Depression - ein Prozess in Radikaler Erlaubnis

Depression - ein Prozess in Radikaler Erlaubnis

Vielleicht entdeckst Du im Zusammenhang mit Deiner Depression immer wieder Situationen, in denen Du nicht beim Thema bleiben kannst.

Die Dich letztendlich jedes Mal wieder in das spezifische Empfinden Deiner Depression zurück werfen.

Und wie sehr Du damit nichts zu tun haben willst.

Wenn Du also in einer solchen Situation bist, möchte ich Dir auf den Weg geben, vielleicht folgendes zu tun:

einmal inne zu halten und zu Dir selbst zu sagen: „Das ist interessant. Es ist wieder so eine Situation, die für mich unaushaltbar ist. Ja, so fühlt sich das an und aha, so eine Situation ist das also.“

Sodass Du einfach diese Situation bewusst zum Gegenstand Deiner Forschung machst. Ohne etwas daran verändern zu müssen. Das kannst Du dann einfach wiederholen, eben immer wenn sich diese spezifische Situation zeigt.

Ein beispielhafter Prozess:

Klientin X bemüht sich um eine Aufarbeitung ihrer Kindheit und trifft sich dafür mit ihrer Mutter. Im Gespräch bemerkt sie, dass sie aneinander vorbeireden. Sie bemerkt auch, wie sich die Situation immer unangenehmer entwickelt und sie immer mehr das Gefühl bekommt, egal was sie sagt oder wie sie es sagt, es kommt nicht an. Eine heftige Traurigkeit, unglaublich starke Gefühle der Verletztheit steigen auf und sie fühlt sich total damit überfordert. Sie bemerkt auch, wie sehr sie das jetzt nicht zeigen kann und darf. Je länger das Gespräch dauert, desto mehr versucht sie diese Gefühle loszuwerden und es schleicht sich nach und nach eine trostlose Hoffnungslosigkeit ein, die sie niederschmettert…

Nachdem das Treffen beendet ist, bemerkt sie eine starke Verwirrtheit. Sie erlebt sich wie abgetrennt von ihrem Körper und versucht sich zu zerstreuen.

Bloß nicht weiter darüber nachdenken, am Besten nie wieder mit der Mutter über solche Themen reden, das hat eh keinen Sinn.

Trotzdem bemerkt sie, wie etwas in ihr noch Tage danach um dieses Gespräch kreist und nicht darüber hinwegkommt.

In der Sitzung

In der Körperarbeit erforscht Sie ihr Erleben. Sie bemerkt einen Teil in sich, der sich immer dazwischen schiebt, wenn Sie mit dem Schmerz in Kontakt gehen will, der sich bei ihr in Verbindung mit der Mutter gezeigt hat. Etwas wehrt sich unheimlich dagegen. Es ist wie ein wellenartiges Aufbäumen in ihrem Bauch.

„Nein! Das darf sich so nicht anfühlen! Du bist selbst schuld!“

Das will erst einmal anerkannt werden: Magst Du einmal dieses kleine Mädchen in Dir begrüßen, dass diesen Schmerz nicht fühlen darf, weil sie sich so schuldig fühlt. Und vielleicht magst Du ihr sagen, dass es bei Dir angekommen ist, in welchem Dilemma die Kleine steckt. Sie darf sich genau so fühlen.

So kann die Klientin diesen Teil in sich entdecken und integrieren, der sich selbst die Schuld an allem gibt. Der sich selbst beschuldigt, die Eltern verletzt zu haben und sie noch in Schutz nimmt, obwohl sie als Mädchen regelmäßig körperliche Prügel bezogen hat. Sie fühlt sich schuldig dafür, die Eltern so verletzt zu haben, dass sie derart ausrasten und zur Strafe greifen mussten. Sie fühlt sich selbst schuldig dafür, dass die Eltern sie nicht ernst genommen haben und sie nicht so lieben konnten, wie sie es gebraucht hätte.

Sie gibt, unter Anleitung, diesem Teil die Erlaubnis, sich selbst die Schuld zu geben und die Eltern nicht anklagen zu dürfen. 

Das ist an dieser Stelle nämlich das Tabu: Du darfst Deine Eltern nicht anklagen.

Für einen Moment bringt das eine Erleichterung, denn dieser Teil fühlt sich gehört, weil er (das kleine Mädchen von damals) tatsächlich so da ist.

