Bewältigungsprozesse in der Praxis

Bewältigungsprozesse in der Praxis

22.02.2013

Der nächste Schritt.“ Bewältigungsprozesse in der Praxis.

 Seelische Verletzung - traumatisches Erleben

Was ist wichtig nach einer Vergewaltigung? Die Möglichkeit abzutreiben oder das Aufgreifen und Bewältigen der angerichteten Schäden?

Die Kirche mag die Frage stellen, ob ungewollte Schwangerschaft ein Schaden ist. Ich sehe in den seelischen Folgen die vernichtende Realität. Denn das Erleiden von Gewalt greift tief und wirklichkeitskonstituierend in den seelischen Zusammenhang ein.

Auf die einschneidende Erfahrung folgen Schock, Erstarrung, Schmerz/Leid, in der immerwährend wiederkehrenden Aneinanderreihung von ungewolltem Aufdrängen belastender Erinnerungen, Hinterfragen, Zweifel, Selbstverlust.

Die Auslieferungserfahrung wird als zerreißend beschrieben. Die Erschütterung bebt nach, auch wenn dies vom Bewusstsein nicht erinnert oder als emotional unbedeutend eingestuft werden möchte. Menschliche Schutzvorrichtungen wie Verleugnen, Verhamlosen, Ignorieren u.a. sind schneller als der Verstand, welchen sie schützen. Es sind klassische Ausweichmanöver, die in das Umfeld des sexuellen Missbrauchs gehören; nach dem Gesetz der Unfassbarkeit und dem Gesetz der Serie.

Der Vorgang der Traumatisierung ist benannt und in seiner Reichweite gemäß dem aktuellen neurophysiologischen Erkenntnisstand erforscht. Entsprechend sind Therapien entworfen worden, die dem Trauma, der spezifischen Auslieferungserfahrung, den quälenden inneren Bildern und der Ansteckung an Mitmenschen, wie zum Beispiel nachfolgende Generationen begegnen.

Ein Leitgedanke dabei ist, die Verarbeitung in drei Phasen zu beschreiben: Stabilisierung, Exploration und Integration. Vorrang hat in Zeit und Dringlichkeit die erste Phase der Stabisilierung. Erst wenn die Seele stark genug ist zu erfassen, was geschehen ist, wird sie bereit sein, wandelbare Inhalte an die Oberfläche, in Erkenntnisbereiche steigen zu lassen. Hier werden sie erhoben, bedacht, ausgesprochen, bebildert, geformt, verwandelt und integriert.

Stabilisierung + Exploration + Integration = Traumaverarbeitung

Diese Prozesse sind weder linear noch vernünftig. Weil sie aber Ordnung, Sinn und Beziehung stiften wirken sie heilsam regenerierend.

Die Heilung schwerer seelischer Wunden erfordert außerdem eine Art Realitätsverschiebung: Einbildungskraft bis hin zu verrücktem Denken, in eine unweltliche Jenseitigkeit, in der die Dinge sich in chaotische Zustände auflösen – unbewusst und schwer zu fassen.

Die Bebilderung des Unbewussten ist seine Ausdrucksweise; aus der Lebensbewegung in der Tiefe entfaltet sich eine Sprache der Seele. Hier geraten wir von Zuständen jenseits der menschlichen Vorstellungskraft zurück in die Ordnungen des täglichen Lebens, zurück auf die Erde.

Bilder, die Ausdruckskraft des Körpers, aber auch Gemeinschaft, Zeit, Grund und Zwischenraum sind Zugänge zu den gesunden Wirklichkeiten, die aus dem Beziehungsgeschehen in der Therapie folgen.

Kunsttherapie arbeitet explizit mit Bildern, was ihren Platz in traumazentrierten Therapieverläufen bekräftigt. Hier können Bedeutungen und Inhalte berührt oder bewegt werden, ohne dass verbale Sprache notwendig ist.

Auf Sprache nicht angewiesen zu sein und sich dennoch gesehen, anerkannt und zugänglich zu fühlen wird als Erleichterung erlebt. Kunsttherapeutische Gestaltungsprozesse können eine eigenwillige, multimodal positive Wirkung auf Körpergedächtnis und seelische Gesundheit nehmen.

Da kinästhetisches Erleben, sowohl beim Schlagen einer seelischen Wunde, als auch beim Schließen derselben, eine besondere Rolle spielt, kommt der Methode Arbeit am Tonfeld ein besonderer, explikativer Wert zu. ...

© Andrea Brummack, 2013

 

Verfasser und Verantwortlich für den Inhalt:
Andrea Brummack, Diplomkunsttherapeutin, Therapie und Beratung, 72660 Beuren
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Therapie und Beratung, 72660 Beuren
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