Suizid als Ausweg?
10.09.2007
Ein Artikel von Markus Schmidt
Tabuthema Todessehnsucht: Suizid als Ausweg?
Berlin, den 10. September 2007.Laut Schätzungen der Weltgesundheits-organisation (WHO) gibt es weltweit rund eine Million Suizide (Selbsttötungen) pro Jahr. Zehn bis zwanzig Mal so viele Suizidversuche scheitern. Alleine in Deutschland sterben jährlich etwa 12.000 Menschen durch Suizid, wobei zusätzlich von einer hohen Dunkelziffer auszugehen ist.
Im Jahr 2003 wurde von der WHO erstmals der Welt-Suizid-Präventionstag ausgerufen. Mit einem jährlichen Aktionstag soll die Öffentlichkeit für dieses Tabuthema sensibilisiert werden. Suizide sind nach Auffassung der WHO eines der größten Gesundheitsprobleme der Gegenwart. Die Notsignale der Menschen werden oft nicht rechtzeitig wahrgenommen. Ein zentraler Punkt der Prophylaxe besteht darin, den Betroffenen rechtzeitig zu helfen, über ihre Suizidgedanken und die damit verbundenen Probleme zu reden sowie therapeutische und ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Suizid hat multifaktorielle Ursachen: Psychische Erkrankungen, insbesondere Depression und Schizophrenie, chronische körperliche Erkrankungen, Sucht, Alter, Vereinsamung, Suizid in der Familie sowie belastende Lebensereignisse erhöhen das Risiko der Selbsttötung. Es ist davon auszugehen, dass die eigentliche Handlung des Suizid keine willentliche freie Entscheidung des Betroffenen ist, sondern dass biochemische Prozesse im Neurotransmitterhaushalt des Gehirns, ähnlich einer Psychose, die Suizidhandlung lenken. Freitod ist damit nicht wirklich frei gewählt. Die Betroffenen brauchen in ihrer Notlage Hilfe.
Schwierig ist das Leben für Menschen, deren Eltern oder Geschwister oder nahe Angehörige durch Suizid gestorben sind. Die Betroffenen bleiben mit ihren extrem widersprüchlichen Gefühlen wie Liebe, Wut, Schuldzuweisungen und Sehnsucht meist allein. Diese Dynamik kann zu Krankheit, langanhaltender Trauer und zu erhöhtem eigenen Suizidrisiko führen.
Eine hilfreiche Form bei Suizid in der Familie, bei Suizidgedanken, innerer Schwere und Todessehnsucht ist die Aufstellungsarbeit. Sie hilft, tiefliegende seelische Dynamiken sichtbar zu machen. Körperliche und seelische Symptome können aus unbewusster Bindungsliebe und Loyalität im Familiensystem entstehen. Wenn diese Bindungen sichtbar werden und die Lösung als seelischer Vollzug im Herzen gelingt, können die Symptome gehen. Eine neue Hinwendung zum Leben kann entstehen.
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Dr. Renate
Wirth
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