Castillo-Morales-Konzept

Castillo-Morales-Konzept

Stand: 02.04.2015

Erwachsene und Kinder mit orofazialen, sensomotorischen oder kommunikativen Störungen finden mit diesem neurophysiologisch orientierten Therapiekonzept umfassende Hilfe.

Rodolfo Castillo Morales

Rodolfo Castillo Morales wuchs in Argentinien auf, geprägt durch den Einfluß von Eingeborenen, unter deren Obhut er aufwuchs.

Die Eingebohrenen, unter deren Obhut Rodolfo Castillo Morales in Argentinien aufwuchs, vermittelten ihm ihr alt überliefertes, naturheilkundliches Wissen, ihre Lebensweise und die Achtung vor dem Leben, und lehrten ihn früh, seine Beobachtungsgabe im Tier und Pflanzenreich zu schulen.

Seit dem er die Ausbildung zum Rehabilitationsarzt 1968 in Madrid/Spanien beendete,
leitet er in Cordoba/Argentinien ein Rehabilitationsszentrum für Kinder und Erwachsene. Er entwickelte ein Konzept, das mit sensomotorischen und orofazialen Schwerpunkten ausgerichtet war, die:

  • Neuromotorische Entwicklungstherapie (NET)
  • Orofaziale Regulationstherapie (ORT)

Die beiden Therapieschwerpunkte werden seit 1997 nicht mehr getrennt unterrichtet, da eine Behandlung im orofazialen Bereich ohne Berücksichtung und Stabilisierung des Haltungshintergrundes keinen Erfolg verspricht. Castillo Morales will sein gesamtes Konzeot in einer sechswöchigen Fortbildung Vermitteln.

Das Behandlungskonzept

Sein sensomotorisches Behandlungskonzept entwickelte Castillo Morales aus der jahrelangen Erfahrung mit Kindern mit muskulärer Hypotonie.

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Das Behandlungskonzept hat sich erweitert und bezieht heute folgende Indikationsstellungen ein:

  • Kinder mit genetischen Syndromen und Muskelhypotonie
  • Kinder mit verlangsamter sensomotorischer Entwicklung
  • Kinder und Erwachsene mit zentralmotorischen Störungen und / oder Mehrfachbehinderung
  • Patienten mit peripheren Paresen
  • Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen
  • Patienten nach Schädelhirntrauma und Koma

Die Therapie

Die Therapie orientiert sich an der normalen sensomotorischen Entwicklung des Kindes. Propriozeptive Erfahrungen werden durch Behandlungstechniken wie Zug, Druck und Vibration verdeutlicht und die visuelle Orientierung im Raum haltungsstabilisierend genutzt. Die Kinder werden aufmerksamer, offener und motivierter, nehmen ihre Umwelt besser auf, werden fähiger zur Kommunikation und probieren mehr aus.

Es wird intensiv an der Stützfunktion der Füße gearbeitet, die Kinder werden so früh wie möglich vertikalisiert, am bestem am Körper der Eltern.

Das orofaziale Behandlungskonzept (ORT)

Für das orofaziale Behandlungskonzept (ORT) sammelte Castillo Morales seine Erfahrungen aus der Arbeit mit Kindern mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten und bei Kindern mit Down Syndrom.
Das Konzept wird heute bei Kindern und Erwachsenen mit verschiedensten sensomotorischen Störungen im Bereich des Gesichtes, Mundes und Rachens angewandt, wie z.B. bei

  1. Kindern mit Pierre-Robin-Sequenz,
  2. Kindern mit Moebius-Syndrom
  3. Patienten mit neurologischen Erkrankungen mit orofazialer Begleitsymptomatik, wie z.B.: Neuromuskuläre Erkrankungen, Zerebralparesen, nach Schädel-Hirn-Trauma und Schlaganfall.

