Systemische Therapie - Versuch eines Leitfadens

Systemische Therapie - Versuch eines Leitfadens

Systemische Therapie in der Praxis

Systemisches Denken bietet in der Psychotherapie einen Denkrahmen, innerhalb dessen die Probleme, die sich im menschlichen und zwischenmenschlichen Leben ergeben. In diesem Rahmen besteht die Möglichkeit Methoden zu erarbeiten, die zur Überwindung dieser Probleme führen können. Zusammengefasst kann man also von einer „Systemischen Praxis“ sprechen. Zweieinhalb Jahrzehnte Erfahrungen arbeiten mit systemischen Ansatz Therapeuten, Berater, Pädagogen in Einzelsetting, Familien- und Paartherapie, Gruppensettings, Supervision, in der Organisationsentwicklung.

Im allgemeinen Sinne bezeichnet systemisches Denken eine Denkkultur, die auf eigenes Erkennen und Interpretieren des menschlichen Lebens aufbaut.

Das systemische Denken beschränkt sich bewusst auf die Ergebnisse menschlichen Beobachtens. Es soll uns mahnen: „Bleib bei deinen eigenen Leisten“. Bescheidenheit zu üben bedeutet, ich bin nicht im Besitz der Wahrheit, ich weiß, was das Richtige ist. Es handelt sich um eine Haltung, die das Denken und das Handeln zur Bescheidenheit mahnt. Dadurch soll eine häufige Verirrung unseres Denkens vermieden werden. (Maturana).

Es bietet also keine Gewissheiten, auf die wir uns beziehen können, um unsere eigenen Aussagen Endgültigkeit zu geben, sie zu belegen. Systemisches Denken beschränkt uns bewusst auf das Beobachten, ohne auf eine Letztbegründung zuzugreifen. Im therapeutischen Kontext sollte ich mich ständig kritisch überprüfen, nichts versprechen was ich nicht halten. Die Mahnung Bescheidenheit zu pflegen trifft im besonderen Masse auf die Angehörigen helfender Berufe zu: Ärzte, Pädagogen, Sozialarbeiter, Psychologen, Therapeuten. Situationen, die bedrohlich erscheinen, in denen wir glauben, uns aufgeforderten zu sehen, zu handeln. Systemisches Denken und handeln kann also ein Schutz für den Helfer sein, in Selbstvorwürfe und Selbstzweifel zu verfallen, nicht genug getan zu haben oder tun zu können. Gebe ich dem nach, nehme ich dem Helfesuchenden Alternativen und Möglichkeiten neuer Denk und Handlungsraum zu erarbeiten.

In der Regel mangelt es dem Klienten oft an Selbstbewusstsein oder Selbstvertrauen, kann sich dem Handeln des Helfers nicht entziehen oder etwas entgegen zu setzen.

Das Anliegen des Therapeuten oder Helfers ist trotz aller Handlungsfähigkeit eine bescheidene Haltung wie „Ich weiß, dass ich nichts weiß“. Er gibt dem Helfesuchenden die Möglichkeit des „Sowohl-als-Auch-Denkens, so dass er sich vielen Möglichkeiten öffnen kann. (Ressourcen, Wunderfrage) 

Die Nutzung für den professionellen Umgang mit Menschen bei der Linderung, Bewältigung, Klärung oder Auflösung ihrer persönlichen, zwischenmenschlichen und organisatorischen Probleme.

Konzept Probleme und Lösungen

  • Neubestimmung des Problems, des Anlasses durch Akzentuierung
    - der menschlichen Autonomie
    - der Offenheit kommunikativer Prozesse
    - der Ressourcen- und Lösungsorientiertheit
  • Neubestimmung einer dazu passenden Methodologie:
    - Beiträge zur Herstellung geeigneter Rahmenbedingungen (Kontext)
    - für den jeweiligen Auftrag günstige, nützliche, passende und
      respektvolle Interaktion bzw. Kommunikation anstelle von
      kausaler Interaktion.

