen sich in Trance, gehen auf Jenseitsreisen,
rufen Geister als Verbündete und heilen mit den verborgenen Kräften der
Natur. Sie sind Mittler und Boten der alles belebenden Schöpferkraft.
Die Erde ist ihre Mutter, die Tiere sind ihre Geschwister, die Pflanzen
und Steine ihre Verwandten, die Ahnen ihre Ratgeber.
Feuer und
Wasser ist ihre Medizin. Sie singen die Botschaften des Windes und
treffen sich mit den Kräften aller Himmelsrichtungen.
Schamanen
sind Brückenbauer zu verborgenen Wirklichkeiten, sie bringen kranken
Menschen die verlorene Lebenskraft zurück und begleiten die Seelen der
Verstorbenen ins Jenseits.
Bei genauer Betrachtung finden sich
überall in unserem zivilisierten Leben Spuren des Schamanismus. Dort,
wo heute Kapellen, Kirchen, Klöster stehen, waren häufig Kraftplätze
der alten Schamanen. Dort haben sie Heilrituale sowie Zeremonien zur
Sonnenwende und zum Vollmond durchgeführt.

Die
Kirchen haben die alten Jahreszeitenfeste gleich mit übernommen. Die
Katholiken feiern Weihnachten, die Geburt Christi, wenige Tage nach der
Wintersonnenwende; Ostern, die Auferstehung Christi, am ersten Vollmond
nach der Frühlings – Tagundnachtgleiche. Der Schamane war für seine
Gemeinschaft, was für uns heute der Arzt, Lehrer, Priester und
Psychotherapeut ist. Aus der Sicht des Schamanen lebt ein gesunder
Mensch in Harmonie mit den Gesetzen der Natur.
Krankheit ist der
Verlust dieser Harmonie. Während der Schamane sich von seinen Geistern
Heilpflanzen zeigen lässt, benützt der moderne Arzt medizinische
Geräte, ein Labor und verabreicht Medikamente.
Die Schamanen waren die ersten Bewusstseinsforscher,
sie haben Techniken wie monotones Trommeln, Tanzen, Drogeneinnahme,
Fasten in der Wildnis, seit Jahrtausenden erforscht und erfolgreich zum
Heilen eingesetzt.
Ihre Berichte über Trancereisen in andere
Wirklichkeiten liefern den modernen Psychologen wertvolle Hinweise zum
Verständnis psychologischer Krankheiten. Menschen mit Psychosen treiben
hilflos in Erlebniswelten umher, in welchen sich die Schamanen sicher
zu bewegen wissen.
Von ihnen könnte man auch lernen, das Drogenproblem zu bewältigen. Was bei uns zum „Schmeißen“ von Drogen verkommen ist, gehört bei den Schamanen zu den heiligsten und bestgehüteten Ritualen. Nicht nur zivilisationsmüde und esoterisch angehauchte Menschen reisen zu den Schamanen nach Amerika, Afrika, Sibirien oder Australien. Neben Journalisten, die die letzten großen Schamanen aufspüren, senden multinationale Pharmakonzerne speziell ausgebildete Ethnobotaniker in die Urwälder, um Schamanen und Kräuterdoktoren das uralte Wissen über Heilpflanzer abzukaufen. Denn die Kosten für das synthetische Entwickeln neuer Heilmittel in chemischen Labors würde Millionen verschlingen und fünf bis zehn Jahre dauern.
Erneut prallen zwei unterschiedliche Welten – und Naturverständnisse aufeinander. Der Ethno- Botaniker sieht die Pflanze als Wirkstofflieferant und erforscht deren Produktionsmechanismus, um ihn im Labor nachzuahmen und für Medikamente zu nützen. Er dient insgeheim dem christlichen Auftrag, den Menschen die Vorherrschaft über die Welt zu sichern. Der Schamane ist beseelt vom Wunsch, mit der Pflanze als Partner zusammenzuleben. Sie zeigt ihm, in welchen ihrer Teile Heilkräfte verborgen sind und zu welcher Jahres- und Tageszeit deren Kraft am größten ist. Der Schamane bedankt sich bei der Pflanze für ihr Wissen und ihre Heilkraft.
Die Schamanen sind die Weisen und Heiler jener Menschen, die als Gäste
durch die Welt ziehen und vielerorts bis heute Nomaden geblieben sind.
Wohl keiner hat das Natur- und Weltverständnis besser in Worte gefasst
als Chief Seattle, der Häuptling der Duwamish – Indianer.
In seiner Rede an den Präsidenten der Vereinigten Staaten, der den
Indianern vorschlug, das Land an weiße Siedler zu verkaufen und in ein
Reservat zu ziehen, sagte Chief Seattle 1855:
„Wie kann man den Himmel kaufen oder verkaufen - oder die Wärme der Erde?
Diese Vorstellung ist uns fremd. Wenn wir die Frische der Luft und das
Glitzern des Wassers nicht besitzen – wie könnt ihr sie von uns kaufen?
Meine Worte sind wie Sterne, sie gehen nicht unter. Jeder Teil dieser Erde
ist meinem Volk heilig, jede glitzernde Tannennadel, jeder sandige
Strand, jeder Nebel in den dunklen Wäldern, jede Lichtung, jedes
summende Insekt ist heilig, in den Gedanken und Erfahrungen meines
Volkes. Der Saft, der in den Bäumen steigt, trägt die Erinnerung des
roten Mannes.“
Wenn wir auf dem Berggipfel den Aufgang der Sonne miterleben oder ihre
glutrote Scheibe sinken sehen, erwacht in unseren Knochen jenes uralte
Wissen und durchströmt jede Faser unseres Wesens. Tief in uns allen
lebt die Sehnsucht nach einem Leben in Einheit mit der Natur. Wenn
heutige Menschen ihre Faszination durch den Schamanismus begründen,
erwähnen sie als Erstes seine Naturverbundenheit und dann den Zugang zu
den verborgenen Kräften.
Die Menschen der Vorzeit wurden vom Leben
selbst zum Schamanismus geführt. Heute ist es umgekehrt, die alten
Schamanen lehren, dass die elementarsten Lebensprozesse eine Begegnung
mit den verborgenen Kräften der Natur sind.
Auszug aus dem Buch „Schamanismus“ von Carlo Zumstein
Schamanismus,
so wie er heute bekannt ist, kommt meist aus den verschiedenen Kulturen
der nordamerikanischen Indianer. Alles was wir mit „typisch indianisch“
verbinden, wurde von den Lacota übernommen, denn dieser Stamm wurde
auch in den Wildwest- Filmen nachgeahmt.
Die weltweit bekanntesten
Vertreter des Schamanismus sind sicherlich Sun Baer und seine Frau
(Medizinrad), Baer Heart, Michael Harner (Core Schamanismus), Sandra
Ingermann, Gerhard Buzzi und Carlo Zumstein um nur einige zu nennen.
Das Medizinrad - Indianische Tierkreiszeichen
In allen früheren Kulturen galt der Kreis als heiliges Symbol. Egal, ob beim keltischen Steinkreis oder eben beim indianischen Medizinrad. Die erdverbundene Symbolkraft des Kreises ist überall auf der Welt wieder zu finden.

