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19.08.2007

Ein Artikel von Anne Schwarz

Wer als Kind zum Schreiben mit rechts gezwungen wurde, kann mit Training wieder auf die linke Hand wechseln - Ein Interview zum Weltlinkshändertag 2007

Wer als Kind zum Schreiben mit rechts gezwungen wurde, kann mit Training wieder auf die linke Hand wechseln - ein Interview mit der Diplom-Psychologin Anne Schwarz-Müller zum Weltlinkshändertag.

Kölner Stadt-Anzeiger:
Frau Schwarz-Müller, viele Erwachsene haben in ihrer Schulzeit gelernt, mit rechts zu schreiben, obwohl sie eigentlich Linkshänder sind. Gibt es für sie eine Möglichkeit, die linke Hand wieder zu trainieren?

Anne Schwarz-Müller: Ja, immer mehr Linkshänderberater bieten in Deutschland sogenannte "Begleitende Rückschulungen" an. Dabei wird durch Übungen die linke Hand speziell gestärkt.

Und warum sollten als Kinder auf rechts erzogene Linkshänder versuchen, im Erwachsenenalter wieder vermehrt die linke Hand zu gebrauchen?

Anne Schwarz-Müller: Die Händigkeit wird genetisch bestimmt. Schon im Mutterleib ist die Entscheidung gefallen, ob jemand als Rechts- oder als Linkshänder auf die Welt kommt. Wer als Linkshänder komplexe Tätigkeiten wie Schreiben mit rechts macht, der fordert sich viel ab. Auch wenn er bereits als Kind umgelernt wurde, so belastet ein Linkshänder, der mit rechts schreibt, sein Gehirn falsch: Die dominante Gehirnhälfte wird unterfordert, die schwächere hat dagegen zu viel zu tun.

Welche Konsequenzen hat diese Falschbelastung der Hände?

Anne Schwarz-Müller: Im Alltag kann das zu Unsicherheiten im Verhalten führen oder dazu, dass das Gehirn länger braucht, um auf Inhalte zurückzugreifen. Nach erfolgreicher Rückschulung wird das Gehirn wieder richtig belastet, dadurch fällt der Alltag leichter, denn die rückgeschulten Linkshänder haben mehr Energie, können sich besser konzentrieren und bekommen mehr Selbstvertrauen.

Aber ist die Rückschulung nicht auch sehr belastend, wenn mehrere Jahre mit rechts geschrieben wurde?

SCHWARZ-MÜLLER: Das Gehirn gewöhnt sich in den Jahren zwar daran, dass mit rechts komplexe Tätigkeiten ausgeführt werden, trotzdem ist der Alltag für die Betroffenen oft noch sehr kraftaufwändig - wenn auch unbewusst. Die Rückschulung ist zwar - wie zuvor die Umschulung auf die rechte Hand - ein massiver Eingriff ins Gehirn und kann in der Übergangszeit belastend wirken, aber dafür setzt die körpergerechte Verwendung der linken Hand am Ende der Behandlung ganz neue Kräfte frei.

Sollte jeder "falsche Rechtshänder" zurückzuschulen?

SCHWARZ-MÜLLER: Nein. Wir reden mit den Betroffenen sehr lange, bis wir entscheiden, ob eine begleitende Rückschulung angebracht ist. Wer zum Beispiel beruflich im Stress ist oder zu Hause eine Horde Kleinkinder um sich hat, dem empfehlen wir, eine ruhigere Lebenssituation abzuwarten. Oder bei einem älteren Bankangestellten würde ich zum Beispiel zunächst von einer Rückschulung abraten; er hat im Beruf viel mit Zahlen zu tun, da kommt es bei der Rückschulung schon mal vor, dass er eine 41 anstatt einer 14 schreibt.

Wie sieht diese begleitete Rückschulung denn praktisch aus?

Anne Schwarz-Müller: Sie benötigen auf jeden Fall täglich 20 bis 30 Minuten für Übungen, um die linke Hand auf die feinmotorischen Anforderungen beim Schreiben vorzubereiten: Am Anfang der Rückschulung machen Sie einfache Sachen mit der linken Hand, wie zum Beispiel Kreise zeichnen. Hinterher sollen Sie mit links zügig und in Ihrer individuellen Handschrift schreiben können. Oft verschwinden durch eine Rückschulung auch Lese-Rechtschreib-Probleme. Von einer spontanen Umstellung auf die linke Hand ohne entsprechende Vorübungen rate ich jedoch ab.

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Weiterführende Informationen und Adressen von Beratungsstellen: http://www.linkshaender-beratung.de/

Interviev: Simon Balzert

Weitere Informationen:
http://www.ksta.de/html/artikel/1186984375158.shtml

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Aktuelle Termine und Veranstaltungen

23.10.2012Informationsabend Linkshändigkeit (Kreis-VHS Bad Neuenahr Ahrweiler)

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