Burnout-Syndrom

Burnout-Syndrom

Laut einer Studie im Auftrag der Techniker-Krankenkasse1 empfinden acht von zehn Deutschen ihr Leben als stressig, jeder Dritte steht unter Dauerdruck. Bereits jeder Fünfte leidet unter gesundheitlichen Stressfolgen. Stressfaktor Nummer eins ist der Job mit Hetze und Termindruck. Dies schlägt sich auch in hohen Fehlzeiten nieder: So waren der Untersuchung zufolge die Menschen hierzulande im letzten Jahr fast zehn Millionen Tage wegen sogenannter Burnout-Symptome krankgeschrieben (Steigerung um 17 Prozent innerhalb der letzten fünf Jahre). Damit fehlten rund 40.000 Arbeitskräfte über das ganze Jahr an ihrem Arbeitsplatz, weil sie sich ausgebrannt fühlten. Besonders gefährdet sind Menschen in sozialen Berufen, Beschäftigte in Sandwich-Positionen zwischen zwei Hierarchieebenen, Schichtarbeiter und Berufspendler. Aber auch Kindererziehung und finanzielle Sorgen führen vermehrt zu psychischen Belastungen. Noch gestresster als Berufstätige fühlen sich Hausfrauen und -männer. 95 Prozent von ihnen klagten über Stress, vier von zehn sind in andauernder körperlicher und psychischer Anspannung. Damit sind Hausfrauen und -männer sogar noch stärker belastet als Führungskräfte.

Das sind erstmal nur anonyme Zahlen, die wir vielleicht noch mit einiger Distanz betrachten, obwohl die Mehrzahl aller Menschen in Industrieländern sich zumindest teilweise in anhaltenden Stresssituationen befinden. Die Gefahr bei Burnout-Syndrom besteht gerade darin, dass die meisten Betroffenen erst dann wahrnehmen, dass ihnen alles zu viel ist und irgend etwas fehlt, wenn sie der Krise schon bedrohlich nahe sind.

Lassen sie mich im Folgenden die Entwicklung dieses Problems in der Weise skizzieren, wie mir betroffene Patienten in der Praxis ihr Erleben und ihre Erfahrung mit pausenlosem Stress schildern.

I. Entflammen II. Brennen III. Ausbrennen IV. Phönix aus der Asche

I. Entflammen

Eigentlich hat alles so schön begonnen. Da war die Freude über den Familienzuwachs, das neu gebaute Eigenheim, der Wiedereinstieg in den Beruf nach der Babypause, die neue Arbeitsstelle mit mehr Verantwortung, die langersehnte berufliche Selbststständigkeit....

Schlüsselworte:

  • Enthusiasmus, Idealismus
  • Arbeitsstellenwechsel, Beförderung, Selbstständigkeit
II. Brennen

Mit vollem Engagement wurde sich der neuen Herausforderung nahezu pausenlos hingegeben. Für eigene Bedürfnisse nach Erholung und Ruhephasen schien erstmal keine Zeit zu sein – das sollte dann später kommen. Die neue Aufgabe füllte den Tagesablauf komplett aus. Es gab viele gute Gründe für den ständigen inneren Antrieb, denn wenn man nicht alles selber machte, schien die Arbeit liegen zu bleiben und woher sollte denn sonst das Geld kommen für die vielen Verpflichtungen. Natürlich war es dabei auch mal nötig am Wochenende ins Büro zu gehen oder sich Arbeit am Abend mit nach Hause zu nehmen. So konnte Zeit gespart werden, die dann übrig war, um noch mehr zu arbeiten. Eine große Gewissenhaftigkeit, ja Perfektionismus, der Wunsch es allen recht und alles richtig zu machen, erzeugte großen Druck. Ein kompromissloser Einsatz, der die eigene Leistungsfähigkeit auf die Probe stellte, schien als der Weg zum hoch gesteckten Ziel. Es war ein Leben auf ‘Standby‘, jederzeit einsatzbereit und erreichbar rund um die Uhr – eben ‘der ganz normale Wahnsinn‘.