Das Medizinrad ist ähnlich angeordnet wie die uns besser bekannten Tierkreiszeichen. Es heißt, dass wir alle sieben Jahre das Medizinrad einmal durchwandern, um alle geistig- emotionalen Aspekte kennen und verstehen zu lernen. Das Medizinrad ist nach den vier Himmelsrichtungen ausgerichtet. Diese wiederum repräsentieren ein bestimmtes Element, Tier, Mineral, Farbe usw.
Hier ein kurzer Überblick aus dem Buch Das Medinzinrad von Sun Bear:
Mond der Erneuerung

Schneegans - 22. Dezember bis 19. Januar
Hüterin des Geistes aus dem Norden
Pflanze: Birke
Mineral: Quarz
Farbe: Weiß
Element: Erde (Schildkrötenclan)
Eigenschaften: redlich, moralisch, feinfühlig, stark, unflexibel und traditionsgebunden
Mond der Rast und Reinigung

Otter - 20.Januar bis 18. Februar
Hüterin des Geistes aus dem Norden
Pflanze: Zitterpappel
Mineral: Silber
Farbe: Silber
Element: Luft (Schmetterlingsclan)
Eigenschaften: fröhlich, mitteilsam, verlässlich, widersprüchlich, skeptisch und spielerisch
Mond der Großen Winde