Diese aufwallende Widerwehr legt sich etwas und zurück bleibt aber ein Druck.

Ein Druck dort im Bauch. Die Klientin erforscht den Druck und bemerkt, dass sie in eine Realität blickt, in der sich alles falsch anfühlt. Sie fühlt sich plötzlich so falsch und spürt diesen Druck, anders sein zu müssen.

So, wie es die Eltern benötigen.

Eine Sehnsucht, dass sie einfach nur richtig sein muss und dann wird alles gut. Im Körper fühlt es sich wie eine leichte, fliegende Energie an, die fast schon schön ist.

Und auch dieser gibt sie die Erlaubnis da zu sein: vielleicht magst Du einmal Diesem Teil von Dir sagen: ja, du darfst Dich danach sehnen, doch noch richtig sein zu können und doch noch von den Eltern geliebt zu werden.

Wieder verändert es sich. Der Druck wird immer stärker und es fühlt sich an, als würde sie eine Zentnerlast zerdrücken: „es hat eh keinen Sinn, egal was ich auch tue, es wird niemals gut werden.“ Sie blickt jetzt in eine andere Realität. Es ist, als würden tausend Gesichter sie beschimpfen und ihr Vorwürfe machen, wie falsch und böse und völlig verdorben und wertlos sie ist.

Unter Anleitung gelingt es ihr, auch diesem kleinen Mädchen in ihr die Erlaubnis zu geben: ja, du darfst dich so fühlen!

Auch das bringt für einen kurzen Moment Erleichterung.

Doch dann kommt wieder die Widerwehr: „Du darfst Dich so nicht fühlen! Du egoistisches Stück Scheiße! Du bist selbst schuld“ und wieder steckt sie in der Realität des kleinen Mädchens, das sich selbst die Schuld für alles geben muss.

Und sie bemerkt, wie diese beiden Teile in ihr ringen. Und immer, wenn sie sich einem Teil zuwendet, meldet sich der andere Teil. Schuld und Hoffnungslosigkeit sind in einem Gefühlsteufelskreis gefangen.

Sie beschreibt es wie einen grauen Staubstrudel in ihrer Brust, in dem beide kämpfen.

Sie gibt diesen beiden Teilen, die da miteinander ringen, die Erlaubnis.

Vielleicht magst Du diesem Staubstrudel einmal die Erlaubnis geben, in Deiner Brust da zu sein. Und ihn da strudeln lassen, wie er will. Er darf das.

In Ihrer eigenen Zeit gelingt es Ihr, dieses Ringen für sich anzunehmen und zu erlauben. Wieder hat Sie das Gefühl, als wenn eine Last von Ihr abfällt und wieder kann es sich verändern.

Dieser Strudel wird zu einer Art Makel, der ihr da auf der Brust klebt und sie erlebt es als ein „Blutegelmonsterdings“, das an ihr frisst und mit spitzen Zähnen an ihr nagt.

Sofort meldet sich ein Teil, der es loshaben will. Dieser will als Erstes anerkannt werden.

Magst Du Diesem Teil von Dir einmal erlauben, dieses "Blutegelmonsterdings" loszuwerden... Wie es ist, das voll und ganz zu zu lassen...

Sie folgt dem starken Impuls, dieses Etwas mit einem Spaten heraus zu hobeln und weg zu schmeißen. Auch dieser Teil bekommt die Erlaubnis da zu sein und wieder fühlt es sich erleichternd an.

Wieder verändert es sich, das "Makeldings" kommt zurück, nagt weiter an der Brust. Jetzt will dieser Teil erlaubt sein.

Vielleicht magst Du Diesem kleinen Monster an Deiner Brust einmal erlauben, da zu sein und dort zu nagen, so sehr es will. Vielleicht magst Du ihm sogar sagen: ja. Nimm mich ganz. Du darfst das.

Auch das gelingt Ihr in Ihrer eigenen Zeit und mit der Begleitung. Sie nimmt dieses Etwas für sich an und sagt ihm, dass es ein Teil von ihr ist. Sie gibt ihm die Erlaubnis, da zu nagen und sich an ihr satt zu fressen, so viel und so lange es mag. Und sie fühlt jeden Bissen als einen unerträglichen Schmerz und bleibt mit Hilfe der Begleitung dabei, bei jedem Bissen hört sie verletzende Worte ihrer Mutter und auch da bleiben wir dabei.