Schlüsselworte:

  • Fehlende Kompromissbereitschaft
  • Perfektionismus
  • Überidentifizierung
  • Gefühl von Unentbehrlichkeit
  • Selbstüberschätzung
  • Vermeidung von Bedürftigkeit, Nichtbeachtung eigener Bedürfnisse
  • Verzicht auf Erholungs- und Entspannungsphasen
  • Unfähigkeit Grenzen zu setzen
  • Helfersyndrom (Versagenserlebnisse und mangelnde Zuwendung in der Kindheit werden zu kompensieren versucht durch übertriebenen Einsatz für andere)
III. Ausbrennen

Was früher noch Freude machte, wurde schleichend zu einer zusätzlichen Belastung. Das Spiel mit den Kindern war mit einem mal nervende Pflichtaufgabe. Sie schienen sich dem notwendigerweise streng geregelten Ablauf nicht unterwerfen zu wollen. Alles, was sich der eigenen Kontrolle entzog, erschien nun störend. Der Sport in der Freizeit wurde immer leistungsorientierter oder es war keine Zeit mehr dafür. Auch die gemeinsame Zeit mit dem Partner wurde weniger. Den ganzen Tag Reden und Zuhören, da war man am Abend froh um etwas Ruhe. Die Muße und Ruhe für Austausch, die Offenheit für die Bedürfnisse und Sorgen des anderen, hatten keinen Platz mehr im stressigen Alltag – und abends wollte man sich nicht auch noch um die Belange eines anderen kümmern müssen. Das führte immer häufiger zu Streitereien und Konflikten. Als Selbstschutz zog man sich innerlich zurück und machte dicht. Das Gefühl völlig allein zu sein und Misstrauen gegenüber der Umwelt beherrschten allmählich das Bewusstsein. Das Vertrauen in die Welt ging verloren, dass sie sich auch dann noch weiterdrehte, wenn das eigene Hamsterrad zum Stillstand gekommen wäre. So wurden, schlimmer noch als die tägliche hektische Routine, zunehmend die kurzen Momente, in denen es eigentlich nichts zu tun gab, zum Problem. Die körperliche Ausgelaugtheit und die geistige Leere schienen keinen Platz mehr zu lassen für kreatives Schaffen. Durch ein Glas Wein mehr am Abend, Zigaretten, Internet- und Computeraktivitäten und Fernsehen bis zum Einschlafen, wurden Müdigkeit und Desinteresse weniger schmerzlich erfahren. Das half tatsächlich manchmal, um abends ‘runterzukommen‘, jedoch war das morgendliche ‘Hochkommen‘ dadurch sehr erschwert. Gegessen wurde unkontrolliert viel oder es wurde völlig vergessen. Die Erotik ging verloren oder pervertierte zu einer vereinnahmenden Obsession. Schuldgefühle schlichen sich ein und entwickelten sich zu Selbstvorwürfen oder aggressiven Anklagen anderen gegenüber. Das Gefühl ausgenutzt, nicht gesehen, nicht unterstützt und nicht angemessen anerkannt zu werden, bildete eine Mauer zu anderen. Die Haltung gegenüber der Arbeit, den Kollegen und der Familie wurde zynisch und ablehnend. Dann traten die ersten Symptome auf, die später, nach vielen Arztbesuchen, irgendwann als ´psychosomatisch´ diagnostiziert wurden. Körperliche Verspannungen, Kopfschmerzen, Reizdarm, Schlafstörungen, Herzrasen, Konzentrationsstörungen, Hörsturz, Tinnitus, Schwindel, Ängste und Panikattacken. Dadurch wurden soziale Kontakte und unbeschwerter Austausch noch mehr eingeschränkt. Das tägliche ´Funktionieren´ war nun nicht mehr nur sinnentleerte Qual, sondern teilweise unmöglich. Der Glaube an die eigene Stärke geriet ins Wanken und das Erkennen der Illusion, die eigenen so wichtigen Lebensziele auf diesem Weg zu erreichen, führte zu Enttäuschung, Hilflosigkeit und Verzweiflung.

Schlüsselworte:

  • Leistungs- und Antriebsschwäche
  • Körperliche und emotionale Erschöpfung
  • Zwanghaftigkeit, Kontrollwahn
  • Schuldgefühle, Schuldzuweisungen
  • Depression, Aggression
  • Misstrauische, zynische, ablehnende Grundhaltung gegenüber der Umwelt
  • Isolation, Vermeidung sozialer Kontakte
  • Suchttendenz (Arbeit, Nikotin, Medikamente, Alkohol, Sex)
  • Sinnlosigkeit, Frustration
  • Ängste, Panikattacken
  • Verspannungen, Reizdarm, Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, Herzrasen, Hörsturz, Tinnitus, Schwindel
IV. Phönix aus der Asche

Phönix ist ein mythischer Vogel, der verbrennt und aus seiner Asche verjüngt wieder aufersteht. Die Asche ist in vielen Kulturen ein Symbol für Reinigung, Buße und Verwandlung. In diesem Sinne kann auch eine Krise, die heftig lodert und das bisherige Tun und Sein in Frage stellt, einen notwendigen Neubeginn ankündigen. Wenn an diesem Punkt das eigene Scheitern schmerzlich (an)erkannt wird, bemerken viele Betroffene, dass sie Hilfe und Begleitung auf einem neuen Weg brauchen.