Konzept Problem

Die Rede in der systemischen Therapie von Lösung in Bezug auf Interventionen in psychischen und sozialen Systeme birgt gewisse Gefahren. Das Wort „Problem“ suggeriert ungewollt, das Menschen Probleme „haben“, die man auch „lösen“ könne. Eine passendere Ausdrucksweise müßte es allenfalls heißen, dass Menschen Probleme „machen“, sie also psychisch oder kommunikativ diese erzeugen und reproduzieren und dass sie damit auch aufhören können. Denn Probleme, die aktiv erzeugt werden, können definitionsmäßig nicht lösbar, geschweige denn heilbar sein. Solche Probleme können allenfalls beendet werden.

Lebensprobleme als subjektiv erlebt, sich wiederholende Belastung können unter bestimmten Bedingungen an Aktualität verlieren und so vergessen werden. Problemsysteme lösen sich auf, wenn sie nicht durch weitere Kommunikation reproduziert werden. Das bedeutet aber nicht, dass die entsprechende einschlägige problemeinschlägige Kommunikation nicht jederzeit wieder begönnen werden könnte. Denken wir nur an bestimmte Familienrituale wie z. B. Familienfeste an Weihnachten. Hier können wir uns leicht vor Augen führen, wie leicht Problemsituationen, die ein ganzes Jahr geruht haben, aktualisiert werden können.

Konzept Lösungsorientiertheit

Es spricht eine Arbeitshaltung an, die in der systemischen Therapie unverzichtbar ist. Lösungsorientiertheit lenkt die Aufmerksamkeit des Therapeuten von einem unmäßigen Wühlen in den Problemen ihrer Klienten ab und richtet sich auf Ressourcen und Aspekte, die bei der Bewältigung hilfreich sein können. Die Orientierung meint nicht bloß technologische Handlungsweisen, wie z.B. durch Stellung der Wunderfrage, sondern der systemische Therapeut geht gegenüber seinem Klient in eine allgemeine, optimistische Haltung. 

Leitsätze und Leitfragen des systemischen Therapeuten zur Orientierung

Aufgaben

Leitsätze

Leitfragen

Erzeugung

1. Definiere dich als Therapeut!

2. Sieh Dich !

Übernehme ich Verantwortung als Therapeut?

Stehe ich zu meinen Möglichkeiten?

Erhaltung

  • Gehe von Deinen Klienten aus!
  • Werte förderlich!
  • Beschränke Dich
  • Sei bescheiden!
  • Wessen Maßstäbe lege ich an?

    Suche ich nach Öffnendem?

     

    Fokussiere ich auf das Nötigste?

    Sehe ich mich als Ursache?

    Verwirklichung

  • Bleibe beweglich!
  • Frage konstruktiv!
  • Interveniere ich sparsam?
  • Wechsele ich meine Perspektiven?

    Stelle ich Fragen, die weiterführen?

    Rege ich behutsam an?

    Beendigung

    10. Beende rechtzeitig !

    Kann ich schon beenden?

    ... und

    + 1 Befolge nie blind die Leitsätze!

    Wende ich die Leitsätze flexibel und kontextbezogen an?

     Leitsätze 1 und 2 betreffen das Verhältnis Klient – Helfer/Therapeut.

    Sieh Dich: Fordert uns auf, sich ernst zu nehmen, ohne die eigenen Möglichkeiten zu überschätzen oder zu verleugnen.

    Die Sätze 3-6: Die Bemühung kundenzentriertes, bestätigendes und auftragsgerechtes Klima zu schaffen. Die Verletzung eines dieser Sätze dürfte sich insgesamt ungünstig auswirken, zum Widerstand und Abbruch führen.

    Die Sätze 7-9 betreffen die Intervention des Therapeuten. Er soll auf sparsame und konstruktive Weise Alternativen zur „Problemkommunikation“ fördern und so Therapie verwirklichen.

    Satz 10 empfiehlt, die unvermeidliche Einmischung in das Leben des Helfesuchenden möglichst gering zu halten.

    Der Zusatz +1 erinnert uns daran, dass jede Therapie ein einmaliger kommunikativer Vorgang ist.