Die Therapie setzt exaktes Wissen über die muskulären Verläufe, die verschiedenen Muskelfunktionen, die Entwicklung der physiologischen Funktionen des orofazialen und gesamtkorperlichen Komplexes und die Wechselwirkung dieser Systeme voraus. Sie muß Bedingungen der emotionalen, kommunikativen und sozialen Entwicklung ebenso berücksichtigen wie die Kriterien der Autonomie-Entwicklung des Kindes.

Vertrauensvoller Dialog in Gegenseitigkeit

Das Menschenbild, das Castillo Morales vermittelt, wird für jeden spürbar und erfahrbar, der ihn in der Behandlungssituation mit Kindern oder Erwachsenen erleben konnte. Die Person des Menschen mit Behinderung stellt Castillo Morales in den Mittelpunkt des Konzeptes.

Von der ursprünglichen Bevölkerung Lateinamerikas hat CM übernommen,daß sie die Entwicklung der Kinder in direktem körperlichen Kontakt fördern. Um mit dem Kind in Kontakt zu treten, müssen wir uns auf seine Ebene begeben. Das Kind ist im direkten, personellen Kontakt motiviert Neues zu versuchen und seine Welt zu entdecken. Motorisches Lernen erfolgt im bewußten Spüren des eigenen Körpers und im Kontakt des Körpers mit der Umgebung. Es sollen keine Verhaltensweisen eingeübt werden, sondern dem Patienten ein Weg gezeigt werden, sich Entwicklungsschritte selbst zu erarbeiten.

Dazu muß auch abgewartet werden können, die "Eigenzeit" respektiert werden, um so die Chance zum eigenen Handeln einzuräumen.

So kann es zu einem vertrauensvollen Dialog in Gegenseitigkeit als grundlegende Voraussetzung jeder therapeutischen Situation kommen. Nur ein Mensch, der sich wohl fühlt spielt, probiert und lernt.

Autorin: Dr. Angelika Enders Haunersches Kinderspital München

Mit vollem Munde spricht man nicht, oder?

Wie diese umgangssprachliche Redensart schon verrät, werden für das Sprechen und Essen die gleichen anatomischen Strukturen im orofazialen Bereich benutzt. Wir wollen die Zusammenhänge zwischen der Situation des Essens und der Kommunikation sowie deren Bedeutung im Castillo Morales Konzept darstellen.

Die Situation des Essens dient nicht nur der Nahrungsaufnahme, d.h. der physiologisch notwendigen Zunahme von Energieträgern sondern beinhaltet viele weitere wichtige Aspekte, die hier dargestellt sind.

Essen ist eine gemeinschaftliche Handlung, aber je nach soziokultureller Umgebung variieren Haltung, Sitten und Gebräuche sehr. Sie sind eng verknüpft mit der gesellschaftlichen Entwicklung. Die Hektik des Alltages erlaubt es uns oft nicht, in Ruhe gemeinsam mit den Kindern das Essen vorzubereiten. Schnell wird auf Tiefkühlkost und Gläschen zurückgegriffen, so dass ein wichtiger Teil der Wahrnehmung und Selbständigkeit verloren geht. Vermeintlich verschiedene Gläschen unterscheiden sich optisch und geschmacklich wenig und riechen häufig gleich.

Beim Zubereiten von frischer Nahrung und deren Verspeisen können die Kinder viele wichtige sensorische Erfahrungen mit den Händen und dem Mund machen, welche die gleichen Rezeptorentypen haben. Wenn man Kindern unterschiedliche Nahrungsmittel anbietet und auch manchmal zulässt, dass sie damit experimentieren dürfen, lernen sie Konsistenzveränderungen, unterschiedliche Oberflächen und Beschaffenheiten, Geruch, Temperatur, Volumen, Größe und Farbe kennen. Auch der Hörsinn vermittelt Erfahrungen beim Essen, wie z.b. das Knacken von Chips.