Puma - 19. Februar bis 20. März
Hüterin des Geistes aus dem Norden
Pflanze: Wegerich
Mineral: Türkis
Farbe: Blaugrün
Element: Wasser (Froschclan)
Eigenschaften: ruhig, bedacht, tiefschürfend, hellsichtig, launisch und geheimnisvoll
Mond der knospenden Bäume

Roter Habicht - 21. März bis 19. April
Hüterin des Geistes aus dem Osten
Pflanze: Löwenzahn
Mineral: Feueropal
Farbe: Gelb
Element: Feuer (Donnervogelclan)
Eigenschaften: innovativ, optimistisch, scharf beobachtend, munter und unternehmungslustig
Mond der Wiederkehrenden Frösche

Biber - 20. April bis 20. Mai
Hüterin des Geistes aus dem Osten
Pflanze: blaue Camasspflanze
Mineral: Crysokoll
Farbe: Blau
Element: Erde (Schildkrötenclan)
Eigenschaften: stark, unabhängig, ausdauernd, stur und erdgebunden
Mond der Maisaussaat

Hirsch - 21. Mai bis 20. Juni
Hüterin des Geistes aus dem Osten
Pflanze: Schafgarbe
Mineral: Moosachat
Farbe: Weiß, Grün
Element: Luft (Schmetterlingsclan)
Eigenschaften: charmant, intuitiv, anpassungsfähig, wortgewandt, kreativ
Mond der Kraftvollen Sonne

Specht - 21. Juni bis 22. Juli
Hüterin des Geistes aus dem Süden
Pflanze: Heckenrose
Mineral: Karneol
Farbe: Rosa
Element: Wasser (Froschclan)
Eigenschaften: herzlich, einfühlsam, fürsorglich, intensiv, verletzlich und liebevoll
Mond der Reifenden Beeren

Stör - 23. Juli bis 22. August
Hüter des Geistes aus dem Süden
Pflanze: Himbeere
Mineral: Granat und Eisen
Farbe: Rot
Element: Feuer (Donnervogelclan)
Eigenschaften: Vital, großherzig, charismatisch, willensstark, draufgängerisch und mutig
Mond der Ernte

Braunbär - 23. August bis 22. September
Hüter des Geistes aus dem Süden
Pflanze: Veilchen
Mineral: Amethyst
Farbe: Purpur
Element: Erde (Schildkrötenclan)
Eigenschaften: selbstsicher, fair, praktisch, perfektionistisch und wählerisch
Mond der Fliegenden Enten

Rabe - 23. September bis 23. Oktober
Hüter des Geistes aus dem Westen
Pflanze: Königskerze
Mineral: Japsis
Farbe: Braun
Element: Luft (Schmetterlingsclan)
Eigenschaften: anpassungsfähig, intelligent, charmant, kommunikativ, lebhaft und ausgeglichen
Mond der Ersten Fröste

Schlange - 24. Oktober bis 21. November
Hüter des Geistes aus dem Westen
Pflanze: Distel
Mineral: Kupfer und Malachit
Farbe: Orange
Element: Wasser (Froschclan)
Eigenschaften: dynamisch, umsichtig, geheimnisvoll, intuitiv, wandlungsbereit
Mond des Langen Schnees

Wapiti - 22. November bis 21. Dezember
Hüter des Geistes aus dem Westen
Pflanze: Schwarzfichte
Mineral: Obsidan
Farbe: Schwarz
Element: Feuer (Donnervogelclan)
Eigenschaften: einfühlsam, menschenfreundlich, unabhängig, furchtlos, nachdenklich und konkurrenzbetont
Aktuelle Termine und Veranstaltungen
| 05.12.2008 | Schamanisches Reisen (Stellau) |
| 08.11.2008 | Aufstellungsarbeit mit dem Familienerbe (Kaiserslautern) |
| 03.10.2008 | Ausbildung für Frauen - Auf dem Weg (Lübeck) |
| 20.09.2008 | Chakren - Chakrentiere (Bonn) |
| 13.09.2008 | Schamanische Heilreise und Seelenrückholung (Kaiserslautern) |