Medikamente wie Anti-Depressiva und Tranquilizer, Streßbewältigungs-Programme, und andere Empfehlungen, die die Wiedereingliederung und das Funktionieren im Alltag zum obersten Ziel haben, können eine erste Stabilisierung der körperlichen und geistigen Verfassung bewirken. Es besteht jedoch die Gefahr, dass die notwendige innere Wandlung damit nicht vollzogen wird, und der betroffene Mensch nur wieder ‘der Alte‘ wird – eben der, der irgendwann schleichend am eigenen Lebenswandel ernsthaft erkrankt ist.

Im Folgenden erfahren Sie, welche Themen und Ziele in der ´Praxis für Homöopathie und Psychotherapie‘ bei der Behandlung eines ausgebrannten Menschen im Vordergrund stehen. Die Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen, heißt die eigene Urheberschaft (nicht Schuld) anzuerkennen für das was gestern war, heute ist und morgen sein wird. Das ist eine wichtige Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben. Damit besteht das erste Ziel darin, das Bewusstsein zu schärfen für die Tatsache, dass sich nur etwas verändern kann, wenn der/die Betroffene wirklich bereit ist für Veränderung. An diesem krisenhaften Punkt im Leben, wo es scheinbar nichts mehr zu verlieren gibt, besteht die persönliche Herausforderung und Chance darin, risikofreudig zu werden und Neues auszuprobieren – ein Leben zu wagen, das sich mehr an den eigenen Bedürfnissen als an den Erwartungen der anderen orientiert.

Ein integrativer Therapieansatz aus Homöopathie und Psychotherapie in Einzel- und Gruppensitzungen hat sich in der Praxis dabei als sehr hilfreich erwiesen. Eine Paarberatung oder Paartherapie kann unterstützend und konfliktlösend wirken, weil nicht nur eine einzelne Person, sondern meist das ganze System instabil und fragil gworden ist.

Am Anfang steht die Behandlung der so genannten somatoformen Beschwerden im Vordergrund. Symptome wie Hörsturz, Tinnitus, Schlafbeschwerden, Schwindel, Kopfschmerzen u.a. beeinträchtigen das Leben sehr. Die klassisch-homöopathische Therapie hat sich bei diesen Beschwerden sehr bewährt. Hier wird von einem psychosomatischen Konzept der Krankheitsentstehung ausgegangen und heilend Einfluß genommen auf die körperlichen Symptome, die geistig-seelischen Ursachen entstammen.

Zugleich ist es wichtig, die rastlosen Aktivitäten auf ein gesünderes Maß zu reduzieren, um dem gesamten Organismus Ruhe zu gönnen. Der Teufelskreis, der darin besteht, sich beinahe zu Tode gearbeitet zu haben, um sich seine Lebensberechtigung zu verdienen, muss unterbrochen werden. Man kann sich das Leben nicht durch Leistung verdienen, sondern nur als Geschenk dankbar annehmen. Ein psychisches Grundmuster bei Menschen mit Burnout- Syndrom ist jedoch die Eigenschaft immer mehr zu geben als zu nehmen. Die Hilflosigkeit und Verzweiflung es nicht anders gelernt zu haben, werden dabei deutlich durch Aussagen wie "man kann doch nicht..." / "man muß doch..." / "man sollte aber..." . Die erste Person ‘Ich‘ und das Hilfsverb ‘wollen‘ und damit die Aussage "ich will...", scheint völlig verdrängt worden zu sein. Dieses Verhalten drückt sich immer auch in ‘eingefleischten‘ Haltungsmustern aus.

Über die physische Arbeit an diesem ‘Charakterpanzer‘ (Wilhelm Reich) durch Bioenergetik kann auch auf das psychische (Fehl-) Verhalten Einfluß genommen werden.