    Therapeutische Beziehung

    Die systemische Therapie versteht sich als kommunikatives Geschehen. Sie ist besonders gehalten, Bedingungen zu schaffen, die den Aufbau eines hilfreichen, therapeutischen Systems ermöglichen.

    Bei der Mitgestaltung bedient sich der Therapeut zweier zentraler methodischer Vorgaben: er ist bemüht, den Klienten bei der Formulierung seines Anliegens zu helfen und mit ihm einen darauf eingestellten Arbeitsauftrag zu vereinbaren. Zum anderen sucht er mit seinen Fragen nach Merkmalen im Leben des Klienten, die es ermöglichen, dessen bisherige Lebensweise zu würdigen und dessen Ressourcen zu erkennen.

    Allgemeine Aufgaben:

    1.  Anliegen/Auftrag – Klärung/Erarbeitung und Aushandlung/Vereinbarung eines Auftrags.

    2. Würdigung/Anregung:

    Auftragsgerechter, kundenorientierter, „kunstvoller“ Balanceakt zwischen a) Würdigung – fördernde Maßnahmen zur emotionalen Stabilität durch Anerkennung und Bestätigung

    b) und Anregung/Förderung angemessener Beitrag zur Destabilisierung des              problemtragenden Systems durch Auslösen „heilsamer Verstörungen“, Besinnung auf Bewährtes oder durch Anbahnen von Neuem.

    Spezifische Aufgaben:

    Je nach Auftrag beitragen zur:

    a)   Erzeugung eines spezifischen Hilfesystems

    b)   Erhaltung dieses Hilfesystems

    c)    Erfüllung des spezifischen Auftrags

    d)   Beendigung der Hilfestellung

     Fragen

    Systemische Therapie versteht sich nicht als neue Technologie in der Psychotherapie. Der systemische Therapeut kann widerspruchslos sich der verschiedenen Techniken von anderen Schulen bedienen. Sofern sie zu dem „Fall“ passen oder angepasst werden können.

    Im Wesentlichen handelt sich um Techniken, die den Prozess der Therapie gestalten und dabei helfen, Unterschiede zu treffen, die einen Unterschied machen:

    • Erkundende Fragen (alle Fragen, die Geschichte und Bestand eines Systems zum Thema haben
    • Zirkuläre Fragen (einschließlich die Kommunikation im und über das System)
    • Konstruktive Fragen (einschließlich Fragen die auf die Zukunft und eine Lösung ausgerichtet sind)
    • Vergleichende Fragen (Skalierungsfragen, sonstige vergleichende Fremd- und Selbsteinschätzungen)
    • Reflektieren in allen Variationen (reflektierendes Team)
    • Kommentieren (einschließlich jede Art von Abschlusskommentar)
    • Empfehlungen (einschließlich Hausaufgaben, Rituale, andere Maßnahmen zwischen den Sitzungen)
    • Externalisieren (einschließlich aller Fragen und Vorgaben, die von der Person des Leidens ablenken und Schuldzuweisungen auflösen)
    • Dekonstruieren (einschließlich aller aus der kognitiven, emotionalen, und interkonventionellen entliehenen Techniken, die zur Stabilisierung des Problems beitragen)
    • Metaphern (einschließlich alle Verweise auf die Mehrdimensionalität kognitiver Vorgänge)

     

    Weitere Informationen:
    http://www.seminarhaus-vulkaneifel.de/seminar_systemische_fortbildung.html

    Verfasser und Verantwortlich für den Inhalt:
    Barbara Nau, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Praxis für lösungsorientierte und systemische Therapie, 54552 Immerath
    zum Anbieterprofil ».

    Barbara Nau Heilpraktikerin für Psychotherapie  Praxis für lösungsorientierte und systemische Therapie 54552 Immerath Barbara Nau, Heilpraktikerin für Psychotherapie,
    Praxis für lösungsorientierte und systemische Therapie, 54552 Immerath
    http://www.therapeutenfinder.com/therapeuten/psychotherapie-barbara-nau-immerath.html

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