Dieser tabuisierte Teil bekommt voll und ganz die Erlaubnis da zu sein und allmählich kann er sich verändern. Die Klientin bemerkt, wie sich langsam ihre Wahrnehmung verändert und das Ekelding sich verwandelt. Mit einem Mal hält sie ein kleines Baby auf ihrem Arm, das an ihrer Brust trinkt!

Sie bemerkt eine tiefe Rührung und Ergriffenheit und das tiefe Bedürfnis, dieses kleine Geschöpf zu schützen und zu lieben.

Magst Du Dieser kleinen X einmal sagen, dass Du sie siehst... und dass Sie nicht mehr allein ist. Kein Wunder, dass Sie sich so fühlt, in Anbetracht dessen, was alles gewesen ist.

Wir geben damit auch diesem Erleben die Erlaubnis und sie kann diesen Teil von sich integrieren. Es beruhigt sich in ihr und sie kann mit dem Gefühl einer tiefen Versöhnung mit sich selbst, diesen Prozess beenden.

Jetzt hat Sie sich mit ihren inneren Anteilen vertraut gemacht und erkennt im Alltag, wann sich welcher Teil meldet und kann ihn begleiten.

Es liegt nahe, dass sie als Säugling mit der Ablehnung der eigenen Mutter zu kämpfen hatte. Diese war nicht in der Lage, die Bedürfnisse ihres Kindes korrekt zu deuten und zu befriedigen, was in dem kleinen Mädchen das Gefühl der tiefen Hoffnungslosigkeit ausgelöst hat und das Gefühl, egal was oder wie sie es der Mutter mitteilt, es kommt nicht an. Gleichzeitig hat sich das Tabu darüber gelegt, dass das nicht sein kann und nicht sein darf. Eine Mutter muss immer ihr Kind lieben!

Es ist eine Eigenart des kleinen Menschen, sich selbst die Schuld an der Misere zu geben und so hat sich dieser "Blutegel" entwickelt, der zugleich die Funktion hat, den wahren Schmerz über die mütterliche Ablehnung zu maskieren und unspürbar zu machen.

Denn das hat diese Arbeit gezeigt, die sich übrigens nicht in so verdichteter Form abgespielt hat, sondern ein langwieriger Prozess war: dass sich die Klientin selbst als so eine Art Monster an der Brust der Mutter erlebt hat und in ihrer Beziehung zueinander so gespiegelt hat.

Aber weil es ein Tabu ist, wenn Eltern ihre Kinder ablehnen und nicht lieben können und das mit dem ungeschriebenen Gesetzt zugedeckt wird: du darfst Deine Eltern nicht kritisieren! war dieser tiefsitzende Schmerz jahrelang zugedeckt.

Er hat sich immer wieder in ähnlichen Situationen zu zeigen versucht, besonders in Beziehungen zu anderen Menschen und schließlich im Ausbruch einer handfesten Depression. Aber eine Heilung und Integration war erst möglich, als die tabuisierte Wahrheit aufgedeckt wurde und der heilsame Schmerz durchlebt wurde.

Heute weiß die Klientin, wenn sich wieder dieser Abgrund der Hoffnungslosigkeit in Ihr öffnet, wer das ist, der da in Ihr aus gutem Grund leidet und kann diesen kleinen Säugling in Ihr begleiten. So wird es möglich, diese Hoffnungslosigkeit in sich zu haben, aber nicht zu sein. Sich in gewisser Weise von ihr zu separieren und sie als einen Teil von sich so zu begleiten, wie es der Säugling damals gebraucht hätte und so kann die Erwachsene heute diese Eigenverantwortung für sich selbst übernehmen.

Allmählich baut die Klientin eine heilsame Beziehung zu diesem Teil von sich auf und irgendwann wird sie vielleicht sogar beginnen, mit dieser Wunde zu spielen und somit Ihre Lebenskraft neu zu entfalten...

Doch dazu mehr in einem anderen Artikel!

Weitere Informationen:
http://https://www.sophia-domke.com/single-post/2017/05/09/Depression---ein-Prozess-in-Radikaler-Erlaubnis

Verfasser und Verantwortlich für den Inhalt:
Sophia Domke, Traumaheilung durch Radikale Erlaubnis, , 04177 Leipzig
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