Reichhaltigkeit dieser Erfahrungen fehlt häufig den Kindern und Erwachsenen, mit denen wir in unserem Berufsalltag zusammen sind. So kommt es häufig vor, dass uns Kinder mit Problemen beim Essen vorgestellt werden. Dies erfordert eine genaue Analyse der Situation des Essens jedes einzelnen Kindes oder Erwachsenen. Dazu gehören im Castillo Morales Konzept neben der Überprüfung der orofazialen Strukturen und der physiologischen Funktionen des orofazialen Komplexes ganz besonders auch die Beobachtung der Haltung, der Kommunikation / Interaktion, soziokultureller Aspekte und der Wahrnehmungsleistungen. Uns ist eine funktionelle Diagnostik dabei sehr wichtig, denn eine genaue Analyse lässt Behandlungsansätze erkennen.

Im Prozess der Selbständigkeitsentwicklung spielt das Essen ebenfalls eine wesentliche Rolle. Im Laufe der Entwicklung und durch zunehmende Reife wird aus dem völlig abhängigen Säugling ein Kind, das sowohl die motorische Fähigkeit erlernt, die Nahrung selbst zum Mund zu führen als auch zunehmend mehr selbst bestimmt, was es essen möchte. Je älter die Kinder werden, umso größer ist ihr Anteil bei dem Beschaffen und Zubereiten der Nahrung, wenn ausreichend Zeit zur Verfügung steht.

Der Aspekt der Selbständigkeit ist im Castillo Morales Konzept von zentraler Bedeutung und hat seinen philosophischen Ursprung in den Beobachtungen des Autors von Eingeborenenstämmen Südamerikas.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Haltung, sowohl die innere wie auch die äußere. Wir wählen als Ausgangsstellung gerne die sogenannte motorische Ruhe, die aus der französischen Schule von Tomas, Amiel - Tison und Grenier kommt und ursprünglich zur Untersuchung von neurologischen Funktionen genutzt wurde.

Die Haltung der motorischen Ruhe reduziert Massenbewegungen, die Aufmerksamkeit des Kindes wird verbessert und durch den richtigen, dem Kind und seinen Fähigkeiten angepassten Augenabstand, wird dem Kind schon in einem frühen Lebensalter das Fixieren ermöglicht.

Der Rumpf wird stabilisiert, der Tonus und die Atmung regulieren sich und so kann eine verbesserte Kopfkontrolle erreicht werden. All diese Faktoren geben den Kindern Halt, vermitteln ihnen Nähe und so kann man zusammenfassend sagen: Die motorische Ruhe ist eine wichtige Hilfe zum Beginn einer Kommunikation .
Für Dr. Castillo Morales ist die Kommunikation "lo primero del primero" - das wichtigste von allem! Deshalb ist es unsere Aufgabe in die Sphäre des Kommunikationspartners zu kommen, in dem wir, falls ihm keine Lautsprache zur Verfügung steht, die Kommunikation aufrechterhalten, seine Codes decodieren und uns auf seine Ebene begeben. Mit dem Patienten, seinen Angehörigen seiner Umwelt und Kultur müssen wir ständig die Bedürfnisse und Wünsche abgleichen, um Begleiter auf dem Weg zu einer anderen Lebensqualität, mehr Selbstbestimmung und Selbständigkeit sein zu können.

Literaturliste:

  • Biegenzahn,W. Orofaziale Dysfunktionen im Kindesalter Forum Logopädie Thieme Verlag 1995
  • Biegenzahn,W. Ätiologie, Klinik, Diagnostik und Therapie von Schluckstörungen Stuttgart, New York Thieme 1999
  • Broich I. 2001 Sprache und Stimme in der Ganzheitlichen Kieferorthopädie Forum Logopädie Schulz-Kirchner Verlag Idstein
  • Burenhult, G. 2000 Naturvölker heute Weltbild Verlag GmbH, Augsburg
    Castillo Morales, R 2000 Die orofaziale Regulationstherapie Pflaum Verlag München
  • Mac Clancy, J. 1995 Gaumenkitzel Juninus Verlag
  • Mechsner F. Es liegt uns auf der Zunge , Geo 21 /94 Nahrung und Gesundheit
    Zipprick, J. Dr. med. Koch Focus 10/2002

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