Dem Willen geht ein Spüren voraus. Nur wenn ich spüre, was mit mir gerade los ist, kann sich daraus ein angemessenes Wollen ableiten und eine stimmige Handlung ergeben. Das Spüren wurde jedoch unterdrückt durch ‘Hintern zusammenkneifen‘, ‘Zähne zusammenbeißen‘, ‘Kopf hochhalten‘ und betäubt durch Nikotin, Alkohol und Medikamente. Das, was sonst im Alltag spürbar bewusst geworden wäre, wäre auf Dauer unerträglich gewesen.

Spür-Übungen beziehen sich anfangs auf das bewußte Erleben der Rhythmik einfacher Grundfunktionen des Lebens. Da gibt es ein ganz selbstständiges Ein- und Ausatmen – und dann eine Pause. Für das Wichtigste im Leben, wie z.B. die Atmung, muß nichts getan werden, es kommt und geht von ganz allein. Allein das Wahrnehmen der Selbstverständlichkeit der eigenen Atmung kann viele, bisher mit Muskelenergie gehaltene Emotionen auslösen. Das ist eine wichtige Erfahrung für Menschen, die gelernt haben alles für sich zu behalten und zu kontrollieren. Diese emotionale Katharsis ist jedoch nur hilfreich, wenn ein vertrauensvolles Gegenüber anwesend ist. Es braucht jemanden, anfangs den Therapeuten, bei dem die Erfahrung und das Vertrauen nachreifen kann, dass man selbst völlig in Ordnung ist, auch wenn man sich so zeigt, wofür man vielleicht früher bestraft, ausgelacht oder ignoriert wurde. Eine weitere Aufgabe besteht darin, die eigene Genussfähigkeit wiederzuentdecken und die persönliche Leistungsfähigkeit besser einschätzen zu lernen. Es wird die, in uns allen ‘inbildhaft‘ angelegte Lust geweckt auf einen eigenartigen Lebensstil und Ausdruck – nicht auf ein normales Leben, wie es Mama, Papa und den Nachbarn gefällt. Dafür brauchen wir Vorbilder, die zu einem neuen, gereiften Selbstbild führen. Unmissverständich ‘Ja‘ und ‘Nein‘ sagen zu lernen, ist auf Dauer gesünder, als es allen recht zu machen.

Im Bewusstsein der Atmung als innerem Taktgeber kann man sich dann anderen Rhythmen menschlichen Lebens zuwenden. Ziel ist, einen gesunden Ausgleich zwischen den folgenden Polaritäten im täglichen Leben zu üben: Einatmen – Ausatmen, Essen – Verdauen, Wachen – Schlafen, Stille – Aktivität, Spiel – Arbeit.

Wenn diese Grundbedürfnisse angemessen erfüllt sind, geht es vor allem um die Entwicklung unseres spezifisch menschlichen Potentials. Das besteht in einer Balance zwischen Alleinsein und Gemeinschaft, Hingabe und Selbstbehauptung, Gelassenheit und Entschlusskraft, Geben und Nehmen. Und schließlich in der Entwicklung von Kreativität, Präsenz und der eigenen Selbstverwirklichung im lustvollen Dienst an der Gemeinschaft.

Um dieses höchste Ziel menschlichen Lebens zu erreichen, nämlich sich selbst zu entfalten – autonom und gleichzeitig in verbindlicher Beziehung mit anderen Menschen – scheinen Grenzerfahrungen notwendig zu sein.

Schlüsselworte:

  • Integrativer Therapieansatz: Klassische Homöopathie, Psychotherapie und Paartherapie
  • Verantwortung übernehmen
  • Selbstbestimmung
  • Ruhe
  • Rhythmik und Ausgleich: Einatmen/Ausatmen, Essen/Verdauen, Wachen/Schlafen, Stille/Aktivität, Spiel/Arbeit; Alleinsein/Gemeinschaft, Hingabe/Selbstbehauptung, Gelassenheit/Entschlusskraft, Geben/Nehmen
  • Spüren, Wollen
  • Individueller Lebensstil, eigener Ausdruck
  • Genussfähigkeit, Leistungsfähigkeit

Quellen:

1 www.tkonline.de/centaurus/servlet/contentblob/164766/Datei/18738/TK_Pressemappe.pdf

Weitere Informationen:
http://www.praxis-breitenberger.de

Verfasser und Verantwortlich für den Inhalt:
Markus Breitenberger, Heilpraktiker, Homöopathie, Psychotherapie und Paartherapie , 80469 München
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Markus Breitenberger Heilpraktiker   Homöopathie Psychotherapie und Paartherapie  80469 München Markus Breitenberger, Heilpraktiker,
Homöopathie, Psychotherapie und Paartherapie , 80469 München
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